Nach dem Übernahmekampf beginnt die Verhandlungsphase bei der Commerzbank
Fast zwei Jahre nach dem Einstieg der UniCredit zeichnet sich im Übernahmekampf um die Commerzbank ein Strategiewechsel ab. Während Vorstand, Bundesregierung und Arbeitnehmervertreter lange auf die Eigenständigkeit des Frankfurter Instituts setzten, richtet sich der Blick inzwischen zunehmend auf die Frage, unter welchen Bedingungen eine Integration erfolgen könnte. Über die ersten Übernahmepläne der italienischen Großbank hatte experten bereits berichtet.
Wie das Handelsblatt berichtet, gehen viele Beschäftigte und Führungskräfte intern inzwischen davon aus, dass der Kampf um die Unabhängigkeit der Commerzbank kaum noch zu gewinnen ist. Stattdessen stehe nun im Vordergrund, für Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre möglichst gute Rahmenbedingungen für eine mögliche Integration auszuhandeln. Vorstandschefin Bettina Orlopp wirbt demnach intern für Zusammenhalt und setzt auf einen konstruktiven Dialog mit UniCredit-Chef Andrea Orcel.
Commerzbank hält an ihrer bisherigen Position fest
Die aktuelle Entwicklung markiert einen deutlichen Kontrast zur bisherigen Haltung des Frankfurter Instituts. Erst im Frühjahr hatte die Commerzbank das Übernahmeangebot der UniCredit als finanziell unzureichend zurückgewiesen. Vorstand und Aufsichtsrat argumentierten, das Angebot enthalte keine angemessene Übernahmeprämie und bilde den Wert der Bank sowie ihre Zukunftsperspektiven nicht ausreichend ab. Zudem sahen sie keinen überzeugenden strategischen Mehrwert gegenüber einer eigenständigen Weiterentwicklung.
Über diese Bewertung und die Kritik der Commerzbank am Angebot hatte experten bereits ausführlich berichtet.
Bundesregierung verändert ihre Haltung
Auch politisch haben sich die Vorzeichen verändert. Nachdem die Bundesregierung die Eigenständigkeit der Commerzbank zunächst unterstützt hatte, signalisierte Bundeskanzler Friedrich Merz inzwischen, dass Berlin eine Fusion nicht verhindern werde. Damit entfällt ein wesentlicher politischer Unsicherheitsfaktor für UniCredit.
Bereits über die ablehnende Haltung des Bundes und dessen Rolle als zweitgrößter Aktionär hatte experten berichtet.
Auch innerhalb der Commerzbank wird inzwischen offenbar pragmatischer auf die Situation geblickt. Nach Informationen des Handelsblatts konzentrieren sich Arbeitnehmervertreter zunehmend darauf, die Folgen einer möglichen Übernahme für die Beschäftigten abzufedern. Im Mittelpunkt steht dabei die bereits vereinbarte Transformationsvereinbarung, die bis Ende 2030 unter anderem einen weitgehenden Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen vorsieht.
Geschäftsmodell bleibt zentraler Streitpunkt
Neben dem Beschäftigungsschutz dürfte das künftige Geschäftsmodell zu den wichtigsten Verhandlungsthemen gehören. UniCredit plant nach eigenen Angaben einen deutlichen Stellenabbau und strebt mittelfristig eine stärkere Integration ihrer deutschen Aktivitäten an. Die Commerzbank wiederum sieht insbesondere ihr internationales Firmenkundengeschäft und das Auslandsnetz als wesentliche Wettbewerbsvorteile an, die auch künftig erhalten bleiben sollten.
Über die unterschiedlichen strategischen Vorstellungen beider Institute und die Bedeutung des Geschäftsmodells für den deutschen Mittelstand hatte experten bereits berichtet.
Aus dem Übernahmekampf wird eine Verhandlungsphase
Ob die Gespräche letztlich zu einer einvernehmlichen Lösung führen, ist derzeit offen. Klar ist jedoch, dass sich der Charakter des Konflikts verändert hat. Stand in den vergangenen Monaten vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob UniCredit die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen kann, richtet sich der Fokus nun zunehmend darauf, wie eine mögliche Integration ausgestaltet wird.
Für Vorstand, Arbeitnehmervertreter und Politik dürfte es dabei vor allem darum gehen, möglichst viele Elemente des bisherigen Geschäftsmodells zu erhalten und die Auswirkungen auf Beschäftigte und Kunden zu begrenzen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie groß der Spielraum in den Verhandlungen tatsächlich noch ist.
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