Bayerische Versorgungskammer: Bis zu 700 Millionen Euro Verluste durch riskante US-Immobilieninvestments
Die Bayerische Versorgungskammer (BVK), größte öffentlich-rechtliche Versorgungseinrichtung Deutschlands mit rund 117 Milliarden Euro Anlagevermögen und knapp drei Millionen Versicherten, sieht sich massiver Kritik ausgesetzt. Medienberichten zufolge drohen der Pensionskasse Verluste von bis zu 700 Millionen Euro infolge verlustreicher US-Immobilieninvestments.
Die BVK verwaltet die Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenversorgung für Angehörige freier Berufe wie Ärzte, Anwälte oder Schornsteinfeger. Ursprünglich als risikoarme Langfristinvestorin konzipiert, wurde ihre Kapitalanlagepolitik in jüngster Zeit durch Engagements in internationalen Immobilienprojekten – darunter Bürogebäude und Hotels in Manhattan, San Francisco und Miami – zunehmend risikoreicher. Teile dieser Objekte mussten mit Abschreibungen oder Verlustverkäufen abgewickelt werden.
Hohe Verluste und politische Debatte
Laut Berichten der „Süddeutschen Zeitung“ und anderer Medien investierte die BVK bis zu 1,6 Milliarden Euro in mehrere US-Immobilienprojekte, die sich nachträglich als problematisch erwiesen: Einige Gebäude stehen leer, andere sind sanierungsbedürftig oder wurden mit Verlust verkauft. Die daraus resultierenden Wertberichtigungen beliefen sich bereits für das Geschäftsjahr 2024 auf mehr als 160 Millionen Euro, und nun wird ein Gesamtschaden von bis zu 700 Millionen Euro nicht ausgeschlossen.
Diese Nachrichten haben nicht nur medial für Aufmerksamkeit gesorgt, sondern auch politische Reaktionen ausgelöst: Oppositionsparteien im Bayerischen Landtag werfen der Staatsregierung Versagen bei der Aufsicht vor, während die zuständigen Behörden betonen, dass sie keine Einzelinvestments genehmigen müssten. Parallel dazu laufen juristische Auseinandersetzungen in den USA, darunter Klagen von Mietern und Käufern gegen die BVK und beteiligte Akteure – unter anderem auf Grundlage des RICO-Gesetzes.
Versorgungskammer: „Die Altersvorsorge unserer Versicherten ist sicher“
Bereits im Dezember 2025 reagierte die BVK auf die wachsende Kritik. „Wir bedauern, dass es in den USA im Immobiliengeschäft zu Verlusten gekommen ist. Zugleich ist es wichtig festzuhalten, dass diese durch die guten Ergebnisse aus den anderen Assetklassen gemäß unserer Diversifizierungsstrategie kompensiert werden. Es haben sich bislang keine Auswirkungen auf die Versorgungszusagen für unsere 2,7 Millionen Mitglieder, Versicherten und Leistungsempfänger ergeben. Und auch für die Zukunft gilt: Die Altersvorsorge unserer Versicherten ist sicher“, so Axel Uttenreuther, Vorstandsvorsitzender der BVK.
Weiter wird betont, dass man sich der Verantwortung gegenüber den Versicherten bewusst sei und bereits Maßnahmen zur Aufarbeitung eingeleitet habe. Als öffentlich-rechtliche Körperschaft unterliegt die BVK der Aufsicht des Bayerischen Staatsministeriums des Innern. Zudem verweist sie auf laufende Maßnahmen zur Stärkung interner Risikokontrollen.
Während die aktuelle Berichterstattung vor allem die Verluste einzelner Investments in den Fokus rückt, zeichnet der jüngste Jahresbericht der BVK ein deutlich stabileres Gesamtbild. So verweist die Bayerische Versorgungskammer selbst in ihrem Jahresbericht 2024 (PDF) auf den langfristigen Charakter ihrer Kapitalanlage. Die Versorgungseinrichtungen kalkulieren demnach mit einem Anlagehorizont von bis zu 100 Jahren, kurzfristige Marktverwerfungen seien darin grundsätzlich einkalkuliert. Vor diesem Hintergrund werden einzelne Verluste nicht isoliert bewertet, sondern im Gesamtportfolio betrachtet.
Das Eigenkapitalengagement von rund 1,6 Milliarden Euro im Rahmen der US-Immobilieninvestitionen entspricht nach Angaben der BVK weniger als 1,4 Prozent der gesamten Kapitalanlage zum Ende 2024. Auswirkungen auf die Versorgungszusagen gegenüber Mitgliedern, Versicherten und Leistungsempfängern schließt die Versorgungskammer nach wie vor aus, da diese durch die breit diversifizierten Kapitalanlagen durch andere Investments ausgeglichen werden können.
Zugleich räumt die BVK in ihrem jüngsten Jahresbericht ein, dass sich das Umfeld für Immobilieninvestments deutlich eingetrübt habe. Gestiegene Zinsen und eine verhaltene Entwicklung bei Projektentwicklungen erforderten eine aktive Steuerung und Neubewertung von Risiken. Konkrete Einzelengagements oder regionale Schwerpunkte werden in dem Bericht jedoch nicht ausgewiesen.
Inwieweit einzelne Investmententscheidungen und Kontrollmechanismen künftig politisch oder aufsichtsrechtlich aufgearbeitet werden, bleibt jedoch abzuwarten.
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