Ganzheitliche Risikobetrachtung gewinnt für Unternehmen an Bedeutung

Veröffentlichung: 15.10.2024, 11:10 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Unternehmen setzen zunehmend auf eine umfassende Risikoberatung, anstatt sich allein auf Versicherungsschutz zu verlassen, zeigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens WTW. Welche alternativen Risikotransferlösungen deshalb in den Fokus rücken und wie sich Industriemakler anpassen.

(PDF)
Lukas Nazaruk, Head of Corporate Risk & Broking Deutschland und Österreich bei WTWLukas Nazaruk, Head of Corporate Risk & Broking Deutschland und Österreich bei WTWWTW

Vielen Unternehmen ist eine ganzheitliche Risikobetrachtung künftig wichtiger als die reine Frage nach der Versicherbarkeit. Auch wenn der Versicherungsschutz weiterhin ein probates Mittel für das Risikomanagement bleibt, nimmt seine Bedeutung zugunsten alternativer Risikotransferlösungen in den kommenden zehn Jahren ab. Dies zeigt die Studie „Broker of the Future“ des Beratungsunternehmens WTW, für die 43 versicherungsnehmende Firmen in Deutschland befragt wurden. „Unternehmen haben erkannt, dass die Versicherung allein gegen die heutigen komplexen Risiken nicht immer ausreichend Schutz bietet“, sagt Lukas Nazaruk, Head of Corporate Risk & Broking Deutschland und Österreich bei WTW.

Für die Studie „Broker of the Future“ hat WTW Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen dazu befragt, wie sie hinsichtlich Risiko- und Versicherungsmanagement organisiert sind, welche Leistungen sie von dem Makler der Zukunft erwarten und welche Kriterien heute und in zehn Jahren ausschlaggebend für die Wahl des eigenen Brokers sind bzw. sein werden.

Der verlagerte Fokus auf die Risikoberatung spiegelt sich in den bevorzugten Absicherungswegen wider: Heute betrachten etwa 30 Prozent der Teilnehmer einen Mix aus Versicherung und Eigentragung als sehr wichtig. Für die nächsten fünf bis zehn Jahre erwarten dies sogar 41 Prozent. Auch alternative Transferlösungen rücken mehr in den Fokus, von 17 auf 37 Prozent. Gleichzeitig sinkt die Bedeutung des Versicherungsschutzes. Während ihn heute noch 64 Prozent als sehr wichtig erachten, werden es in den nächsten zehn Jahren nur 51 Prozent sein.

Die sich wandelnden Kundenpräferenzen verändern die Anforderungen an den Industriemakler und seine Dienstleistungen. Die Vertragsbearbeitung (Beratung, Vermittlung, Administration) wird als bisher wichtigste Tätigkeit von der quantitativen Risikoberatung und -analyse eingeholt. Diese gehört bereits heute für 61 Prozent der Befragten zum erwarteten Leistungsangebot und knapp 90 Prozent gehen davon aus, dass Risikoberatung in den nächsten fünf bis zehn Jahren Bestandteil des Portfolios sein muss. „Unternehmen wünschen sich einen Partner, der ihre individuelle Risikolage sowie branchenspezifische Anforderungen berücksichtigt“, sagt Safak Okur, Head of Broking Deutschland und Österreich bei WTW.

Auch die Kompetenzerwartungen untermauern den Wunsch, Gefahren ganzheitlicher zu betrachten. Risiko-Beratungs- und Platzierungskompetenzen bleiben die mit Abstand wichtigsten Auswahlkriterien für die Maklerwahl, tauschen jedoch die Plätze. Den dritten Platz belegt sowohl heute als auch in Zukunft die branchenspezifische Expertise.

