Trump-Zölle könnten Deutschland 200 Milliarden Euro kosten
Kommt es unter Donald Trump zu neuen Strafzöllen, drohen der deutschen Wirtschaft Milliardenverluste. Eine aktuelle IW-Studie rechnet mit einem Minus von 200 Milliarden Euro – und auch die Finanzmärkte reagieren bereits spürbar nervös.
Der von Donald Trump ausgerufene „Liberation Day“ bringt alles andere als Befreiung für den Welthandel: Sollte US-Präsident Donald Trump seine angekündigten Strafzölle tatsächlich umsetzen, drohen massiver wirtschaftlicher Schaden und ein neuer Handelskrieg – mit weitreichenden Folgen für Europa und insbesondere Deutschland. Laut einer aktuellen Modellrechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belaufen sich die potenziellen Einbußen für die deutsche Volkswirtschaft auf rund 200 Milliarden Euro über eine vierjährige Amtszeit. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Bundesrepublik läge im Jahr 2028 demnach rund 1,5 Prozent unter dem Wert ohne Strafzölle.
Trump plant unter anderem einen pauschalen Zollsatz von 20 Prozent auf nahezu alle EU-Importe – unter Verweis auf die europäische Mehrwertsteuer, die seiner Ansicht nach US-Unternehmen benachteilige. Ökonomen widersprechen vehement: Die Argumentation sei willkürlich, die Auswirkungen gravierend – insbesondere für einkommensschwache US-Verbraucher, die bereits unter hoher Inflation leiden. Die EU müsse nun strategisch klug reagieren, mahnt das IW: nicht mit sofortiger Eskalation, sondern mit gezielten Gegenschlägen aus einer Position der Stärke.
Dienstleistungszölle als neue Waffe?
Während Europa im klassischen Warenhandel ein hohes Exportplus aufweist, sieht es bei Dienstleistungen anders aus: Hier besteht ein Handelsdefizit von über 100 Milliarden Euro, insbesondere durch Lizenzgebühren an US-Konzernmütter. Strafzölle in diesem Segment könnten die US-Wirtschaft empfindlich treffen – ohne europäischen Firmen stark zu schaden. Ein solcher Schritt wäre jedoch politisches Neuland und müsste gründlich abgewogen werden.
Finanzmärkte unter Druck
Auch die Kapitalmärkte reagieren bereits spürbar. Hilary Blandy, Investment Manager bei Jupiter Asset Management, kommentiert die aktuellen Entwicklungen mit Sorge: „Die Märkte taumeln angesichts des Worst-Case-Szenarios bei den Zöllen und der anhaltend hohen politischen Unsicherheit.“ Vor allem US-Hochzinsanleihen seien stark betroffen. Die Spreads in den Kreditmärkten hätten sich verbreitert, vor allem bei Titeln mit hoher Volatilität oder direkter Zollbetroffenheit. Blandy sieht in der aktuellen Marktverwerfung aber auch Chancen: „Die Volatilität eröffnet Spielräume für aktive Kreditselektoren, die gezielt outperformen können.“
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