Bundesregierung bricht EntlastungsversprechenStromsteuer-Senkung bleibt aus: Verbraucher außen vor

Veröffentlichung: 26.06.2025, 12:06 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Ampelkoalition hatte im Koalitionsvertrag 2021 unmissverständlich festgehalten, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken – für alle. Doch dieses Versprechen wird im Haushaltsentwurf 2025 kassiert. Statt einer allgemeinen Entlastung sieht der Plan von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) lediglich steuerliche Vorteile für die Industrie sowie die Land- und Forstwirtschaft vor.

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Statt einer Stromsteuer-Senkung für alle profitieren nur Unternehmen – ein Bruch mit dem Koalitionsvertrag sorgt für Kritik.Statt einer Stromsteuer-Senkung für alle profitieren nur Unternehmen – ein Bruch mit dem Koalitionsvertrag sorgt für Kritik.ADOBE

Private Haushalte und kleine Betriebe, die unter hohen Strompreisen leiden, bleiben damit außen vor. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) begründete die Abkehr von der ursprünglichen Linie mit finanziellen Zwängen:

„Hier trifft dann sozusagen Koalitionsvertrag auf finanzielle Möglichkeit und Wirklichkeit“,

sagte sie beim Tag der Industrie in Berlin.

Regierung setzt auf selektive Entlastung

Zwar sollen Verbraucher auf andere Weise entlastet werden – etwa durch die Abschaffung der Gasspeicherumlage oder durch höhere Bundeszuschüsse zum Netzausbau. Doch diese Maßnahmen kompensieren nicht die entgangene Stromsteuerreduktion. Vor allem Geringverdiener und der Mittelstand, die im Alltag stark von Energiekosten betroffen sind, spüren von der versprochenen Entlastung nichts.

Kritik an der Entscheidung kommt auch aus der Wirtschaft. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) kritisierte die Maßnahme als unzureichend und einseitig. Präsident Jörg Dittrich erklärte, viele kleinere Betriebe fühlten sich im Stich gelassen:

„Das ist ein Schlag ins Kontor für den Mittelstand.“

Bund der Steuerzahler spricht von Wortbruch

Besonders deutlich äußerte sich der Bund der Steuerzahler. Präsident Reiner Holznagel warf der Regierung einen klaren Wortbruch vor:

„Die Menschen, die auf echte Entlastung gehofft haben, gehen leer aus – das ist kein kleiner Kurswechsel, das ist ein Wortbruch“,

so Holznagel gegenüber der Bild-Zeitung.

Damit steht nicht nur die Glaubwürdigkeit der Regierung auf dem Spiel, sondern auch das Vertrauen in eine verlässliche Steuerpolitik. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und hoher Energiepreise ist Verlässlichkeit ein zentrales Gut – politisch wie gesellschaftlich.

Energiepolitisches Signal mit politischer Brisanz

Die selektive Entlastung wirft Fragen auf: Warum wird die Stromsteuer nicht wie versprochen gesenkt, obwohl die Einnahmen des Bundes zuletzt gestiegen sind? Warum profitieren vor allem Großverbraucher, während Haushalte und das Handwerk weiter unter Druck stehen?

Diese Entwicklung zeigt die Spannungen innerhalb der Ampelkoalition. Dass Reiche als CDU-Ministerin eine Abkehr von einem SPD-geführten Vorhaben verkündet, deutet auf parteipolitische Prioritätenkämpfe hin. Die Koalition riskiert mit ihrer Entscheidung nicht nur politische Reibungen, sondern auch ein wachsendes Maß an öffentlicher Enttäuschung.

Vertrauen verspielt – Reformbedarf bleibt

Unterm Strich steht eine Maßnahme, die ökonomisch selektiv, politisch riskant und kommunikativ schwer vermittelbar ist. Der Haushaltsentwurf 2025 offenbart eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Steuerpolitik. Für viele Bürgerinnen und Bürger bleibt der Eindruck: Die versprochene Entlastung war ein Lippenbekenntnis.

Die Bundesregierung muss nun erklären, wie sie langfristig für mehr soziale Gerechtigkeit und steuerliche Fairness sorgen will – und ob die Stromsteuer künftig nicht doch noch zur Entlastung aller gesenkt wird.


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