Cyber-Versicherung: Die größten Schwächen schlechter Tarife

Veröffentlichung: 14.07.2026, 06:07 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Qualität gewerblicher Cyber-Versicherungen hat sich in den vergangenen Jahren zwar deutlich verbessert. Doch das aktuelle Cyber-Rating 2026 von Franke und Bornberg zeigt zugleich: Viele Tarife weisen weiterhin erhebliche Schwächen auf – mit potenziell gravierenden Folgen im Schadenfall.

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Unklare Vertragsbedingungen und Deckungslücken können sich bei einem Cyberangriff erst im Schadenfall bemerkbar machen. Das Cyber-Rating 2026 von Franke und Bornberg sieht insbesondere bei Betriebsunterbrechungen, Cloud-Ausfällen und Obliegenheiten weiterhin Schwächen vieler Tarife.Unklare Vertragsbedingungen und Deckungslücken können sich bei einem Cyberangriff erst im Schadenfall bemerkbar machen. Das Cyber-Rating 2026 von Franke und Bornberg sieht insbesondere bei Betriebsunterbrechungen, Cloud-Ausfällen und Obliegenheiten weiterhin Schwächen vieler Tarife.Redaktion experten.de / KI-generiert

Besonders problematisch: Deckungslücken werden häufig erst sichtbar, wenn ein Cyber-Angriff bereits eingetreten ist. Dann zeigt sich, ob Betriebsunterbrechungen, Cloud-Ausfälle oder immaterielle Drittschäden tatsächlich abgesichert sind – oder eben nicht.

Franke und Bornberg analysierte für das aktuelle Rating 201 Tarife von 27 Versicherern anhand von mehr als 100 Detailkriterien (experten.de berichtete). Bewertet wurden ausschließlich rechtsverbindliche Unterlagen wie Versicherungsbedingungen, Verbraucherinformationen und Versicherungsscheine.
Dabei identifizierten die Analysten mehrere typische Schwachstellen vieler Produkte.

Ein zentrales Problem bleibt die Betriebsunterbrechung. Gerade Cloud-basierte Geschäftsmodelle erhöhen die Abhängigkeit vieler Unternehmen von externen IT-Diensten. Trotzdem fehlen laut Rating teilweise klare Regelungen zu Ertragsausfällen infolge von Cloud-Störungen oder die Deckung ist zu eng gefasst. Auch bei sogenannten immateriellen Drittschäden bestehen weiterhin Lücken. Gemeint sind Schäden, die nicht unmittelbar als klassischer Vermögensschaden auftreten, für Unternehmen aber dennoch erhebliche finanzielle Folgen haben können.

Kritisch sehen die Analysten außerdem unklare Abgrenzungen zwischen Eigenschäden und technischen Störungen. Ebenso problematisch: unpräzise Definitionen bei Schäden an versicherten IT-Systemen.
Besondere Bedeutung messen die Experten den Obliegenheiten zu. Strenge oder unklare Anforderungen an Sicherheitsmaßnahmen können im Schadenfall schnell zu Problemen führen. Werden Vorgaben nicht vollständig erfüllt, droht im Extremfall eine Leistungsfreiheit des Versicherers.
Auch die Anzeigepflicht bei Gefahrerhöhungen bleibt laut Rating ein sensibles Thema. Intransparente Regelungen könnten für Versicherungsnehmer erhebliche Nachteile mit sich bringen.

Für Vermittler entsteht daraus ein wachsendes Beratungsrisiko. Denn viele Unterschiede zwischen guten und schwachen Tarifen sind für Kunden auf den ersten Blick kaum erkennbar. „Wer den falschen Tarif wählt, zahlt im Schadenfall einen hohen Preis“, warnt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH. Nach Einschätzung der Analysten reicht es deshalb nicht aus, Cyber-Policen allein über Preis oder Bekanntheit eines Anbieters zu vergleichen. Entscheidend seien die konkreten Vertragsdetails und die tatsächliche Passfähigkeit zum Geschäftsmodell des Kunden.
Besonders wichtig bleibt dabei die Frage, wie lange Wiederherstellungskosten übernommen werden, ob Rückwärtsdeckungen bestehen oder ob Cyber-Deckungen gegenüber anderen Versicherungen subsidiär ausgestaltet sind.

Das aktuelle Rating macht deutlich: Die Tarifqualität im Markt steigt zwar insgesamt. Doch gerade im Bereich komplexer Cyber-Risiken bleiben die Unterschiede zwischen den Produkten erheblich.

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