US-Strafzölle: Droht eine neue Belastung für deutsche Exporteure?

Veröffentlichung: 03.02.2025, 16:02 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die USA haben Strafzölle gegen Kanada, Mexiko und China verhängt – und weitere könnten folgen. Besonders für deutsche Unternehmen mit starkem Exportfokus wäre eine Ausweitung der Zölle eine erhebliche Belastung. Die Börsen reagierten bereits mit Kursverlusten.

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Timo Steinbusch, Leiter Portfoliomanagement der apoBankTimo Steinbusch, Leiter Portfoliomanagement der apoBankapoBank

US-Präsident Donald Trump hat am Wochenende Strafzölle auf Waren aus Kanada, Mexiko und China verhängt. Die neue Handelspolitik sorgt für Verunsicherung an den Finanzmärkten. Besonders deutsche Industrie- und Automobilwerte gerieten am Montag unter Druck. Marktbeobachter rechnen damit, dass auch europäische Unternehmen ins Visier der US-Regierung geraten könnten.

Timo Steinbusch, Leiter Portfoliomanagement der apoBank, warnt vor weitreichenden Folgen: „Obwohl die amerikanischen Strafzölle zunächst nur Kanada und Mexiko betreffen, müssen auch wir uns in Europa auf eine harte Gangart der neuen US-Regierung einstellen. Wir müssen davon ausgehen, dass die US-Regierung schon bald auch auf Waren, die in Deutschland für den Export in die USA produziert werden, Strafzölle verhängen wird. Das würde nicht nur einzelne Unternehmen treffen, sondern ganze Wertschöpfungsketten. Investoren befürchten langfristige Handelsbarrieren, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industriekonzerne nachhaltig schwächen könnten. Besonders betroffen sind deutsche Exporteure, für die die USA der wichtigste Handelspartner sind – noch vor China. Doch nachdem die chinesische Wirtschaft bereits schwächelt und die Absätze in Fernost rückläufig sind, könnte eine Zollspirale mit den USA für deutsche Unternehmen eine doppelte Belastung bedeuten.“

Die Märkte haben bereits auf die neuen Zölle reagiert: Aktienkurse deutscher Automobilhersteller und exportorientierter Unternehmen fielen deutlich. So verzeichnete Volkswagen einen Kursrückgang von 5,6 %, während BMW und Porsche Einbußen zwischen 3,6 % und 4,3 % hinnehmen mussten. Auch Zulieferer wie der französische Teilehersteller Valeo erlitten einen Kursverlust von 7,4 %.
Die Sorge wächst, dass sich die Handelsspannungen weiter verschärfen könnten. Steinbusch warnt zudem vor einer möglichen Eskalation des Handelskonflikts: „Sollte Europa nun ebenfalls mit Strafzöllen auf US-Waren reagieren, droht ein globaler Handelskrieg. Der könnte sich zu einem negativen Wendepunkt für den deutschen Exportsektor entwickeln. Selbst wenn der Euro mit Kursverlusten auf diese Entwicklung reagierte, würde das allein die deutsche Exportindustrie nicht retten können.“

Die deutsche Wirtschaft steht bereits unter Druck: Der Industriesektor kämpft mit einer schwachen Nachfrage, und die Automobilbranche hinkt im internationalen Innovationswettlauf hinterher. Kommt nun eine zusätzliche Belastung durch US-Strafzölle hinzu, könnte dies nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ganze Branchen treffen.

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