KI beim Geld? 70 Prozent der Deutschen sagen Nein
Künstliche Intelligenz wird für viele Menschen zur Alltagstechnologie. Beim eigenen Geld stößt die Offenheit jedoch an Grenzen: Obwohl inzwischen mehr als jeder Zweite KI-Anwendungen genutzt hat, lehnen 70 Prozent ihren Einsatz für Überweisungen, Geldanlagen oder Finanzberatung ab. Die Postbank Digitalstudie 2026 zeigt allerdings auch, dass sich bei jüngeren Nutzern bereits ein anderes Verhältnis zu KI und Finanzentscheidungen entwickelt.
Künstliche Intelligenz erreicht zunehmend den Alltag der Deutschen. Nach Ergebnissen der Postbank Digitalstudie 2026 haben 54 Prozent bereits KI-Anwendungen genutzt. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Weitere 16 Prozent planen die Nutzung. Sobald es um die eigenen Finanzen geht, fällt die Bereitschaft jedoch deutlich geringer aus. 70 Prozent lehnen den Einsatz von KI für Überweisungen, Geldanlagen oder Finanzberatung ab. Dabei richtet sich die Skepsis offenbar nicht grundsätzlich gegen digitale Finanzangebote. Vielmehr zeigen die Ergebnisse eine besondere Vertrauenshürde, sobald KI bei finanziellen Entscheidungen ins Spiel kommt.
Persönliche Beratung genießt mehr Vertrauen
Drei Viertel der Befragten vertrauen bei Finanzfragen einer persönlichen Beratung stärker als einer KI. Ebenso viele halten die Technologie für Finanzfragen noch nicht für ausgereift oder äußern Datenschutzbedenken. Hinzu kommen Sorgen vor Manipulation und mangelnder Transparenz. „Die Menschen unterscheiden sehr genau, wann sie einer neuen Technologie vertrauen und wann nicht. Digitale Offenheit bedeutet also nicht automatisch finanzielles Vertrauen“, sagt David Dommel, Leiter Digitales Performance-Marketing der Postbank. KI werde für alltägliche Aufgaben bereits selbstverständlich eingesetzt. Bei finanziellen Entscheidungen wünschten sich viele Menschen dagegen weiterhin einen Ansprechpartner, der Verantwortung übernehme und individuelle Fragen beantworten könne.
Dass ausgerechnet bei Geldfragen eine Vertrauensgrenze verläuft, zeigte sich bereits in der Postbank Digitalstudie des Vorjahres. Schon 2025 begegneten die Deutschen KI bei der Geldanlage mit deutlichem Misstrauen. Die aktuellen Ergebnisse zeigen damit weniger einen plötzlichen Stimmungsumschwung als eine bislang erstaunlich stabile Vorbehaltslinie.
Banking-App wird zum wichtigsten digitalen Zugang
Dass hinter der Zurückhaltung gegenüber KI keine generelle Skepsis gegenüber digitalem Banking steckt, zeigt die Nutzung klassischer Online-Angebote. Mehr als drei Viertel der Deutschen erledigen ihre Bankgeschäfte online. Dabei verschiebt sich der bevorzugte Zugang zunehmend vom klassischen Online-Banking zur App. 43 Prozent nutzen inzwischen eine Banking-App für Überweisungen, Kontoauszüge oder Informationen zu Geldanlagen. Gegenüber 2022 entspricht das einem Zuwachs von 13 Prozentpunkten. Das klassische Online-Portal nutzen dagegen noch 34 Prozent. Vor vier Jahren waren es 45 Prozent.
Bei Menschen ab 40 Jahren liegt das Online-Portal mit 40 Prozent noch knapp vor der App mit 38 Prozent. Wer die App nutzt, bleibt ihr offenbar häufig treu: 53 Prozent der App-Nutzer über 40 verwenden sie bereits seit mehr als sieben Jahren.
Unter 40 wächst die Offenheit für KI bei Finanzfragen
Der Blick auf jüngere Nutzer relativiert allerdings die insgesamt hohe Ablehnung von KI bei Finanzthemen. Unter den 18- bis 39-Jährigen ist die Bereitschaft deutlich größer, neue digitale Wege auch bei Finanzgeschäften zu nutzen. 65 Prozent dieser Altersgruppe akzeptieren beispielsweise den Kontakt zum Bankberater per Chat oder Videokonferenz. Bei den Älteren sind es 45 Prozent.
Noch deutlicher wird der Unterschied beim Einsatz von Sprachassistenten. 46 Prozent der unter 40-Jährigen können sich vorstellen, Überweisungsdaten per Sprachassistent einzugeben. Bei den Älteren kommt dies für 72 Prozent nicht infrage.
Auch bei KI selbst zeichnet sich ein anderes Nutzungsverhalten ab: Fast jeder zweite unter 40-Jährige ist für den Einsatz von KI bei Finanzthemen offen. Jeder vierte KI-Nutzer unter 40 ist bei einer Geldanlage bereits einer Empfehlung der KI gefolgt. Damit zeigen die Ergebnisse zugleich, dass die derzeit deutliche Präferenz für persönliche Beratung nicht zwangsläufig dauerhaft in allen Altersgruppen bestehen muss.
KI wird vertraut – aber nur selten kontrolliert
Gerade deshalb gewinnt die Frage an Bedeutung, wie gut Nutzer die Ergebnisse von KI-Systemen einschätzen können. Die Digitalstudie offenbart hier eine bemerkenswerte Diskrepanz. 60 Prozent der KI-Nutzer überprüfen erhaltene Informationen nur selten und vertrauen der Technik. Gleichzeitig trauen sich lediglich 36 Prozent zu, eine Manipulation durch KI zu erkennen. Die Postbank verweist in diesem Zusammenhang auch auf neue Betrugsrisiken. Kriminelle könnten KI beispielsweise einsetzen, um professionell wirkende Phishing-Nachrichten im Namen einer Bank zu erstellen und Nutzer zur Preisgabe ihrer Zugangsdaten zu bewegen. „Neue Technologien wie KI und Sprachassistenten eröffnen Chancen, erhöhen aber auch die Anforderungen an die Sicherheit“, erklärt Dommel. Finanzdienstleister müssten über Risiken informieren und hohe Sicherheitsstandards gewährleisten.
Sicherheit gehört beim digitalen Banking bereits zum Alltag
Bei etablierten digitalen Bankangeboten nutzen viele Verbraucher entsprechende Schutzmechanismen. 55 Prozent setzen auf Zwei-Faktor-Authentifizierung, 41 Prozent verwenden biometrische Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Nur fünf Prozent verzichten vollständig auf zusätzliche Sicherheitsfunktionen. Trotzdem sorgt sich mehr als die Hälfte beim Online- oder App-Banking um Daten- oder Identitätsdiebstahl.
Die Ergebnisse zeigen damit zwei Entwicklungen, die zunächst widersprüchlich erscheinen: Digitale Finanzangebote gehören für einen großen Teil der Bevölkerung längst zum Alltag. Die Bereitschaft, einer KI bei finanziellen Entscheidungen zu vertrauen, bleibt dagegen deutlich geringer.
Bei jüngeren Nutzern beginnt sich diese Grenze allerdings bereits zu verschieben. Damit dürfte künftig nicht allein entscheidend sein, ob KI in Finanzberatung und Banking eingesetzt wird. Ebenso wichtig wird sein, unter welchen Bedingungen Nutzer bereit sind, ihren Empfehlungen zu folgen.
Zur Studie
Die Ergebnisse stammen aus der „Postbank Digitalstudie 2026 – die digitalen Deutschen“. Dafür wurden im Mai 2026 insgesamt 3.050 Einwohnerinnen und Einwohner befragt. Die Postbank untersucht damit im zwölften Jahr in Folge Entwicklungen der Digitalisierung mit besonderem Blick auf Finanzthemen. Die Stichprobe wurde nach Bundesland, Alter und Geschlecht gewichtet; als Referenz diente der Zensus 2022 des Statistischen Bundesamtes.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Digitalstudie: Deutsche misstrauen KI bei der Geldanlage
Angespannte Sicherheitslage: Cyberrisiken als neue Normalität für Versicherer
KI wird zum Sparberater – das Vertrauen der Anleger wächst langsam
Cyberstudie: Heilberufe unterschätzen Präventionspotenzial – Angriffsziel Patientendaten
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Hohe Staatsschulden könnten die Regeln für Anleger verändern
Nach dem Übernahmekampf beginnt die Verhandlungsphase bei der Commerzbank
Beben bei Berenberg: Warum drei Ex-Chefs um Deutschlands älteste Privatbank kämpfen
Jamie Dimon warnt: Märkte unterschätzen Risiken deutlich
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.
















