Vito Micoli, Betriebswirtschafter und Geschäftsführer bei FI InvestmentsVito Micoli, Betriebswirtschafter und Geschäftsführer bei FI InvestmentsThomas Feith für FI Investments

Das optimale Rentenmodell? Internationale Nachbarschaft als Vorbild

Veröffentlichung: 23.09.2025, 15:09 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Die geplante Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031 gilt Experten als unzureichend. Vito Micoli von FI Investments fordert grundlegende Reformen – mit Blick auf internationale Modelle wie Schweden, Österreich oder Kanada, die Kapitalmarktanlagen, Pflichtvorsorge und staatlich regulierte Fonds kombinieren.

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Auf die parlamentarische Sommerpause soll nun der „Herbst der Reformen“ folgen. Doch die geplante Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031 sowie die Ausweitung der Mütterrente versprechen wenig Innovationsgeist. „Die Reform des Umlageverfahrens ist längst überfällig“, weiß Vito Micoli, Betriebswirtschafter und Geschäftsführer bei FI Investments. „Ein nachhaltiges, stabiles Modell muss Faktoren wie den demografischen Wandel und die Lohnentwicklung berücksichtigen und gleichzeitig Generationengerechtigkeit sichern.“ Ein Blick in andere Länder zeigt, wie innovative Ansätze funktionieren – und welche Elemente auch für die Vorsorge in Deutschland denkbar wären.

Basis stärken

Eine solidarische Grundrente, finanziert aus laufenden Beiträgen der Erwerbstätigen, bildet das Fundament vieler stabiler Rentensysteme. „Durch das sogenannte Rentenloch ist dieser Generationenausgleich allerdings gefährdet“, mahnt Vito Micoli. In Deutschland soll die schrittweise Erhöhung des Rentenalters seit 2012 diese Finanzierung im Gleichgewicht halten, was sich aber allein aus gesundheitlichen Gründen sowie unsicherer Beschäftigungsperspektive für ältere Personen als schwierig erweist. „Modelle wie in Schweden flexibilisieren diesen Ansatz durch ein Punktesystem, das auf mehreren Säulen und somit unterschiedlichen Finanzierungsarten basiert. Langfristig wäre es aber auch denkbar, die Anzahl der Beitragszahler generell zu erhöhen“, erläutert der Finanzexperte. In Österreich sowie in den USA zahlen grundsätzlich alle Erwerbstätigen, einschließlich Selbstständiger, in das gesetzliche Rentensystem ein.

Investition am Kapitalmarkt

Während Deutschland noch über das Generationenkapital diskutiert, bildet die Aktienrente in anderen Ländern längst eine wichtige Säule in der Altersvorsorge. „Um die Umlagefinanzierung zu entlasten, machen Anlagen am Kapitalmarkt durchaus Sinn“, weiß Micoli. „Länder wie Schweden, Norwegen, die Niederlande und Großbritannien investieren die Rentenbeiträge ihrer Bürger bereits am Kapitalmarkt. Das bedeutet, ein Teil der Einzahlungen wird in einen Fonds gesteckt, der Aktien und andere gewinnträchtige Wertpapiere kauft.“ Während die Beschäftigten in Schweden jedoch ein Mitspracherecht beim Anlageprodukt haben und individuelle Ansprüche erwerben, wird in Deutschland derzeit ein angesparter Kapitalstock visiert, um das Rentenniveau generell zu stabilisieren und den Haushalt zu entlasten.

Langfristige Stabilität durch staatlich regulierte Fonds

Anders als die Aktienfonds in Schweden oder den Niederlanden, die in erster Linie aus Finanzprodukten für private und institutionelle Anleger nach EU-Regelwerk (UCITS/AIFMD) bestehen, arbeitet Kanada mit staatlich verwalteten Fonds wie dem Canada Pension Plan Investment Board oder der Alberta Investment Management Corporation. „Die Investition erfolgt dabei weltweit, breit diversifiziert – nicht nur in Aktien, sondern auch in Immobilien, Infrastruktur und Private Equity über professionelle Vermögensverwalter im Staatsauftrag“, erläutert der Finanzexperte. „Ziel ist es, langfristig strategische Kapitalreserven für die Altersvorsorge auszubauen.“

Arbeitgeber in die Pflicht nehmen

Betriebliche Altersvorsorge pendelt in Deutschland zwischen freiwilliger Leistung und Entgeltumwandlung. Die Niederlande zeigen, wie eine verpflichtende, branchenweite betriebliche Altersvorsorge hohe Versorgungsniveaus sichern kann. „Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen gemeinsam in große, professionell verwaltete Pensionsfonds ein“, berichtet Micoli. „Diese breite Kapitalbasis ermöglicht langfristige Investitionen mit stabilen Renditen – ein Modell, das auch in Deutschland deutlich ausgebaut werden könnte.“ Denkbar wäre ein System, bei dem von Geburt an bis zum Renteneintritt kontinuierlich auf ein individuelles Vorsorgekonto eingezahlt wird – nicht als Umlage, sondern als echtes Sparguthaben. Staatliche oder elterliche Beiträge in der Kindheit könnten bei langfristiger Verzinsung ein solides Fundament schaffen. Ergänzt durch monatliche Beiträge während des Erwerbslebens anteilig durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber, ergibt sich ein Kapitalstock, der bei Renteneintritt eine zusätzliche monatliche Auszahlung ermöglicht.

Private Vorsorge

„Wer im Alter seinen Lebensstandard halten möchte, sollte den Vermögensaufbau schleunigst selbst in die Hand nehmen“, rät der Finanzexperte. Vermeintlich sichere Anlageformen wie Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld werfen in der Regel wenig Rendite ab. „Inflationsbedingt werden dabei sogar reale Verluste eingefahren“, warnt Vito Micoli. „Dank Big Data und intelligenten Algorithmen gibt es mittlerweile ganz neu strukturierte Finanzprodukte mit hoher Rendite – etwa Investmentfonds mit fixer Verzinsung und Gewinnbeteiligung.“ Vor der Zeichnung sollten sich Anleger jedoch genau informieren und dabei vor allem auf Transparenz und versteckte Kosten achten.

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