Bundestag beschließt Schuldenpaket – Entscheidung im Bundesrat steht aus
Der Bundestag hat das umstrittene Schuldenpaket mit einer deutlichen Zweidrittelmehrheit verabschiedet. 513 Abgeordnete stimmten dafür, 207 dagegen – Enthaltungen gab es keine. Das Paket sieht unter anderem ein 500 Milliarden Euro schweres schuldenfinanziertes Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung vor. Doch noch ist die Reform nicht in trockenen Tüchern: Der Bundesrat muss am Freitag ebenfalls mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen.
FDP kündigt Klagen gegen das Paket an
Der Widerstand gegen die Schuldenpläne verlagert sich nun auf die Länderebene. FDP-Landtagsfraktionen in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bremen kündigten an, vor den jeweiligen Landesverfassungsgerichten gegen das Paket zu klagen. Ihr Vorwurf: Die Reform greife in die Verfassungsautonomie der Länder ein und schaffe finanzielle Verpflichtungen ohne die Mitbestimmung der Landtage.
Auch im Bundestag ließ die FDP kein gutes Haar an der Entscheidung. Fraktionschef Christian Dürr sprach von „hemmungsloser Schuldenmacherei“ und warf Friedrich Merz vor, die „höchste Staatsquote in der Geschichte der Bundesrepublik“ zu verantworten. Ein Änderungsantrag sowie ein eigener Gesetzentwurf der FDP für ein 200-Milliarden-Euro-Sondervermögen zur Stärkung der Bundeswehr scheiterten jeweils deutlich.
Erste Folge: Mehr Geld für die Ukrainehilfe
Eine der ersten konkreten Auswirkungen des Schuldenpakets wird die Freigabe von drei Milliarden Euro an zusätzlichen Ukrainehilfen sein. Darauf hatten sich Union, SPD und Grüne verständigt – eine Einigung, die im Wahlkampf noch für heftige Debatten gesorgt hatte. CDU-Chef Friedrich Merz verteidigte die Pläne mit Blick auf die veränderte Sicherheitslage: „Die Umstände werden vor allem von Putins Angriffskrieg gegen Europa bestimmt.“
Scharfe Kritik von Links und Rechts
Nicht nur die FDP, sondern auch AfD, Linke und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) lehnten das Schuldenpaket ab – aus teils gegensätzlichen Gründen. Während die Linke von einem „Blankoscheck für die Aufrüstung“ sprach, kritisierte die AfD die Abstimmung als „Wahlbetrug“. Sahra Wagenknecht sprach von „Kriegskrediten mit Klimasiegel“ und stellte die Legitimität der neuen Regierung infrage. Ihre Fraktion sorgte mit einer Protestaktion für eine kurze Unterbrechung der Sitzung.
Union und SPD verteidigen die Entscheidung
Trotz der Kritik verteidigten die Regierungsfraktionen das Paket als notwendige Zukunftsinvestition. CDU-Politiker Thorsten Frei sprach von einer „klugen Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit“, betonte jedoch die Notwendigkeit von Strukturreformen. SPD-Abgeordnete Jessica Rosenthal hob die Bedeutung der Investitionen für Infrastruktur und Klimaschutz hervor und wies den Vorwurf eines „Blankoschecks“ zurück.
Bundesrat als letzte Hürde – Verzögerungen möglich
Ob das Schuldenpaket tatsächlich in Kraft tritt, entscheidet sich am Freitag im Bundesrat. Sollte die Länderkammer zustimmen, könnten die Milliarden-Investitionen bald fließen. Doch mit den angekündigten Klagen der FDP-Landtagsfraktionen drohen Verzögerungen – und die Debatte um die finanzpolitische Zukunft Deutschlands dürfte damit noch lange nicht beendet sein.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Sondervermögen als Schattenhaushalt: Wie die Bundesregierung Haushaltslöcher stopft
Haushaltspolitik im Umbruch: Der Bundesrat ebnet den Weg für eine neue Fiskalarchitektur
Machtpoker um das Sondervermögen: CDU unter Druck – SPD und Grüne spielen auf Zeit
Sondervermögen: Neue Finanzstrategie für Verteidigung und Infrastruktur
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Vergaberecht: Der Staat will endlich schneller einkaufen
Bundestariftreuegesetz seit 1. Mai in Kraft: Staatliche Nachfrage wird zur Lohnpolitik
Gesundheitsreform 2026: Breite Kritik an Kabinettsbeschluss
IW: Bis 2030 verschlingt der Zins fast jeden fünften Steuereuro
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.














