Frostschäden: R+V zahlt in drei Monaten sechsmal so viel wie im gesamten Vorjahr

Veröffentlichung: 05.11.2026, 13:11 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Der eisige Jahresbeginn hat bei der R+V für einen kräftigen Anstieg der Frostschäden an Wohngebäuden gesorgt. Bereits im ersten Quartal 2026 überstieg der Schadenaufwand das gesamte Vorjahr um ein Vielfaches. Mit Blick auf die kommende Frostperiode rät der Versicherer zu einfachen Vorsorgemaßnahmen.

(PDF)
3,6 Millionen Euro Frostschäden in drei Monaten: Die R+V meldet einen deutlichen Anstieg und erklärt, wie sich Leitungswasserschäden vermeiden lassen.3,6 Millionen Euro Frostschäden in drei Monaten: Die R+V meldet einen deutlichen Anstieg und erklärt, wie sich Leitungswasserschäden vermeiden lassen.Redaktion experten.de / KI-generiert

Der frostige Jahresbeginn 2026 hat bei der R+V Versicherung deutliche Spuren in der Schadenbilanz hinterlassen. In den ersten drei Monaten registrierte der Versicherer Frostschäden an Wohngebäuden in Höhe von 3,6 Millionen Euro. Im gesamten Jahr 2025 waren es lediglich 600.000 Euro gewesen. Damit lag der Schadenaufwand bereits nach einem Quartal beim Sechsfachen des Vorjahreswertes.
Ursache waren die niedrigen Temperaturen und teils erheblichen Schneefälle zu Jahresbeginn. Besonders im Norden Deutschlands sorgte das Winterwetter für ungewöhnliche Verhältnisse. In Hamburg erreichte die Schneedecke zeitweise eine Höhe von 25 Zentimetern.
„Sinken die Temperaturen für mehrere Tage unter den Gefrierpunkt, zieht das oft teure Schäden an Wohngebäuden nach sich“, erklärt Conny Flörcks, Expertin für Wohngebäudeversicherung bei der R+V. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf den Schadenbestand der R+V. Rückschlüsse auf die gesamte Versicherungswirtschaft lassen sich daraus nicht unmittelbar ziehen.

Wenn gefrorenes Wasser die Leitungen sprengt

Besonders gefährdet sind Wasser- und Heizungsleitungen, die unzureichend gegen Kälte geschützt sind. Gefriert das Wasser in einer Leitung, dehnt es sich aus. Der dadurch entstehende Druck kann Rohre und Verbindungen beschädigen. Das eigentliche Ausmaß eines Frostschadens zeigt sich häufig erst beim Auftauen. Sobald wieder Wasser durch die beschädigten Leitungen fließt, kann es unbemerkt in Wände, Decken und Böden eindringen. Neben der Reparatur der Leitung können dann aufwendige Trocknungs- und Sanierungsarbeiten notwendig werden.
Wie stark sich anhaltende Kälte auf die Schadenbilanz auswirken kann, zeigt auch ein Blick zurück: Im besonders kalten Jahr 2021 verzeichnete die R+V Frostschäden an Wohngebäuden von insgesamt 6,2 Millionen Euro. Der Deutsche Wetterdienst hatte damals von außergewöhnlich strenger Kälte mit nächtlichen Temperaturen bis minus 26 Grad berichtet.

Heizung auch bei Abwesenheit nicht abschalten

Mit Blick auf die bevorstehende Winterperiode empfiehlt die R+V, gefährdete Leitungen frühzeitig zu sichern. Bei Außenleitungen und Wasseranschlüssen in unbeheizten Räumen sollte das Wasser möglichst vor dem ersten Frost abgestellt und aus den Leitungen abgelassen werden. Wo dies nicht möglich ist, kann eine zusätzliche Dämmung helfen.
Besonders wichtig ist es, Gebäude auch während längerer Abwesenheit ausreichend zu beheizen. Wer etwa in den Winterurlaub fährt, sollte die Heizung nicht vollständig abschalten. Die Frostschutzstellung allein bietet dabei nicht in jeder Situation ausreichenden Schutz für sämtliche Leitungen.

Was tun, wenn die Wasserleitung eingefroren ist?

