Verkehrsgerichtstag 2025: Hinterbliebenengeld und Kfz-Schadengutachten im Fokus

Veröffentlichung: 27.01.2025, 17:01 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Der Verkehrsgerichtstag 2025 widmet sich erneut zentralen Fragen rund um Mobilität und Recht. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) präsentiert dazu klare Positionen und hebt zwei Themen besonders hervor: Hinterbliebenengeld und Standards bei Kfz-Schadengutachten. Was hinter diesen Forderungen steckt.

(PDF)
Der Verkehrsgerichtstag 2025 widmet sich erneut zentralen Fragen rund um Mobilität und Recht.Der Verkehrsgerichtstag 2025 widmet sich erneut zentralen Fragen rund um Mobilität und Recht.siobhandolezal / pixabay

Der Verkehrsgerichtstag in Goslar ist jedes Jahr eine wichtige Plattform, um aktuelle Herausforderungen rund um Verkehr, Mobilität und Recht zu diskutieren. Experten aus Recht, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft kommen zusammen, um über Reformen und gesetzliche Anpassungen zu beraten.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nutzt die Gelegenheit, um seine Positionen vorzustellen und praxisnahe Lösungsvorschläge zu skizzieren. In diesem Jahr legt der GDV einen besonderen Fokus auf zwei Themen: das Hinterbliebenengeld und die Qualitätsstandards bei Kfz-Schadengutachten.

GDV zieht Bilanz: Hinterbliebenengeld

Das 2017 eingeführte Hinterbliebenengeld ermöglicht es nahen Angegehörigen, nach dem Verlust eines geliebten Menschen Schmerzensgeld einzufordern. Der GDV sieht diese Regelung positiv, da sie den Opferschutz im Schadensrecht stärkt. „Seit der Einführung des Hinterbliebenengeldes haben sich die Erwartungen bestätigt: Es sorgt für mehr Menschlichkeit im Schadensrecht und ist eine wertvolle Unterstützung für Angehörige, die einen schweren Verlust erlitten haben“, heißt es in der GDV-Stellungnahme.

Die klare gesetzliche Grundlage hat viele Streitfragen in diesem sensiblen Bereich entschärft. Dennoch bleibt laut GDV Potenzial, das Verfahren weiter zu vereinfachen und noch mehr Rechtssicherheit zu schaffen. Die positive Bilanz des Hinterbliebenengeldes steht daher im Fokus der diesjährigen GDV-Empfehlungen.

Streit um Kfz-Schadengutachten vermeiden

Ein weiteres zentrales Thema sind die Standards bei Kfz-Schadengutachten. Uneinigkeit über die Qualität und den Umfang solcher Gutachten führt häufig zu Streit zwischen Versicherern, Werkstätten und Geschädigten. Der GDV fordert deshalb klare Qualitätsstandards, um Konflikte zu vermeiden. „Standardisierte Anforderungen an Kfz-Schadengutachten könnten die Anzahl von Streitfällen deutlich reduzieren und zu schnelleren Regulierungsergebnissen führen“, erklärt der Verband.

Eine einheitliche Qualitätssicherung würde nicht nur den Schadensprozess beschleunigen, sondern auch das Vertrauen aller Beteiligten in die Gutachten stärken. Darüber hinaus sieht der GDV hierin eine Möglichkeit, die Kosten für Rechtsstreitigkeiten zu senken.

Arbeitskreis VI: Fußgänger im Straßenverkehr - Täter oder Opfer?

Ein zentrales Thema des Verkehrsgerichtstags ist die Sicherheit von Fußgängern, die nach wie vor zu den verletzlichsten Gruppen im Straßenverkehr zählen. Laut Unfallforschung der Versicherer hat sich die Verkehrssicherheit für Gehende in den letzten 15 Jahren kaum verbessert. Pro Jahr werden rund 30.000 Fußgänger verletzt, 2023 starben 437 Menschen im Straßenverkehr. Besonders betroffen sind Kinder, Jugendliche und ältere Menschen, die ein deutlich höheres Unfallrisiko aufweisen.

Lösungsvorschläge umfassen unter anderem:

  • Mehr sichere Überquerungsmöglichkeiten und bessere Sichtbarkeit durch bauliche Maßnahmen.

  • Trennung von Geh- und Radverkehr.

  • Tempo-30-Zonen sowie strengere Kontrollen bei Geschwindigkeits- und Parkverstößen.

  • Vermehrter Einsatz von Fahrerassistenzsystemen.

Diese Maßnahmen sollen nicht nur die Sicherheit der Gehenden erhöhen, sondern auch die Unfallzahlen langfristig senken.

Arbeitskreis IV: Die „sieben Todsünden“ des § 315c StGB auf dem Prüfstand

Der Verkehrsgerichtstag diskutiert zudem, ob die sogenannten „sieben Todsünden“ des § 315c Abs. 1 Nr. 2 StGB, die besonders schwerwiegende Verkehrsverstöße definieren, noch zeitgemäß sind. Laut Unfallforschung der Versicherer gibt es erhebliche Lücken, da wesentliche Gefahren wie unangepasste Geschwindigkeit, unzureichender Sicherheitsabstand und Fehlverhalten gegenüber Fußgängern nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Die Unfallforscher schlagen vor, die Liste der Todsünden um diese Vergehen zu erweitern und die Bewertung gravierender Regelverstöße konsequent am Gefährdungspotenzial für Leib und Leben auszurichten. Ziel ist es, die Verkehrssicherheitsarbeit im Sinne von Vision Zero effektiver zu gestalten

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Wildunfälle gehören zu den häufigsten und teuersten Schadensereignissen in der Kfz-Versicherung – und ihre Zahl nimmt mit Beginn der dunklen Jahreszeit deutlich zu.Wildunfälle gehören zu den häufigsten und teuersten Schadensereignissen in der Kfz-Versicherung – und ihre Zahl nimmt mit Beginn der dunklen Jahreszeit deutlich zu.DALL-E
Flotte Fahrzeuge

Wildunfälle: Nach der Zeitumstellung steigt das Risiko deutlich

Mit der Umstellung auf die Winterzeit steigt auch die Gefahr von Wildunfällen. Laut Verti Versicherung AG sind Tierkollisionen in den Herbstmonaten deutlich häufiger: In den vergangenen drei Jahren war im November bei rund zwölf Prozent aller Vollkaskoschäden ein Tier beteiligt, in der Teilkasko lag die Quote sogar über 15 Prozent.
Steinschläge und gesplitterte Autoscheiben belasten die Kfz-Versicherer so stark wie nie zuvor.Steinschläge und gesplitterte Autoscheiben belasten die Kfz-Versicherer so stark wie nie zuvor.DALL-E
Flotte Fahrzeuge

Glasbruch-Schäden treiben Kfz-Versicherern Rekordkosten

Risse, Steinschläge und kaputte Rückleuchten werden für Versicherer immer teurer: 2024 regulierten die deutschen Autoversicherer rund 2,2 Millionen Glasbruchschäden – mit einem Gesamtaufwand von fast 2 Milliarden Euro. Warum Technik, Löhne und Ersatzteile die Kosten nach oben treiben, erklärt der GDV.
Die Preisspirale im Kfz-Markt dreht sich weiter (Symbolbild).Die Preisspirale im Kfz-Markt dreht sich weiter (Symbolbild).DALL-E
Flotte Fahrzeuge

Autoversicherung und Werkstattkosten ziehen weiter an

Werkstatt teurer, Prämien höher – deutlich stärker als die allgemeine Inflation: Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, wie stark sich Kfz-Versicherung und Fahrzeugpflege im vergangenen Jahr verteuert haben.
Die finanzielle Lage in der Kfz-Versicherung bleibt angespannt.Die finanzielle Lage in der Kfz-Versicherung bleibt angespannt.DALL-E
Flotte Fahrzeuge

Kfz-Versicherung unter Druck: Reparaturkosten steigen schneller als die Inflation

Die Kfz-Versicherer kämpfen weiter mit massiven Kostensteigerungen bei Ersatzteilen und Werkstätten. Laut GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen drohen auch 2025 nur minimale Erträge – trotz höherer Beiträge und steigender Prämieneinnahmen.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht