Agrarpreise steigen binnen eines Monats so stark wie seit 2022 nicht mehr

Veröffentlichung: 14.10.2026, 11:10 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise liegen im August 2026 sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau. Innerhalb eines Monats steigen sie jedoch um 5,5 Prozent. Während pflanzliche Erzeugnisse wieder deutlich teurer werden, sinken die Preise für Milch und Fleisch. Was bedeutet das für die Lebensmittelpreise?

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Die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise entwickeln sich unterschiedlich: Während pflanzliche Produkte deutlich teurer werden, liegen die Preise für Milch und Fleisch unter dem Vorjahresniveau.Die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise entwickeln sich unterschiedlich: Während pflanzliche Produkte deutlich teurer werden, liegen die Preise für Milch und Fleisch unter dem Vorjahresniveau.Experten/KI

Auf deutschen Äckern und in den Ställen entwickeln sich die Preise derzeit in entgegengesetzte Richtungen. Während landwirtschaftliche Betriebe für Milch und Fleisch erheblich weniger erlösen als vor einem Jahr, steigen die Preise für Kartoffeln, Gemüse und Getreide wieder deutlich. Im Durchschnitt liegen die Erzeugerpreise zwar noch sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau, doch allein im August verteuerten sich landwirtschaftliche Produkte um 5,5 Prozent. Einen stärkeren monatlichen Anstieg hatte es zuletzt im März 2022 gegeben, als der russische Angriff auf die Ukraine die Agrarmärkte erschütterte.

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen damit eine Preisentwicklung, die sich hinter dem durchschnittlichen Rückgang der Erzeugerpreise kaum noch erkennen lässt.

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Pflanzliche und tierische Erzeugnisse driften auseinander

Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen pflanzlicher und tierischer Produktion. Während pflanzliche Erzeugnisse im August gegenüber dem Vorjahr um 12,3 Prozent teurer wurden, lagen die Preise für Tiere und tierische Produkte um 16,6 Prozent darunter.

Bei pflanzlichen Erzeugnissen ist es der erste Anstieg im Jahresvergleich seit Juli 2024. Besonders auffällig fällt die Entwicklung bei Speisekartoffeln aus, deren Erzeugerpreise innerhalb eines Jahres um 61,5 Prozent gestiegen sind. Auch Gemüse und Getreide verteuerten sich, während Obst weiterhin deutlich günstiger angeboten wurde.

In der tierischen Produktion zeigt sich dagegen ein anderes Bild. Vor allem Milch sowie Schlachtschweine und Rinder erzielten erheblich niedrigere Preise als im Vorjahr. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies, dass sich die Erlössituation je nach Produktionsschwerpunkt sehr unterschiedlich entwickelt. Aus den Preisindizes allein lässt sich allerdings nicht ableiten, wie sich die wirtschaftliche Lage der Betriebe insgesamt verändert hat. Dafür müssten auch Produktionsmengen und Kosten berücksichtigt werden.

Bemerkenswert ist zudem die zeitliche Entwicklung. Noch im Juni und Juli hatten die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise insgesamt fast 14 Prozent unter dem jeweiligen Vorjahresniveau gelegen. Im August hat sich dieser Abstand deutlich verringert. Ob sich daraus eine längerfristige Preiswende entwickelt, bleibt offen.

Warum sinkende Agrarpreise nicht automatisch günstigere Lebensmittel bedeuten

Für Verbraucher stellt sich vor allem die Frage, wann und in welchem Umfang sich diese Veränderungen an der Supermarktkasse bemerkbar machen. Schließlich bilden landwirtschaftliche Erzeugnisse die Grundlage zahlreicher Lebensmittel, ihre Verkaufspreise entsprechen aber nur einem Teil der späteren Endpreise.

Zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Einzelhandel liegen Verarbeitung, Verpackung, Transport und Vertrieb. Hinzu kommen Energie- und Personalkosten sowie vertragliche Vereinbarungen, die eine unmittelbare Weitergabe von Preisveränderungen verhindern oder verzögern können.

Dass Milch auf Erzeugerebene erheblich günstiger geworden ist, bedeutet deshalb nicht zwangsläufig einen entsprechenden Rückgang der Verbraucherpreise. Umgekehrt müssen höhere Kartoffel- oder Getreidepreise nicht im gleichen Umfang bei den Endkunden ankommen.

Die Augustzahlen zeigen vor allem, wie wenig aussagekräftig ein einzelner Durchschnittswert für die Entwicklung der Lebensmittelpreise sein kann. Während der Gesamtindex gegenüber dem Vorjahr weiterhin rückläufig ist, haben sich wichtige pflanzliche Erzeugnisse bereits wieder erheblich verteuert. Ob sich diese Entwicklung in den kommenden Monaten auch in den Verbraucherpreisen niederschlägt, lässt sich erst anhand der weiteren Preisentwicklung beurteilen.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte, August 2026.

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