Weniger Arbeitsunfälle, stabile Beiträge
Das Risiko, bei der Arbeit einen Unfall zu erleiden, ist 2025 erneut gesunken. Auf 1.000 Vollzeitbeschäftigte kamen rechnerisch 19,9 meldepflichtige Arbeitsunfälle. Das waren 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Insgesamt registrierten Berufsgenossenschaften und Unfallkassen 689.922 Arbeitsunfälle.
Für die Unternehmen gibt es noch eine zweite gute Nachricht: Der durchschnittliche Beitrag zu den Berufsgenossenschaften blieb praktisch unverändert. Er sank sogar leicht von 1,09 auf 1,08 Euro je 100 Euro Lohnsumme.
Hinter diesen beiden Zahlen steckt allerdings mehr als eine einfache Erfolgsmeldung. Denn während weniger Menschen bei der Arbeit verunglücken, steigen die Ausgaben der Berufsgenossenschaften weiter.
Weniger Unfälle bedeuten nicht automatisch weniger Kosten
Die gewerblichen Berufsgenossenschaften mussten 2025 insgesamt 14,7 Milliarden Euro über die Beiträge der Unternehmen finanzieren. Das waren rund 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr.
Trotzdem sank der durchschnittliche Beitragssatz leicht. Das liegt vor allem daran, dass die Lohnsumme der versicherten Unternehmen ebenfalls gewachsen ist. Sie erreichte rund 1,4 Billionen Euro.
Vereinfacht gesagt: Die Berufsgenossenschaften benötigen insgesamt mehr Geld. Gleichzeitig verteilen sich diese Kosten aber auf eine größere Lohnsumme. Deshalb kann der Beitragssatz stabil bleiben oder sogar etwas sinken.
Für Unternehmen ist dieser Unterschied wichtig. Ein stabiler Beitragssatz bedeutet nicht, dass das System insgesamt billiger geworden ist.
Prävention zahlt sich aus
Der langfristige Rückgang des Unfallrisikos zeigt dennoch, dass sich Investitionen in sichere Arbeitsplätze auszahlen. Technische Schutzmaßnahmen, bessere Arbeitsabläufe, Schulungen und Kontrollen können Unfälle verhindern.
Das ist nicht nur für die Beschäftigten von Bedeutung. Jeder vermiedene schwere Unfall kann auch Kosten verhindern – etwa für medizinische Behandlung, Rehabilitation oder spätere Rentenzahlungen.
Allerdings lässt sich der Rückgang der Unfallzahlen nicht allein mit besserer Prävention erklären. Auch die Arbeitswelt selbst verändert sich. Maschinen übernehmen gefährliche Tätigkeiten, Produktionsabläufe werden automatisiert und Beschäftigung verschiebt sich zwischen Branchen mit unterschiedlichen Unfallrisiken.
Die Zahlen zeigen deshalb einen positiven Trend. Sie sagen aber nicht, welcher Teil davon unmittelbar auf einzelne Schutzmaßnahmen zurückzuführen ist.
Auf dem Arbeitsweg sieht es anders aus
Auffällig ist die Entwicklung bei den Wegeunfällen. Während die Arbeitsunfälle zurückgingen, stieg ihre Zahl 2025 um 1,0 Prozent auf 170.306.
Das macht einen wichtigen Unterschied sichtbar. Risiken im Betrieb können Unternehmen vergleichsweise direkt beeinflussen. Maschinen lassen sich sicherer machen, Arbeitsabläufe verändern und Beschäftigte schulen.
Auf dem Weg zur Arbeit ist der Einfluss der Unternehmen deutlich geringer. Straßenverkehr, Wetter, Verkehrsmittel und das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer spielen dort eine größere Rolle.
Je sicherer die eigentliche Arbeit wird, desto stärker fallen deshalb Risiken ins Gewicht, die außerhalb des Betriebs entstehen.
Auch bei Kindern, Jugendlichen und Studierenden zeigt sich eine gegenläufige Entwicklung. Die Unfallkassen registrierten 2025 mehr als eine Million meldepflichtige Schulunfälle. Ihre Zahl stieg um 2,0 Prozent. Bei den Schulwegunfällen betrug der Anstieg sogar 3,8 Prozent.
Berufskrankheiten wirken lange nach
Noch komplizierter ist die Lage bei Berufskrankheiten. 2025 wurden 91.250 Verdachtsfälle gemeldet und 24.340 Berufskrankheiten anerkannt. Die Zahl der Anerkennungen sank um 9,3 Prozent.
Gleichzeitig erhielten 5.413 Versicherte erstmals eine Rente wegen einer Berufskrankheit. Das waren 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr.
Das ist kein Widerspruch. Berufskrankheiten entwickeln sich häufig über viele Jahre. Zwischen einer gesundheitsschädlichen Belastung am Arbeitsplatz und einer späteren Erkrankung können Jahrzehnte liegen.
Die heutigen Kosten können deshalb auf Arbeitsbedingungen zurückgehen, die weit in der Vergangenheit liegen. Sinkende Unfallzahlen führen aus diesem Grund nicht automatisch zu schnell sinkenden Ausgaben.
Stabile Beiträge sind keine Selbstverständlichkeit
Die Bilanz für 2025 zeigt zwei Entwicklungen, die den Unternehmen derzeit helfen. Das Unfallrisiko bei der Arbeit sinkt. Gleichzeitig wächst die Lohnsumme, aus der die Beiträge finanziert werden.
Diese Kombination hält den durchschnittlichen Beitrag niedrig, obwohl die Berufsgenossenschaften insgesamt mehr Geld benötigen.
Daraus folgt aber auch: Die stabile Beitragslage ist nicht garantiert. Steigen die Kosten weiter, während die Lohnsumme künftig langsamer wächst, könnte der Beitragssatz wieder unter Druck geraten.
Damit bekommt Prävention auch wirtschaftlich ein größeres Gewicht. Weniger Unfälle bedeuten nicht nur weniger persönliches Leid und weniger Arbeitsausfälle. Sie helfen auch dabei, die langfristigen Kosten der gesetzlichen Unfallversicherung zu begrenzen.
Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Geschäfts- und Rechnungsergebnisse 2025
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