Cyberversicherung: Perseus und Markel weiten Präventionsmodell auf Europa aus
Cyberversicherung soll nicht erst greifen, wenn der Angriff bereits erfolgreich war. Perseus und Markel übertragen ihr gemeinsames Präventionsmodell deshalb auf drei weitere europäische Märkte. Für Versicherer ist daran vor allem eine Frage interessant: Wie weit lässt sich das versicherte Risiko bereits vor dem Schaden beeinflussen?
Das Cybersicherheitsunternehmen Perseus Technologies und der Spezialversicherer Markel bauen ihre Zusammenarbeit in Europa aus. Nach Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen die Präventionslösungen von Perseus künftig auch in die Cyberversicherungsangebote von Markel in Frankreich, Spanien und den Niederlanden integriert werden.
Die Zusammenarbeit besteht bereits seit 2019. Ziel ist es, den eigentlichen Versicherungsschutz mit Maßnahmen zu verbinden, die Cyberrisiken bereits vor einem Schaden reduzieren sollen. Dazu gehören insbesondere Angebote zur Sensibilisierung von Mitarbeitern sowie Instrumente, mit denen Risiken frühzeitig erkannt werden sollen.
Prävention wird Bestandteil der Cyberpolice
Die Lösungen von Perseus werden direkt in die Cyberpolicen von Markel eingebunden. Versicherte Unternehmen erhalten über ein Online-Portal Zugang zu Lernangeboten rund um digitale Gefahren und Cyberrisiken. Eine aufwendige technische Installation ist nach Angaben der Unternehmen nicht erforderlich. Für Frankreich, Spanien und die Niederlande werden die Angebote an die jeweiligen Märkte angepasst. Welche Bestandteile über Sprache und Lerninhalte hinaus lokalisiert werden, geht aus der Unternehmensmeldung allerdings nicht hervor. Adressiert werden insbesondere kleine und mittlere Unternehmen. Ihnen fehlten häufig Zeit und personelle Ressourcen, um sich umfassend mit Cybersicherheit auseinanderzusetzen, erklärt Sören Brokamp, Geschäftsführer von Perseus Technologies. „Gemeinsam mit Markel setzen wir genau dort an: Wir geben Unternehmen leicht zugängliche und verständliche Lösungen an die Hand, mit denen sie ihre Cyberrisiken aktiv reduzieren und ihre Cyberresilienz stärken können“, so Brokamp.
Vom Schadenersatz zur Risikoreduzierung
Hinter dem Modell steht eine Entwicklung, die für die Cyberversicherung zunehmend relevant wird: Der Versicherer soll Unternehmen nicht ausschließlich finanziell gegen die Folgen eines Cyberangriffs absichern, sondern bereits vor einem möglichen Schaden in das Risikomanagement eingebunden werden. Markel sieht darin zugleich einen Ansatz für die Zusammenarbeit mit Vermittlern. „Wir möchten Maklern und Kunden mehr als nur Versicherungsschutz bieten – indem wir unser lokales Fachwissen mit praktischen Tools kombinieren, die Unternehmen dabei helfen, ihre Cyberresilienz zu stärken“, sagt Marco Henrique, Head of Cyber Europe bei Markel. Der in der DACH-Region eingesetzte Ansatz soll dabei möglichst einheitlich auf weitere Länder übertragen werden, gleichzeitig aber Besonderheiten der jeweiligen Märkte berücksichtigen.
Perseus plant weitere europäische Märkte
Bei Frankreich, Spanien und den Niederlanden soll es nicht bleiben. Perseus will die technische und organisatorische Grundlage geschaffen haben, um seine Präventionsangebote über verschiedene Sprachen und Märkte hinweg bereitzustellen. „Darauf wollen wir aufbauen und unser Angebot perspektivisch gemeinsam mit unseren strategischen Partnern in weiteren europäischen Ländern etablieren“, erklärt Dr. Bernd Herrenkind, Chief Financial Officer und verantwortlich für die Internationalisierung bei Perseus Technologies. Perseus verbindet nach eigenen Angaben Risikobewertung und Prävention mit einer 24/7-Notfallhilfe. Das Angebot richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen.
Entscheidend wird die messbare Wirkung
Für Versicherer ist die Verbindung von Police und Prävention vor allem dann interessant, wenn sich dadurch Schadenhäufigkeit oder Schadenhöhe tatsächlich reduzieren lassen. Perseus und Markel argumentieren, dass Versicherer auf diesem Weg über die reine Absicherung hinaus zur Verringerung des versicherten Risikos beitragen können.
Konkrete Kennzahlen zur Wirkung der seit 2019 bestehenden Zusammenarbeit nennt die Unternehmensmeldung allerdings nicht. Offen bleibt damit beispielsweise, ob Unternehmen, die Präventionsangebote intensiv nutzen, messbar weniger oder geringere Cyberschäden verursachen.
Gerade mit der Ausweitung auf weitere europäische Märkte gewinnt diese Frage an Bedeutung: Aus einem Zusatzangebot zur Cyberpolice könnte sich ein Instrument aktiver Risikosteuerung entwickeln – vorausgesetzt, seine Wirkung lässt sich belegen.
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