Ist eine Leitung bereits eingefroren, sollte zunächst die Wasserzufuhr am Haupthahn abgestellt werden. Anschließend empfiehlt die R+V, das Gebäude auf Temperaturen von mehr als fünf Grad zu beheizen und den Auftauprozess aufmerksam zu beobachten.
Ein Blick auf die Wasseruhr kann helfen, undichte Stellen zu erkennen: Bewegt sich der Zähler, obwohl sämtliche Wasserhähne geschlossen sind, kann dies auf austretendes Wasser hinweisen. Bei Verdacht auf einen Rohrbruch sollte ein Fachbetrieb hinzugezogen werden. Eingefrorene Leitungen dürfen nicht mit offener Flamme oder anderen ungeeigneten Hitzequellen aufgetaut werden.

Welche Versicherung übernimmt den Schaden?

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem frostbedingten Leitungswasserschaden, sind grundsätzlich zwei Versicherungen relevant. Die Wohngebäudeversicherung ist für versicherte Schäden am Gebäude zuständig, etwa an Wänden, Decken und fest eingebauten Bestandteilen. Die Hausratversicherung kann Schäden an beweglichen Gegenständen wie Möbeln, Kleidung oder Elektrogeräten übernehmen.
Ob ein konkreter Frostschaden versichert ist, hängt allerdings von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab. Insbesondere können vereinbarte Sicherheits- und Heizpflichten eine Rolle spielen. Betroffene sollten den Schaden deshalb möglichst schnell melden, weitere Schäden begrenzen und den Zustand dokumentieren.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Der Begriff „Planschwasser“ findet sich seit Jahren in Versicherungsbedingungen. In der Regulierungspraxis spielen entsprechende Schadenfälle jedoch nur eine untergeordnete Rolle.Der Begriff „Planschwasser“ findet sich seit Jahren in Versicherungsbedingungen. In der Regulierungspraxis spielen entsprechende Schadenfälle jedoch nur eine untergeordnete Rolle.Redaktion experten.de / KI-generiert
Hintergrund

Planschwasser: Ein Versicherungsbegriff, der kaum Schadenfälle kennt

Planschwasser gehört seit Jahren zum festen Vokabular der Wohngebäude- und Hausratversicherung. Dennoch spielt der Begriff in der Schadenregulierung kaum eine Rolle. Antworten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der InterRisk zeigen, warum der Ausschluss trotzdem in vielen Versicherungsbedingungen zu finden ist – und weshalb sich ein Blick in die eigene Police lohnt.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Unwettern mit Hagel im Nordwesten Deutschlands. Die Hagelsaison beginnt. (Symbolbild)Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Unwettern mit Hagel im Nordwesten Deutschlands. Die Hagelsaison beginnt. (Symbolbild)DerTobiSturmjagd / pixabay
Assekuranz

Hagelsaison startet: DWD warnt vor Unwettern – Versicherer blicken mit Sorge auf den Sommer

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor kräftigen Gewittern mit Starkregen, Sturmböen und großem Hagel. Damit beginnt eine Jahreszeit, die für Versicherer regelmäßig hohe Schäden verursacht. Zwar fiel die Hagelbilanz 2025 vergleichsweise moderat aus, doch Experten sehen angesichts steigender Temperaturen weiterhin ein hohes Risiko.
Undichte Rohre, defekte Anschlüsse oder geplatzte Leitungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Schäden in der Wohngebäudeversicherung.Undichte Rohre, defekte Anschlüsse oder geplatzte Leitungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Schäden in der Wohngebäudeversicherung.Redaktion experten.de / KI-generiert
4 Wände

Leitungswasser verursacht mehr Schäden als Feuer, Sturm und Überschwemmung zusammen

Leitungswasser verursacht weiterhin die meisten Schäden in der Wohngebäudeversicherung. Nach Zahlen der R+V Versicherung entfielen im Jahr 2025 rund 61 Prozent aller Schadenmeldungen auf undichte Leitungen oder defekte Anschlüsse. Häufig bleiben solche Schäden lange unentdeckt – mit teuren Folgen für Eigentümer.
Die Bayerische definiert mit PrimeHome ein neues Gesamtkonzept für den Schutz des Zuhauses.Die Bayerische definiert mit PrimeHome ein neues Gesamtkonzept für den Schutz des Zuhauses.die Bayerische
Produkte

PrimeHome der Bayerischen: Strukturwandel in der Kompositversicherung durch Vorsorge, Bündelung und Beratung

Die Bayerische führt mit der PrimeHome-Police ein neues Modell in der Kompositversicherung ein: gebündelter Schutz, integriertes Vorsorgebudget und vergütete Präventionsberatung – strukturell neu gedacht.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

Beihilfe im Wandel
Ausgabe 10/26

Beihilfe im Wandel

Dr. Günther Blaich, Dr. Gerd Sautter und Fabian Ober - INTER
"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht