Altersvorsorgedepot: Franklin Templeton und Ginmon bauen White-Label-Lösung
Banken, Versicherer und Finanzvertriebe bringen ihre Kunden mit – Investmentkonzerne und Plattformanbieter liefern die Infrastruktur dahinter. Franklin Templeton und Ginmon positionieren sich gemeinsam für den Start des Altersvorsorgedepots 2027. Ihr Angebot zeigt zugleich, an welcher Stelle sich der Wettbewerb um die neue geförderte Altersvorsorge entscheiden könnte.
Mit dem Altersvorsorgedepot entsteht ab 2027 ein neuer Markt für die private Altersvorsorge. Während Produktanbieter ihre Investmentlösungen vorbereiten, stellt sich für Banken, Versicherer, Maklerpools und Finanzvertriebe eine zweite Frage: Wie lässt sich das neue Angebot technisch und organisatorisch in den eigenen Vertrieb integrieren?
Franklin Templeton und Ginmon wollen darauf gemeinsam eine Antwort geben. Beide Unternehmen entwickeln eine White-Label-Lösung, mit der Finanzunternehmen das Altersvorsorgedepot unter eigener Marke anbieten können.
Grundlage ist die Plattform apeiron Wealth der Ginmon Gruppe. Sie wird nach Angaben des Unternehmens bereits von unabhängigen Vermögensberatern und Finanzvertrieben genutzt und soll nun an die Anforderungen des neuen Altersvorsorgedepots angepasst werden.
Investment trifft auf technische Infrastruktur
Die Aufgaben sind dabei klar verteilt. Franklin Templeton übernimmt Investmentarchitektur und strategische Asset Allocation. Vorgesehen sind je nach Anforderungen des Vertriebspartners aktive und indexbasierte Anlagebausteine sowie Lebenszyklusmodelle, bei denen die Risikostruktur mit näher rückendem Ruhestand angepasst wird.
Darüber hinaus soll der Asset Manager bei Produktgestaltung, Beraterqualifizierung und Kundenkommunikation unterstützen. Im Rahmen der Kooperation sollen konkrete Modellportfolios und Strategien für das Altersvorsorgedepot entstehen.
Ginmon stellt dagegen über apeiron Wealth die technische und operative Infrastruktur zur Verfügung. Dazu gehören digitales Onboarding, Kunden- und Beraterverwaltung, Portfoliomanagement, Reporting und Gebührenabrechnung sowie die Anbindung an Depot- und Wertpapierabwicklung. Vertriebspartner können entweder die komplette Plattform oder einzelne Module einsetzen.
Die Kundenschnittstelle bleibt beim Vertrieb
Ein zentraler Bestandteil des Modells ist das White Labeling. Banken, Versicherer und Vertriebsorganisationen sollen Markenauftritt, Beratungsmodell und Vergütungsstruktur selbst bestimmen können. Für die Kunden bleibt damit der jeweilige Vertriebspartner sichtbar, während ein Teil der Investment- und Technologieinfrastruktur im Hintergrund von Franklin Templeton und Ginmon kommt. Genau darin sieht Christian Machts, Country Head Germany & Austria bei Franklin Templeton, einen entscheidenden Faktor für den entstehenden Markt. „Der Wettbewerb um das Altersvorsorgedepot wird nicht im Produktregal entschieden, sondern an der Kundenschnittstelle“, sagt Machts. Erfolgreiche Angebote müssten Investmentqualität, digitale Prozesse und persönliche Beratung miteinander verbinden.
Für Anbieter könnte das White-Label-Modell vor allem den Zeit- und Entwicklungsaufwand reduzieren. Statt eine eigene Investment-, Technologie- und Prozesslandschaft aufzubauen, können bestehende Komponenten eingesetzt und an das eigene Geschäftsmodell angepasst werden.
Wettlauf bis zum 1. Januar 2027
Der Zeitdruck steigt. Der Bundestag hat die Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge im März beschlossen. Kernstück ist neben Garantieprodukten das neue förderfähige Altersvorsorgedepot ohne Beitragsgarantie, über das unter anderem in Fonds und ETFs investiert werden kann. Die neuen Angebote sollen zum 1. Januar 2027 starten. Lars Reiner, Gründer und Geschäftsführer von Ginmon, sieht deshalb bereits die Vorbereitungsphase als entscheidend an: „Wer dann erst anfängt zu bauen, ist zu spät.“ Ginmon ist nach eigenen Angaben seit zwölf Jahren am Markt, in elf Ländern aktiv und betreut mehr als 100.000 Endkunden auf der eigenen Plattform. Die Gruppe beziffert das verwaltete Kundenvermögen auf mehr als 500 Millionen Euro.
Altersvorsorgedepot wird zum Plattformmarkt
Die Kooperation zeigt damit eine weitere Ebene des Wettbewerbs um die neue private Altersvorsorge. Nicht nur Fondsanbieter, Versicherer und Banken positionieren sich für das Altersvorsorgedepot. Gleichzeitig entsteht ein Markt für die technische Infrastruktur, mit der solche Angebote überhaupt vertrieben und verwaltet werden können.
Für kleinere und mittlere Anbieter könnte dabei entscheidend werden, ob sie eigene Systeme entwickeln oder auf modulare Plattformen zurückgreifen. Franklin Templeton und Ginmon setzen darauf, dass insbesondere Anbieter mit bestehender Kunden- und Beraterbasis die zweite Variante wählen. Damit verschiebt sich eine der zentralen Wettbewerbsfragen: Nicht jeder Anbieter des Altersvorsorgedepots muss künftig auch die komplette Infrastruktur dahinter selbst besitzen.
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