BRSG II: Bundesregierung will Betriebsrente stärker verbreiten

Veröffentlichung: 04.09.2025, 09:09 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Das Bundeskabinett hat den Entwurf für ein Zweites Betriebsrentenstärkungsgesetz beschlossen. Ziel ist es, die betriebliche Altersversorgung gerade in kleinen und mittleren Unternehmen auszubauen. Warum Politik und Versicherungswirtschaft den Schritt begrüßen – und zugleich Nachbesserungen fordern.

(PDF)
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).Tobias Koch

Das Bundeskabinett hat den Entwurf des Zweiten Betriebsrentenstärkungsgesetzes (BRSG II) verabschiedet. Mit dem Gesetz soll die betriebliche Altersversorgung (bAV) als zweite Säule neben der gesetzlichen Rente weiter gestärkt und stärker in der Breite etabliert werden.

„Wir wollen die betriebliche Altersversorgung stärken. Das gilt vor allem für kleine und mittlere Unternehmen und für Beschäftigte mit niedrigen Einkommen. Betriebsrenten sind eine wichtige Säule neben der gesetzlichen Rente. Sie tragen dazu bei, dass Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben, von ihrer Rente gut leben können. Unser Gesetzentwurf ist ein wichtiger Schritt, damit mehr Beschäftigte Betriebsrenten erhalten können und so mehr Sicherheit und eine gute Vorsorge fürs Alter haben“, betonte Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil.
Auch Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hob die Vorteile hervor: „Betriebsrenten sind effizient und sicher, besonders wenn sie auf kollektiver Grundlage von den Sozialpartnern organisiert werden. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz sollen künftig besonders Beschäftigte mit geringen Einkommen und in kleinen und mittleren Unternehmen von dieser Form kapitalgedeckter Zusatzrenten profitieren. Gute Betriebsrenten tragen zur Lebensqualität im Alter bei.“

Kernpunkte des Gesetzes

Der Entwurf sieht mehrere Maßnahmen vor, die den Zugang zur bAV erleichtern und ihre Attraktivität erhöhen sollen:

  • Sozialpartnermodelle sollen künftig auch für Beschäftigte offenstehen, die nicht Mitglied der jeweiligen Gewerkschaft sind – sofern die Sozialpartner zustimmen. Das könnte die Verbreitung insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen erleichtern.
  • Die Einkommensgrenze beim „bAV-Förderbetrag“ für Geringverdienende wird moderat angehoben und künftig regelmäßig angepasst. Auch der jährliche Förderhöchstbetrag steigt.
  • Durch regulatorische Anpassungen in der Kapitalanlage sollen die Renditechancen für Betriebsrenten verbessert werden.

Neben den bAV-Regelungen werden auch Sozialgesetze punktuell angepasst – etwa durch die Verstetigung und Ausweitung von Online-Wahlen bei Sozialversicherungswahlen.

Auch die Versicherungswirtschaft bewertet den Gesetzentwurf positiv, mahnt jedoch weitergehende Reformen an.

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), erklärte: „Je älter wir als Gesellschaft werden, desto wichtiger wird zusätzliche private Altersvorsorge. Starke Betriebsrenten sind dafür ein essenzieller Baustein. Der Gesetzentwurf geht in die richtige Richtung. Aber es könnte noch mehr getan werden, um Betriebsrenten in kleineren und mittleren Unternehmen sowie bei Geringverdienenden voranzubringen. Damit Betriebsrenten noch attraktiver werden, bräuchte es zudem mehr Spielraum in den Kapitalanlagen – etwa bei der Beitragszusage mit Mindestleistung.“

Mit dem BRSG II knüpft die Bundesregierung an die Reform von 2018 an, die bereits steuerliche Anreize für Geringverdienende und das Sozialpartnermodell eingeführt hatte. Ziel ist, die Betriebsrente zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Altersvorsorge in Deutschland zu machen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Michael H. HeinzMichael H. HeinzBVK-Präsident Michael H. HeinzBVK
Politik

BRSG II: „Beim Verbreitungsgrad der bAV ist deutlich Luft nach oben“

Das Bundeskabinett hat eine Reform der betrieblichen Altersversorgung beschlossen – mit Fokus auf Geringverdiener und kleine Unternehmen. Warum der BVK den Gesetzentwurf begrüßt, aber zugleich eine entscheidende Lücke sieht, zeigt die aktuelle Stellungnahme.
Die Bundesregierung will mit einem 2. Betriebsrentenstärkungsgesetz die betriebliche Altersversorgung im Mittelstand attraktiver machen. Doch der Bund Deutscher Vermögensberater (BDV) sieht den Entwurf kritisch.Die Bundesregierung will mit einem 2. Betriebsrentenstärkungsgesetz die betriebliche Altersversorgung im Mittelstand attraktiver machen. Doch der Bund Deutscher Vermögensberater (BDV) sieht den Entwurf kritisch.DALL-E
bAV

Direktversicherung statt Sozialpartnermodell: BDV zweifelt an Reformwirkung

Die Bundesregierung will mit einem 2. Betriebsrentenstärkungsgesetz die betriebliche Altersversorgung im Mittelstand attraktiver machen. Doch der Bund der Versicherten (BDV) sieht den Entwurf kritisch. Vor allem für kleinere Unternehmen greift er aus Sicht des Verbands ins Leere – und könnte sogar zu zusätzlicher Gängelung führen. Welche Rolle dabei die Gewerkschaften spielen und warum die Direktversicherung für KMU der eigentliche Königsweg bleibt, zeigt ein genauer Blick auf die Pläne.
Opting-Out, Sozialpartnermodell, Geringverdienerförderung: Die geplante Reform der betrieblichen Altersversorgung (BRSG II) wird vom AfW Bundesverband Finanzdienstleistung grundsätzlich begrüßt – doch zentrale Umsetzungsfragen bleiben offen.Opting-Out, Sozialpartnermodell, Geringverdienerförderung: Die geplante Reform der betrieblichen Altersversorgung (BRSG II) wird vom AfW Bundesverband Finanzdienstleistung grundsätzlich begrüßt – doch zentrale Umsetzungsfragen bleiben offen.DALL-E
Politik

Praxisfallen beim BRSG II: Bürokratiearme Umsetzung entscheidend für bAV-Erfolg

Opting-Out, Sozialpartnermodell, Geringverdienerförderung: Die geplante Reform der betrieblichen Altersversorgung (BRSG II) wird vom AfW Bundesverband Finanzdienstleistung grundsätzlich begrüßt – doch zentrale Umsetzungsfragen bleiben offen.
GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg AsmussenGDV-Hauptgeschäftsführer Jörg AsmussenGDV
bAV

Betriebsrente im Aufwind? Mehrheit offen für Opt-out-Modell

52 Prozent der Beschäftigten würden eine automatisch angebotene Betriebsrente annehmen – nur 12 Prozent würden aktiv widersprechen. Eine aktuelle GDV-Umfrage zeigt: Niedrigschwellige Modelle stoßen auf breite Akzeptanz. Doch findet das in der politischen Debatte Widerhall?

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht