Augen auf beim Kauf: Unternehmenskultur als Wertetreiber bei Übernahmen

Veröffentlichung: 15.10.2024, 10:10 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Kultur trägt wesentlich zum Unternehmenserfolg bei und spielt deshalb auch bei Firmenübernahmen eine entscheidende Rolle. Silke Masurat, Gründerin und Geschäftsführerin des Zentrums für Arbeitgeberattraktivität, klärt auf, inwieweit Kultur für den erfolgreichen Kauf verantwortlich ist und stellt ein Instrument vor, dass Corporate Culture messbar macht.

(PDF)
cms.biwveDALL-E

Misslingt eine Übernahme, steht das nicht immer gleichbedeutend mit einem geplatzten Deal. Das höchste Ziel einer Transaktion ist in den meisten Fällen sogenannte Value Creation, also einen Wertezuwachs zu generieren. Diese Messgröße gilt als aussagekräftiger Indikator für eine geglückte Firmenübernahme. Unter diesem Gesichtspunkt scheitern viele Transaktionen im Nachgang; weil die am Deal beteiligten Parteien der ausschlaggebenden Ressource im Unternehmen nicht ausreichend oder keine Beachtung schenken.

Die Unternehmenskultur auch qualitativ umfassend zu prüfen, hilft dabei, Kaufpreise und Wertsteigerungspotenziale präzise einzuschätzen und Risiken zu limitieren. Arbeitnehmende, Führungskräfte und die Unternehmenskultur sind entscheidend für einen gelungenen Übernahmeprozess. „Häufig stehen Leadership-Themen, Organisationsstruktur und Mitarbeitendenbindung hinter fehlgeschlagenen Unternehmenskäufen“, erläutert Silke Masurat.

Kulturelle Integration kreiert Innovation

Nur wer effektiv zusammenarbeitet, wächst zusammen und schafft Wertezuwachs. Dies setzt voraus, dass Menschen und Kulturen der an der Übernahme beteiligten Firmen zueinander passen. Finden die Teams beider Seiten keinen gemeinsamen Nenner, bleibt dem Management häufig nur die Option, das aufgekaufte Unternehmen in die eigene Kultur zu pressen – doch darf es bei diesem Vorgehen keine sichtbaren Ergebnisse oder gar Innovation erwarten. Die erfolgreiche Übernahme scheitert so letztendlich am Faktor Mensch. „Oft schwebt über Firmenkäufen eine Sieger-Verlierer-Mentalität und Menschen erleben die Übergangsphase als feindliche Übernahme“, erklärt Masurat.

Jan Pörschmann, Gründer und Managing Partner der M&A-Boutique-Beratung atares, verdeutlicht: „Der Standort Deutschland entwickelt sich zunehmend von einem Güter-produzierenden zu einem Wissen-produzierenden Standort. Wissen wird von Menschen geschaffen. Umso wichtiger ist der passende Fit zwischen Menschen und Kulturen. Auffällig ist, dass sich die meisten HR-Due Diligence-Prozesse eher an den quantitativ messbaren Größen orientieren, wie Gehaltsgefüge, Zugehörigkeiten, Skills, Krankenstand und Auslastungsquoten. Ich habe ganz selten die Prüfung qualitativer Kriterien gesehen. Das ist ein klares Defizit im Markt. Und damit eine Riesenchance, um die übliche 50%-Failure-Rate von M&A-Deals zu senken.“

Valide Kennzahlen statt Bauchgefühl

Unternehmenskultur, Führungsqualität und Bindungsstärke gehören zu den grundlegenden Faktoren für den langfristigen Wert einer Transaktion. Diese manifestieren sich oft in einem Bauchgefühl und scheinen im ersten Moment schwer messbar. Gemeinsam mit der Universität St. Gallen entwickelt Silke Masurat deshalb den Human Capital Evaluator. Das Tool ermöglicht auch kleinen und mittelständischen M&A-Beratungsagenturen alle relevanten Kriterien und Kennziffern für langfristige Wertschöpfung zu analysieren und darüber Transaktionen zu sichern. Benchmark-Werte erlauben eine entsprechende Einordnung im direkten Branchen- und Größenvergleich. Zu diesen Parametern zählen:

