Nach Sturm und Brand: Wie Versicherer auf Prävention setzen

Veröffentlichung: 03.06.2026, 16:06 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Hagel, Starkregen, Stürme und Brände verursachen immer häufiger schwere Gebäudeschäden. Ein neues Projekt der Provinzial und mehrerer Landesfeuerwehrverbände zeigt, wie Versicherer zunehmend auf Prävention und schnelle Nothilfe setzen. Statt erst nach dem Schaden zu regulieren, soll die Ausbreitung von Folgeschäden bereits unmittelbar nach einem Ereignis verhindert werden.

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Gemeinsam im Einsatz für schnelle Hilfe nach Unwetterschäden: Die Innenministerin von Schleswig-Holstein, Magdalena Finke (Mi.), der Innen-Staatssekretär von Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Christian Frenzel (Mi.re), und Provinzial- Vorstandsmitglied Sabine Krummenerl (6.v.li.) freuten sich mit den Vertretern der Landesfeuerwehrverbände über die Realisierung des Notdachprojekts in ihren Bundesländern.Gemeinsam im Einsatz für schnelle Hilfe nach Unwetterschäden: Die Innenministerin von Schleswig-Holstein, Magdalena Finke (Mi.), der Innen-Staatssekretär von Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Christian Frenzel (Mi.re), und Provinzial- Vorstandsmitglied Sabine Krummenerl (6.v.li.) freuten sich mit den Vertretern der Landesfeuerwehrverbände über die Realisierung des Notdachprojekts in ihren Bundesländern.Mareike Dahms

Die Folgen von Unwettern enden oft nicht mit dem eigentlichen Schadenereignis. Wenn ein Sturm ein Dach abdeckt oder ein Brand die Gebäudehülle beschädigt, drohen zusätzliche Schäden durch Regen, Wind und eindringende Feuchtigkeit. Gerade diese Folgeschäden können die Sanierung erheblich verteuern und die Wiederherstellung von Wohn- oder Betriebsgebäuden verzögern.
Vor diesem Hintergrund haben die Provinzial und die Landesfeuerwehrverbände von Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ein gemeinsames Notdachprojekt gestartet. Ziel ist es, Feuerwehren besser für Einsätze nach Extremwetterereignissen und Bränden auszustatten. Insgesamt wurden 150 Notdächer an die Verbände übergeben.

Schutz vor Folgeschäden

Bei den Notdächern handelt es sich um besonders stabile und UV-beständige Planen, die mithilfe von Drehleitern oder Kränen über beschädigte Dächer gezogen werden können. Sie bieten einen temporären Witterungsschutz und können nach Angaben der Projektpartner mehrere Wochen im Einsatz bleiben, bis eine dauerhafte Reparatur möglich ist.
„Mit dem Notdachprojekt schaffen wir als öffentlicher Versicherer eine schnelle und flexible Lösung, um nach einem Brand oder Unwetter rasch zu helfen und Folgeschäden durch eindringende Nässe und Wind zu verhindern“, erläutert Sabine Krummenerl, Vorstandsmitglied der Provinzial Holding AG. „Die enge Zusammenarbeit mit den Feuerwehren ermöglicht es uns, genau dort zu unterstützen, wo Hilfe am dringendsten gebraucht wird.“

Versicherer entdecken die Prävention neu

Die Initiative steht exemplarisch für eine Entwicklung, die sich seit einigen Jahren in der Versicherungswirtschaft beobachten lässt. Versicherer investieren zunehmend in Maßnahmen, die Schäden verhindern oder deren Folgen begrenzen sollen. Das reicht von Sensorik gegen Leitungswasserschäden über Frühwarnsysteme für Naturgefahren bis hin zu Präventionskampagnen für Privat- und Gewerbekunden. Die Ursachen liegen auf der Hand: Extremwetterereignisse nehmen zu, Reparaturen werden teurer und die Schadenbelastungen steigen. Für Versicherer wird es deshalb immer wichtiger, nicht nur Schäden zu bezahlen, sondern Risiken aktiv zu reduzieren.

Feuerwehren schließen eine wichtige Lücke

Auch die Feuerwehren sehen einen konkreten Nutzen. „Das Notdachprojekt schließt eine Lücke im Bevölkerungsschutz. Unsere Einsatzkräfte stehen häufig vor der Herausforderung, beschädigte Dächer kurzfristig schützen zu können. Mit den neuen Notdächern können wir schnell und professionell weitere Schäden an Gebäuden und Einrichtungen verhindern und Betroffenen die notwendige Sicherheit geben“, betonen die Vertreter der beteiligten Landesfeuerwehrverbände.
Die Provinzial investiert nach eigenen Angaben rund 200.000 Euro in die Ausstattung der Feuerwehren in den drei Bundesländern. Bereits im vergangenen Jahr war ein vergleichbares Projekt in Nordrhein-Westfalen gestartet worden.

Klimafolgen verändern die Rolle der Versicherer

Das Projekt passt zu einer breiteren Diskussion innerhalb der Branche. Angesichts zunehmender Naturgefahren verschiebt sich der Fokus vieler Versicherer zunehmend von der reinen Schadenregulierung hin zu Fragen der Resilienz und Prävention.
Dabei geht es nicht nur um den Schutz einzelner Gebäude, sondern auch um die Widerstandsfähigkeit von Kommunen, Unternehmen und kritischer Infrastruktur. Maßnahmen wie Notdächer mögen auf den ersten Blick unspektakulär wirken. Im Ernstfall können sie jedoch verhindern, dass aus einem einzelnen Dachschaden ein deutlich größerer Versicherungsfall wird.

Prävention wird zum Wettbewerbsfaktor

Für Versicherer ergeben sich daraus auch wirtschaftliche Vorteile. Jeder vermiedene Folgeschaden reduziert potenzielle Entschädigungsleistungen und beschleunigt die Wiederherstellung beschädigter Gebäude. Gleichzeitig stärken sichtbare Hilfsmaßnahmen die Wahrnehmung der Versicherer als Partner im Krisenfall.
Das Notdachprojekt zeigt damit exemplarisch, wie sich die Rolle der Versicherungswirtschaft verändert. Nicht erst nach dem Schaden aktiv zu werden, sondern bereits unmittelbar danach weitere Schäden zu verhindern, könnte künftig zu einem immer wichtigeren Bestandteil moderner Risikosteuerung werden.

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