Quantitative Risikoanalysen erfordern zwangsläufig eine digitale Arbeitsweise. Unternehmen erwarten, dass Versicherer und Makler im kommenden Jahrzehnt zunehmend technologiegestützt mit ihnen zusammenarbeiten, von 30 auf 46 Prozent. Insbesondere wünschen sie eine stärkere Nutzung digitaler Lösungen für die Informations- und Datensammlung sowie deren Analyse. „Der Erfolg eines datengetriebenen Risikomanagements hängt von der Qualität der Daten ab, aber auch von der Fähigkeit, diese korrekt zu interpretieren“, so Nazaruk. „Dabei stoßen viele Unternehmen aufgrund eines Mangels an Fachkräften oder Expertise an ihre Grenzen. Es liegt am Makler, diese Kompetenzlücke zu schließen und dabei zu helfen, die Erkenntnisse für eine maßgeschneiderte Strategie zur Risikoabsicherung zu nutzen.“

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Der Wettbewerb in der industriellen Sachversicherung erreicht zunehmend den Mittelstand. Gute Risiken profitieren wieder von Prämiennachlässen und größerem Verhandlungsspielraum – bei unzureichender Risikoqualität bleiben die Versicherer jedoch zurückhaltend.Der Wettbewerb in der industriellen Sachversicherung erreicht zunehmend den Mittelstand. Gute Risiken profitieren wieder von Prämiennachlässen und größerem Verhandlungsspielraum – bei unzureichender Risikoqualität bleiben die Versicherer jedoch zurückhaltend.Redaktion experten.de / KI-generiert
Assekuranz

Industrie-Sachversicherung: Der Wettbewerb erreicht den Mittelstand

Nach Jahren steigender Preise verändert sich der industrielle Sachversicherungsmarkt. Eine deutlich verbesserte Profitabilität erhöht laut Aon den Appetit der Versicherer auf Neugeschäft – und sorgt inzwischen auch im Mittelstand für Prämiennachlässe. Doch bei der Risikoqualität endet die neue Großzügigkeit.
Ralf Bender, CEO von SÜDVERS (links) und Florian Karle,
Geschäftsführender Gesellschafter bei SÜDVERSRalf Bender, CEO von SÜDVERS (links) und Florian Karle, Geschäftsführender Gesellschafter bei SÜDVERSSÜDVERS
Assekuranz

Industrieversicherung wird wieder käuferfreundlicher

Nach Jahren steigender Preise entspannt sich der Industrieversicherungsmarkt. Unternehmen bekommen in mehreren Sparten wieder mehr Kapazitäten und günstigere Konditionen. Doch der SÜDVERS Marktmonitor 2026/27 zeigt auch die Kehrseite: Komplexe Risiken bleiben anspruchsvoll – und professionelles Risikomanagement entscheidet zunehmend über die Versicherbarkeit.
Pressfittings ermöglichen schnelle und effiziente Rohrinstallationen. Werden Verbindungen jedoch nicht vollständig verpresst, können kleine Montagefehler lange unentdeckt bleiben und erhebliche Wasserschäden verursachen.Pressfittings ermöglichen schnelle und effiziente Rohrinstallationen. Werden Verbindungen jedoch nicht vollständig verpresst, können kleine Montagefehler lange unentdeckt bleiben und erhebliche Wasserschäden verursachen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Assekuranz

Kleiner Montagefehler, sechsstelliger Schaden: Das Risiko fehlerhafter Pressfittings

Pressfittings haben Bauprozesse schneller und einfacher gemacht. Doch ein nicht vollständig verpresster Anschluss kann lange unentdeckt bleiben – und aus einem kleinen Montagefehler einen sechsstelligen Wasserschaden machen. Der aktuelle VHV-Bauschadenbericht zeigt, warum moderne Verbindungstechnik ein unterschätztes Schadenpotenzial birgt und welche Folgen wiederkehrende Schäden sogar für den Versicherungsschutz haben können.
Waldbrände gefährden zunehmend auch Industrie- und Logistikstandorte. Neben direkten Brandschäden können insbesondere Betriebsunterbrechungen und Lieferkettenausfälle hohe wirtschaftliche Folgen verursachen.Waldbrände gefährden zunehmend auch Industrie- und Logistikstandorte. Neben direkten Brandschäden können insbesondere Betriebsunterbrechungen und Lieferkettenausfälle hohe wirtschaftliche Folgen verursachen.Royber99 / pixabay
Assekuranz

Waldbrände werden zum Risikofaktor für Industrieunternehmen

Waldbrände gelten längst nicht mehr nur als Umwelt- oder Forstthema. Nach Einschätzung von Risikoexperten entwickeln sie sich zunehmend zu einem Geschäftsrisiko für Industrie- und Logistikunternehmen. Dabei geht es längst nicht nur um direkte Brandschäden, sondern auch um Betriebsunterbrechungen und Lieferketten.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht