D&O-Schadenaufwand steigt um 27 Prozent
Die Schadenentwicklung in der D&O-Versicherung verschärft sich: Die Zahl der Schäden steigt, zugleich werden einzelne Fälle teurer. Der gesamte Schadenaufwand legte zuletzt um 27 Prozent zu. Dennoch bleibt der Markt laut SÜDVERS Marktmonitor 2026/27 von hohen Kapazitäten und moderaten Prämien geprägt. Für Unternehmen eröffnet das Spielraum – allerdings nicht unbedingt dort, wo zunächst vermutet.
Der D&O-Markt entwickelt sich derzeit in zwei entgegengesetzte Richtungen. Auf der einen Seite konkurrieren Versicherer weiterhin mit hohen Kapazitäten, vergleichsweise weitreichenden Deckungen und moderaten Prämien um Kunden. Auf der anderen Seite verschärft sich die Schadenentwicklung deutlich.
Nach den im SÜDVERS Marktmonitor 2026/27 ausgewerteten Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erhöhte sich die Zahl der D&O-Schäden 2024 gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Schaden um 14 Prozent. In der Summe nahm der Schadenaufwand um 27 Prozent zu, während das Prämienvolumen lediglich um 1,5 Prozent wuchs.
Mehr und zugleich teurere D&O-Schäden
Als Treiber der steigenden durchschnittlichen Schadenhöhe nennt SÜDVERS insbesondere komplexere Verfahren und die damit verbundenen längeren Laufzeiten. Hinzu kommt das wirtschaftliche Umfeld. Angesichts einer wachsenden Zahl D&O-relevanter Insolvenzen sei nicht ausgeschlossen, dass Versicherer ihren derzeit vergleichsweise liberalen Kurs bei Prämien und Zeichnung künftig wieder korrigieren.
Damit entsteht eine ungewöhnliche Konstellation: Die Schadenstatistik verschlechtert sich bereits deutlich, die Reaktion auf der Angebotsseite fällt bislang jedoch moderat aus.
Für Unternehmen bedeutet das zunächst gute Bedingungen bei anstehenden Vertragsverlängerungen. Nach Einschätzung von SÜDVERS sind die Prämien grundsätzlich stabil; punktuell seien sogar weitere Senkungen möglich. Viele KMU-Policen mit Versicherungssummen bis fünf Millionen Euro könnten erneut ohne Risikoprüfung verlängert werden.
Mehr Deckung kann wertvoller sein als weniger Prämie
Gerade deshalb lohnt sich nach Einschätzung der Versicherungsexperten ein genauer Blick darauf, wofür der vorhandene Verhandlungsspielraum genutzt wird. Angesichts steigender Schadensummen könne eine prämienneutrale Erhöhung der Versicherungssumme um bis zu zehn Prozent häufig sinnvoller sein als ein vereinzelt noch möglicher Prämiennachlass. Insbesondere bei Policen, die bereits mehrfach unverändert verlängert wurden, sollte geprüft werden, ob die bestehende Versicherungssumme noch zur aktuellen Risikosituation des Unternehmens passt.
Auch längere Vertragsbindungen gewinnen wieder an Bedeutung. SÜDVERS beobachtet, dass zahlreiche Versicherer zweijährige Verlängerungen anbieten und sich auch Exzedenten-Versicherer dieser Entwicklung anschließen. Da kurzfristig keine weitere deutliche Marktaufweichung erwartet werde, könne es sinnvoll sein, die derzeitigen Bedingungen für einen längeren Zeitraum festzuschreiben.
NIS2, Insolvenzen und Compliance verändern die Risikolage
Gleichzeitig wächst das Spektrum möglicher Haftungsszenarien für Geschäftsführungen und Vorstände. SÜDVERS verweist unter anderem auf neue regulatorische Anforderungen wie NIS2, steigende Insolvenzen und zunehmende Compliance-Risiken. Sie erhöhen nach Einschätzung der Experten den Druck auf Organmitglieder.
Damit könnte sich das derzeit günstige Marktfenster als vorübergehend erweisen. Steigende Schadenhäufigkeit und höhere durchschnittliche Schäden treffen bislang auf einen Versicherungsmarkt, der weiterhin über ausreichend Kapazität verfügt. Sollten sich beide Schadenentwicklungen fortsetzen, dürfte jedoch auch für die Versicherer die Frage dringlicher werden, wie lange sich dieser Kurs aufrechterhalten lässt.
Der SÜDVERS Marktmonitor 2026/27 umfasst insgesamt 66 Seiten und analysiert die Entwicklung verschiedener Unternehmensrisiken sowie der Vorsorge- und Benefit-Märkte. Den vollständigen Marktmonitor stellt SÜDVERS kostenfrei zum Download bereit.
Servicehinweis zum Webinar
Am 24. September 2026 widmet sich SÜDVERS in einem kostenfreien Webinar den Entwicklungen in der D&O-, W&I- und internationalen Versicherung. Behandelt werden unter anderem steigende Haftungs- und Compliance-Risiken, zunehmende D&O-Schadensummen sowie Risiken bei Expansion und Internationalisierung.
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