Vermittler brauchen weniger Bürokratie, nicht weniger Klarheit

Veröffentlichung: 11.07.2025, 14:07 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

CSRD, ESRS, CSDDD – die geplanten EU-Reformen im Rahmen der Omnibus-Initiative sollen Bürokratie abbauen. Doch aus Sicht vieler Vermittlerverbände droht ein gefährlicher Rückschritt: Weniger Berichtspflichten könnten die Grundlage für ESG-konforme Finanzberatung untergraben. Der AfW hat daher das „Joint Statement on the Omnibus Initiative“ mitunterzeichnet – gemeinsam mit über 275 weiteren Organisationen.

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AfW-Vorstand Norman WirthAfW-Vorstand Norman WirthAfW

Zwar begrüßt der AfW die Entlastungsidee der EU-Kommission, fordert jedoch ein Umsteuern mit Augenmaß. „Die bisherige ESG-Regulierung war für viele unserer Mitglieder nicht umsetzbar – zu überfrachtet, zu bürokratisch, zu weit weg vom Beratungsalltag“, erklärt AfW-Vorstand Norman Wirth. „Doch ein pauschaler Rückbau schafft neue Probleme: Wenn künftig mehr als 80 Prozent der ursprünglich verpflichteten Unternehmen nicht mehr berichten müssen, fehlen verlässliche Daten für die vorgeschriebene ESG-Beratung.“

Tatsächlich bleibt die Pflicht zur Abfrage von ESG-Präferenzen bestehen – während gleichzeitig die EU-Taxonomie freiwillig werden, Berichtsstandards reduziert und Sorgfaltspflichten in der Lieferkette gelockert werden könnten. Der AfW warnt daher vor neuen Hürden im Vermittlungsalltag: Ohne standardisierte ESG-Informationen steigt der Rechercheaufwand, die Kosten explodieren – und mit ihnen das Risiko rechtlicher Unsicherheiten.

Kernforderungen des Statements:

  • Beibehaltung der CSRD-Schwelle bei 500 Mitarbeitenden
  • Verlässliche Nachhaltigkeitsberichte als Grundlage für Beratung
  • Risikobasierte Sorgfaltspflichten entlang der Lieferkette

„Wir brauchen vereinfachte Regeln – aber keine, die zulasten der Transparenz gehen“, so Wirth. Das Statement kann weiterhin online mitgezeichnet werden.

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