Wenn Gebäude leer stehen, wächst das Risiko
Leer stehende Stallungen, über Jahrzehnte gewachsene Bausubstanz und steigende Baukosten: Landwirtschaftliche Gebäude bergen Risiken, die oft erst im Schadenfall sichtbar werden. Im Gastbeitrag beleuchtet Clara Steffens, Spezialistin für landwirtschaftliche Versicherungen bei der GVO-Versicherung, typische Schadenkonstellationen, Pflichten im Risikomanagement und die Frage, wie Unterversicherung bei älteren Gebäuden vermieden werden kann. Der Text erschien zuerst im expertenReport 03/26.
Landwirtschaftliche Gebäude spiegeln den Wandel der Branche wider. Produktionsrichtungen ändern sich, Nutzungen werden aufgegeben oder nur noch saisonal fortgeführt, Gebäude stehen zeitweise leer. Was aus betrieblicher Sicht oft sinnvoll ist, verändert aus risikotechnischer Perspektive jedoch die Ausgangslage deutlich. Denn mit dem Wegfall der Nutzung verschwindet das Risiko nicht – es verändert lediglich seine Struktur. Leer stehende oder selten genutzte Gebäude reagieren empfindlicher auf äußere Einflüsse. Fehlende Beheizung, geringere Kontrolle und ausbleibende Wartung erhöhen die Anfälligkeit für Schäden durch Sturm, Starkregen, Frost oder eindringende Feuchtigkeit. Hinzu kommen Risiken durch Vandalismus oder Brandstiftung, insbesondere bei abgelegenen Gebäuden. In der Schadenpraxis zeigt sich häufig, dass Schäden spät entdeckt werden und sich bis dahin unbemerkt ausgeweitet haben.
Dabei ist selten ein einzelnes Ereignis ausschlaggebend. Vielmehr entstehen Schäden durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Altersbedingte Vorschäden treffen auf außergewöhnliche Witterung, kleine Undichtigkeiten bleiben lange unentdeckt, technische Anlagen sind außer Betrieb, aber weiterhin vorhanden. Gerade bei Leerstand fehlt die tägliche Wahrnehmung, die solche Entwicklungen frühzeitig sichtbar machen würde.
Eine realistische Risikobewertung ist aus unserer Erfahrung nur durch eine Betriebsbesichtigung vor Ort möglich. Schriftliche Angaben oder einzelne Fotos reichen nicht aus, um Zustand, Nutzung und Gefahrenpotenziale landwirtschaftlicher Gebäude verlässlich einzuschätzen. Erst durch Begehungen, die Kontrolle der baulichen Substanz und gegebenenfalls Vermessungen entsteht eine fundierte Grundlage für die Bewertung. Dieser Aufwand ist hoch, dient jedoch der Risikominimierung auf beiden Seiten und schafft Transparenz.
Technische Hilfsmittel ergänzen diese Einschätzung sinnvoll. Besonders bei großflächigen Gebäuden haben sich Drohnen bewährt. Luftbilder ermöglichen eine detaillierte Beurteilung von Dachflächen, Lichtfirsten und schwer zugänglichen Bereichen. Schäden, Materialermüdung oder Hinweise auf frühere Sturmeinwirkungen lassen sich so erkennen, ohne in die Substanz einzugreifen. Fotodokumentationen halten den aktuellen Zustand nachvollziehbar fest und bilden eine wichtige Referenz für spätere Entwicklungen oder Schadenfälle.
Zur aktiven Risikominimierung gehören auch die Pflichten des Versicherungsnehmers. Nutzungsänderungen, Leerstände oder bauliche Veränderungen müssen gemeldet werden, da sie das Risikoprofil maßgeblich beeinflussen. Hinzu kommen vertraglich vereinbarte Sicherheitsvorschriften, insbesondere im Bereich Brandschutz. Dazu zählen unter anderem die ordnungsgemäße Wartung elektrischer Anlagen, der sachgerechte Umgang mit feuergefährlichen Arbeiten, die Trennung von Brandlasten sowie freie Zufahrten für Einsatzkräfte. In der Schadenregulierung zeigt sich, wie entscheidend diese Maßnahmen für den Schadenverlauf sind.
Ein zentrales Risiko bleibt die Unterversicherung. Steigende Baukosten und fehlende regelmäßige Neubewertungen führen insbesondere bei älteren oder selten genutzten Gebäuden schnell zu erheblichen Deckungslücken. Ein Unterversicherungsverzicht setzt daher eine fundierte Wertermittlung voraus. Persönliche Besichtigungen ermöglichen nicht nur eine realistische Bewertung, sondern auch ein Verständnis von betrieblichen Abläufen, Besonderheiten und zukünftigen Planungen. Der gemeinsame Rundgang von Versicherungsnehmer, Vermittler und Versicherer schafft Transparenz und eine verlässliche Basis für langfristigen Versicherungsschutz. Risikomanagement bei landwirtschaftlichen Gebäuden ist gelebte Praxis vor Ort – genau so setzen wir es bei der GVO Versicherung um.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Naturgefahrenstatistik 2024: GDV meldet verdoppelte Hochwasserschäden
Nach Sturm und Brand: Wie Versicherer auf Prävention setzen
„Die Wohngebäudeversicherung ist nicht allein ein Naturgefahrenthema“
Wohngebäudeversicherung: HUK-COBURG erweitert Schutz für Außenbereiche und Photovoltaik
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Europas neuer Düngeplan ist mehr als Agrarpolitik
Düngerpolitik der EU: Klimaschutz trifft auf Kostenkrise der Landwirtschaft
2,1 Millionen Euro für Drohnen: Bund fördert Rehkitzrettung 2026 mit Wärmebildtechnik
Erzeugerpreise sinken um 8,3 Prozent – Rückkehr zur Marktlogik nach Ausnahmejahren
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.










