
Sichere Rente trotz Inflation? So groß ist die Lücke wirklich
Die gesetzliche Rente deckt im Schnitt nicht einmal die Hälfte des letzten Gehalts ab – und die Inflation vergrößert die Lücke Jahr für Jahr. Warum klassische Sparformen keine Lösung sind und welche Strategien wirklich tragen könnten.
Niedrige Geburtenraten, steigende Lebenserwartung und die Inflation – das deutsche Rentensystem steht vor massiven Herausforderungen. Sicher ist bereits heute: Für viele Menschen reicht die gesetzliche oder berufsständische Altersversorgung nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern.
„Viele Menschen möchten möglichst früh in den Ruhestand – oder zumindest die Wahl haben“, sagt Vito Micoli, Betriebswirtschafter und Geschäftsführer bei FI Investments. „Um ausreichend Vermögen aufzubauen, benötigt es daher eine Strategie abseits von Spareinlagen und dem Prinzip Hoffnung.“
Zentrale Voraussetzung ist Transparenz. Neben der gesetzlichen Rente existieren meist zusätzliche Ansprüche aus betrieblicher oder privater Vorsorge sowie weitere Vermögenswerte. Doch die Übersicht fehlt. „Nur wer die exakte Höhe seiner zukünftigen Rentenbezüge kennt, kann sein Optimierungspotenzial genau definieren“, so Micoli. Digitale Programme und Apps können hier helfen.
Der Handlungsdruck ist hoch: Das Rentenniveau liegt aktuell bei rund 48 Prozent. „Um seinen Lebensstandard zu halten, hat die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest etwa 80 Prozent des letzten Netto-Einkommens als gängigen Richtwert ermittelt“, erklärt Micoli. Die Differenz müsse durch private und betriebliche Vorsorge geschlossen werden. Inflation verschärft die Lücke zusätzlich. „Selbst bei einer moderaten Inflationsrate von zwei Prozent benötigt es mindestens sieben bis acht Prozent Zinsen, um einer Entwertung des eigenen Vermögens entgegenzuwirken.“
Dabei zählt vor allem der frühe Start. „Wer mit 40 Jahren anfängt, Geld anzulegen, kann noch alle Möglichkeiten ausschöpfen“, sagt Micoli. Für langfristige Anleger bieten sich hohe Aktienquoten an, während Anleger mit kürzerem Anlagehorizont eher auf Anleihefonds setzen sollten. Wichtig sei, Strategien regelmäßig an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.
Klar ist auch: klassische Sparformen reichen nicht mehr. „Wer sein Geld in vermeintlich sichere Anlageformen wie Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld steckt, erhält in der Regel wenig Rendite – inflationsbedingt werden dabei sogar reale Verluste eingefahren“, warnt Micoli. Moderne Investmentfonds oder KI-gestützte Anlagestrategien könnten hingegen Chancen bieten – vorausgesetzt, Transparenz und Kosten bleiben im Blick.
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