  • Qualität der Arbeitgeberattraktivität
  • Organisatorische Verankerung der Arbeitgeberattraktivität
  • Change- und New Work-Readiness
  • Loyalität der Belegschaft

Die Analyse bietet außerdem Antworten auf folgende Fragen:

  • Wertschöpfung durch Kultur: Wie beeinflusst die Unternehmenskultur den Kaufpreis und Gesamtwert einer Transaktion?
  • Integration und Synergien: Welche kulturellen Unterschiede bestehen zwischen den fusionierenden Unternehmen? Welche Integrationsstrategien lassen sich ableiten?
  • Langfristige Bindung: Welche Chancen bestehen, wichtige Talente nach einer Transaktion auf Grundlage der Unternehmenskultur zu motivieren und zu binden?
  • Ausrichtung der Führung: Vertraut die Belegschaft den Führungskräften? Inwieweit sind letztere imstande, die Integration maßgeblich voranzutreiben?
  • Kommunikation: Welche Strategie für die Kommunikation der Integration und des Change kann abgeleitet werden?
(PDF)

LESEN SIE AUCH

Wer Mitarbeiter langfristig halten und entwickeln will, braucht nicht nur Feedbackgespräche – sondern auch eine Führungskultur, die daraus wirksame Schritte ableitet.Wer Mitarbeiter langfristig halten und entwickeln will, braucht nicht nur Feedbackgespräche – sondern auch eine Führungskultur, die daraus wirksame Schritte ableitet.DALL-E
Chefsache

Zwischen Pflichttermin und Kündigungsgrund: Mitarbeitergespräche im Leerlauf

Feedbackgespräche gelten als Schlüssel zur Personalentwicklung. Doch eine aktuelle Studie der KÖNIGSTEINER Gruppe zeigt: In vielen Unternehmen bleibt das Mitarbeitergespräch ein gut gemeintes, aber schlecht gemachtes Ritual – mit ernsten Konsequenzen.
Christian PolzChristian PolzTeam Polz
Chefsache

Mitarbeiterführung: Warum Einzel-Lob den Fortschritt bremst

Transformation wird oft als Einzelleistung gefeiert – und genau das wird zum Problem. Warum Führungskräfte Erfolge konsequent „teamisieren“ müssen, um Veränderung nachhaltig zu verankern, erklärt Christian Polz, Geschäftsführer von Team-Polz, im 2. Teil seiner Gastbeitrags-Reihe.
Weniger Homeoffice kann zur Belastung werden: Besonders Beschäftigte mit familiären Verpflichtungen sehen die Rückkehr ins Büro kritisch – mit Folgen für Zufriedenheit und Bindung.Weniger Homeoffice kann zur Belastung werden: Besonders Beschäftigte mit familiären Verpflichtungen sehen die Rückkehr ins Büro kritisch – mit Folgen für Zufriedenheit und Bindung.Redaktion experten.de / KI-generiert
Chefsache

Zurück ins Büro? Warum weniger Homeoffice zum Risiko für Arbeitgeber wird

Return-to-Office-Initiativen nehmen zu – doch sie könnten für Arbeitgeber zum Problem werden. Eine aktuelle Studie zeigt: Weniger Homeoffice geht mit geringerer Jobzufriedenheit und höherer Belastung einher. Für Versicherer und Finanzvertriebe im Wettbewerb um Fachkräfte stellt sich damit eine zentrale Frage.
Cobalt-Geschäftsführerin Nicole SchwanCobalt-Geschäftsführerin Nicole SchwanPicture People
Chefsache

Equal Pay Day: Warum Durchschnittswerte den Gender Pay Gap verschleiern

Der Equal Pay Day am 27. Februar macht auf Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Eine Sonderstudie der Personalberatung Cobalt zeigt jedoch: Der Gender Pay Gap ist kein pauschales Gehaltsproblem – sondern stark abhängig von Branche, Funktion und Karrierearchitektur.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht