Die Diskussionsrunde „Macht Platz – für männliche und weibliche Solidarität, denn es geht nur gemeinsam!“ auf der DKM 2025 bot Einblicke in unterschiedliche Perspektiven aus Vertrieb, Digitalisierung, Sport, Geschäftsführung und Unternehmensentwicklung. Moderiert wurde das Gespräch von Alex Kallmeier, Geschäftsführerin von VersCare, die die Runde klug strukturierte, präzise Fragen stellte und dafür sorgte, dass aus Meinungen ein konstruktiver Dialog wurde.
Quote unter Druck: Förderinstrument oder überholt?
Zum Einstieg diskutierten die Teilnehmenden die Rolle der Frauenquote. Julia Krajewski, Olympiasiegerin in der Vielseitigkeit, berichtete aus dem Sport, wo Leistung zähle, nicht das Geschlecht. Sie beobachtete im Reitsport eine größere Solidarität unter Männern, während Frauen sich oft gegenseitig im Weg stünden.
Frank Kettnaker, ALH-Vorstand, lehnte die Quote grundsätzlich ab und sprach sich für unternehmensseitige Verantwortung und strukturelle Förderung aus.
Tamara Pagel, Vorstandsvorsitzende der Dialog Versicherung, sah in der Quote einen sinnvollen Impulsgeber der Vergangenheit, heute aber vor allem eine Frage der inneren Haltung.
Doreen Gossert von FINAS wandte sich gegen die Idee, dass das Geschlecht für Relevanz sorgen sollte, und betonte die Bedeutung von Kompetenz und Leistung.
Susanne Bartels, FemininFinance, betrachtete die Quote als notwendiges Korrektiv – solange strukturelle Benachteiligungen bestehen.
Stefanie Weidner, Finanz Hegemann, sah sie als Schutzfaktor in einer Zeit, in der gesellschaftliche Rückschritte wieder möglich seien.
Zusammenhalt konkret: Räume öffnen statt Fronten bilden
Wie kann echter Zusammenhalt gelingen? Stefanie Weidner betonte die Bedeutung von Sichtbarkeit, Relevanz und geteilten Privilegien. Solidarität bedeute, Räume für andere zu schaffen.
Tamara Pagel forderte passende Rahmenbedingungen, die berufliches und privates Leben vereinbar machen. Männer müssten aktiv gefördert werden, um Polarisierung zu verhindern – beispielsweise durch die Anerkennung von Elternzeit.
Mentoring und Mut: Zwischen Netzwerken und Neuanfang
Julia Krajewski sprach über ihre persönliche Entwicklung nach dem Olympiasieg. Ihre neu gewonnene mentale Stärke wolle sie nun gezielt an junge Frauen weitergeben.
Doreen Gossert berichtete, wie sie gelernt habe, sich auf Inhalte zu konzentrieren und sich nicht von Äußerlichkeiten oder Selbstzweifeln ablenken zu lassen. Der Mut zum „einfach machen“ sei zentral.
Frank Kettnaker schilderte Unterschiede in der Selbstdarstellung zwischen Männern und Frauen. Daraus leitete er die Notwendigkeit ab, Prozesse umzugestalten – etwa durch Teilzeitoptionen in Führungspositionen.
Susanne Bartels wies darauf hin, dass Entscheidungen meist von Männern getroffen würden. Deshalb brauche es männliche Verbündete, die strukturell Verantwortung übernehmen.
Strukturwandel durch KI: Wie viel Bias steckt in Algorithmen?
Stefanie Weidner warnte vor den blinden Flecken in KI-Systemen. Viele seien so trainiert, dass sie traditionelle Rollenbilder verfestigten – Männer mit Macht, Frauen mit Empathie. Wer KI einsetze, beeinflusse aktiv, wie sie sich entwickelt – Verantwortung dürfe nicht ausgelagert werden.
Vorurteile und Vereinbarkeit: Wer stellt hier eigentlich welche Fragen?
Tamara Pagel berichtete über stereotype Fragen im Zusammenhang mit der Elternzeit ihres Mannes und ihrer eigenen Rolle als Vorständin. Für sie sei Familie ein Gemeinschaftsprojekt – das müsse auch gesellschaftlich anerkannt werden.
Männer mitdenken, mitreden, mitgestalten
Auf die Publikumsfrage, ob Männer künftig Platz machen müssten, reagierte Frank Kettnaker mit dem Plädoyer, nicht zu verdrängen, sondern zu vernetzen. Männer gehörten in diese Diskurse hinein – die Brücke zur Gleichstellung lasse sich nur gemeinsam bauen.
Susanne Bartels sprach sich für Reflexion vor Aktion aus – Männer müssten sich fragen, ob sie wirklich Teil des Wandels seien oder nur auf der Beobachterbank säßen.
Doreen Gossert betonte, dass die Geschichte stimmen müsse – nur wenn die gemeinsame Vision klar sei, könne echte Veränderung entstehen.
Julia Krajewski hob hervor, dass Männer oft aus Angst, Fehler zu machen, auf Abstand blieben. Brücken müssten deshalb bewusst gebaut werden – niemand verliere, wenn beide Seiten gewinnen könnten.
Tamara Pagel formulierte zum Schluss einen Appell zu Mut und Miteinander – nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern als Grundhaltung in herausfordernden Zeiten. Stefanie Weidner ergänzte, dass Solidarität keine Einbahnstraße sei – sie brauche Bewusstsein und Struktur, um wirksam zu werden.
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