Politische Sprengkraft der Rente: Wie Reformverzicht die Gerechtigkeit gefährdet

Veröffentlichung: 11.07.2025, 06:07 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Die gesetzliche Rentenversicherung steht vor einer Umverteilungswelle – zugunsten der heutigen Rentnergeneration. Eine neue Studie warnt: Ohne Reformen drohen massive Lasten für Jüngere und künftige Beitragszahler.

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Die gesetzliche Rentenversicherung steht vor einer Umverteilungswelle – zugunsten der heutigen Rentnergeneration.Die gesetzliche Rentenversicherung steht vor einer Umverteilungswelle – zugunsten der heutigen Rentnergeneration.DALL-E

Die aktuelle Rentenpolitik setzt auf Beruhigung statt Reform: Rentenniveau stabil, Renteneintrittsalter konstant – so lautet das politische Versprechen bis mindestens 2028. Doch was auf kurze Sicht Sicherheit suggeriert, könnte langfristig das Gerechtigkeitsgefüge in der Gesellschaft gefährden. Davor warnt die Kurzstudie von Martin Werding und Bernd Raffelhüschen im Auftrag von Fidelity International (experten.de berichtete).

Die Kernaussage: Die derzeitige Stabilisierungspolitik geht zu Lasten der nachfolgenden Generationen. Denn die Haltelinie beim Rentenniveau kann nur mit steigenden Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt oder drastisch erhöhten Beitragssätzen aufrechterhalten werden. Schon 2025 könnten laut Modellrechnung bis zu 135 Milliarden Euro aus Steuermitteln notwendig sein – mit weiter wachsender Tendenz. Wird dieser Trend nicht gestoppt, droht eine zunehmend einseitige Lastenverteilung zulasten der Erwerbstätigen.

Hinzu kommt: Die Babyboomer gehen in Rente – mit vollen Ansprüchen, oft trotz vergleichsweise kurzer Lebensarbeitszeit. Zugleich sinkt die Zahl der Beitragszahler. Wenn keine Korrektur erfolgt, gerät das Generationenverhältnis aus dem Gleichgewicht, so die Autoren. Das Risiko: eine wachsende soziale Spaltung und schwindende Akzeptanz der gesetzlichen Rente.

Stattdessen schlagen die Autoren eine „dynamische Haltelinie“ vor: Das Renteneintrittsalter sollte automatisch mit der Lebenserwartung steigen, wie es in anderen Ländern längst Praxis ist. Zudem müssten Anreize zur freiwilligen Vorsorge gestärkt und der Bundeszuschuss auf einem nachhaltig finanzierbaren Niveau stabilisiert werden. Nur so lasse sich ein gesellschaftlich tragfähiger Generationenvertrag aufrechterhalten.

Ohne Reformen verliert die gesetzliche Rente ihre Stabilität – ökonomisch wie politisch. Wer den Reformstau ignoriert, riskiert eine Legitimationskrise des Rentensystems.

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