Erzeugerpreise sinken um 8,3 Prozent – Rückkehr zur Marktlogik nach Ausnahmejahren
Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte lagen im Dezember 2025 um 8,3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte. Gegenüber November gaben sie um 1,6 Prozent nach. Im Jahresdurchschnitt 2025 ergibt sich dennoch ein leichtes Plus von 0,3 Prozent.
Während die Preise in der Pflanzenproduktion im Jahresmittel um 9,6 Prozent sanken, verteuerten sich Tiere und tierische Erzeugnisse um 6,5 Prozent. Besonders deutlich fiel der Preisrückgang bei Speisekartoffeln aus: minus 44 Prozent im Jahresdurchschnitt, minus 48 Prozent im Dezember.
Die Zahlen wirken widersprüchlich: ein stabiler Jahreswert, aber ein deutlich negatives Schlussquartal. Tatsächlich markieren sie weniger eine Krise als eine Rückkehr zur Marktmechanik nach mehreren politisch und geopolitisch geprägten Ausnahmejahren.
Von der Krise zur Korrektur
Zwischen 2020 und 2023 wurde der Agrarmarkt nicht primär durch Angebot und Nachfrage gesteuert, sondern durch exogene Schocks.
Die Pandemie verschob Absatzstrukturen. 2021 begannen Energie- und Düngemittelpreise zu steigen. 2022 führte der Krieg in der Ukraine zu einem massiven Preissprung bei Getreide, Ölsaaten und Milch. 2023 blieb das Preisniveau hoch, normalisierte sich jedoch schrittweise.
2024 brachte eine Beruhigung. Die Erzeugerpreise gaben im Jahresdurchschnitt leicht nach. Lieferketten stabilisierten sich, Energiepreise sanken. Das System bewegte sich wieder in einem engeren Korridor.
2025 geht einen Schritt weiter: Die Märkte korrigieren. Hohe Vorjahrespreise führten zu Produktionsausweitungen. Treffen größere Erntemengen auf eine stabile Nachfrage, sinken die Preise – insbesondere in der Pflanzenproduktion.
Marktöffnung und Referenzpreise
Seit 2022 hat die Europäische Union ukrainische Agrarimporte weitgehend zollfrei zugelassen. Diese Entscheidung war politisch motiviert und ökonomisch wirksam. Zusätzliche Mengen bei standardisierten Produkten wie Getreide oder Ölsaaten verändern den europäischen Preisanker.
Die Importe erklären die Preisbewegungen nicht allein, verstärken jedoch den Angebotsdruck in einem bereits gut versorgten Markt. Agrarrohstoffe werden nicht national bepreist, sondern im internationalen Referenzrahmen.
Fünf Fragen zur Einordnung
1. Ist 2025 ein Krisenjahr für die Landwirtschaft?
Nein. Der Jahresdurchschnitt liegt leicht im Plus. Von einem flächendeckenden Einbruch kann keine Rede sein. Allerdings zeigt das Schlussquartal eine deutliche Korrektur, insbesondere in der Pflanzenproduktion. Es handelt sich um eine zyklische Anpassung.
2. Warum fallen die Preise trotz stabiler Verbraucherpreise?
Erzeugerpreise und Verbraucherpreise folgen unterschiedlichen Mechanismen. Zwischen landwirtschaftlichem Betrieb und Supermarkt liegen Verarbeitung, Energie, Logistik und Handelsspannen. Sinkende Rohstoffpreise wirken nur teilweise und zeitverzögert auf den Endpreis, treffen die Betriebe jedoch unmittelbar.
3. Welche Rolle spielen ukrainische Agrarimporte?
Sie erhöhen das Angebot bei standardisierten Kulturen wie Getreide und Ölsaaten. Sie sind nicht die Ursache der Preisrückgänge, beeinflussen jedoch den europäischen Referenzpreis in einem gut versorgten Markt.
4. Warum ist die Pflanzenproduktion stärker betroffen als die Tierhaltung?
Die Pflanzenproduktion reagiert unmittelbar auf Erntemengen. Hohe Vorjahrespreise führten zu einer Ausdehnung der Anbauflächen. Treffen größere Erntemengen auf stabile Nachfrage, sinken die Preise schnell. Die Tierhaltung folgt längeren Produktionszyklen und reagiert verzögert.
5. Was bedeutet das strukturell für die Betriebe?
Die Preisbildung folgt wieder stärker der Marktlogik, während die Kostenbasis erhöht bleibt. Regulierung, Löhne und Finanzierungskosten liegen strukturell über dem Niveau früherer Jahre. Das System bleibt funktionsfähig, wird jedoch empfindlicher gegenüber Schwankungen.
Die Zahlen für 2025 markieren die Rückkehr zu einer offenen Preisbildung – unter anspruchsvolleren Rahmenbedingungen.
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