BVK warnt vor Riester-Wechsel ohne Beratung
Soll der Wechsel aus einem bestehenden Riester-Vertrag in das neue Standard-Altersvorsorgedepot auch ohne Beratung möglich sein? Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute warnt davor und fordert den Gesetzgeber auf, persönliche Beratung im neuen Fördersystem zu verankern. Rückenwind bekommt der Vermittlerverband ausgerechnet von einer aktuellen Verbraucherbefragung.
Die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge eröffnet Riester-Sparern neue Möglichkeiten – und stellt sie zugleich vor weitreichende Entscheidungen. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) fordert deshalb, beim möglichen Übertrag bestehender Riester-Verträge in ein Standard-Altersvorsorgedepot nicht auf Beratung zu verzichten.
Der Verband wendet sich ausdrücklich gegen Überlegungen, einen solchen Wechsel auch ohne vorherige Beratung zu ermöglichen.
„Wer die Übertragung von Riesterverträgen in ein Standard-Altersvorsorgedepot ohne Beratung ermöglichen will, riskiert Fehlentscheidungen mit langfristigen Auswirkungen auf die Altersversorgung der Menschen“, warnt BVK-Präsident Michael H. Heinz. Altersvorsorge sei „kein Online-Schnellkauf, sondern eine existenzielle Lebensentscheidung“.
Allianz-Studie liefert dem BVK Argumente
Der BVK stützt seine Forderung auf eine repräsentative Befragung der Allianz unter 1.500 Verbraucherinnen und Verbrauchern. Mit deren Ergebnissen hatte sich Experten.de bereits ausführlich beschäftigt.
Demnach wünschen sich 75 Prozent der Riester-Sparer Beratung bei der Frage, wie es mit ihrer geförderten Altersvorsorge weitergehen soll. Selbst bei einem möglichen Wechsel von einem bestehenden Riester-Vertrag in das neue Altersvorsorgedepot bevorzugen 58 Prozent eine persönliche Beratung. Für den BVK zeigen diese Ergebnisse, dass Verbraucher weitreichende Vorsorgeentscheidungen keineswegs grundsätzlich allein treffen wollen. Heinz sieht darin eine Bestätigung für die Rolle professioneller Beratung: „Die Ergebnisse der Allianz-Studie widerlegen signifikant die Vorstellung, Verbraucher könnten oder wollten derart weitreichende Entscheidungen ohne professionelle Unterstützung treffen.“
Ein Wechsel verändert mehr als die Förderung
Aus Sicht des Vermittlerverbandes lässt sich die Entscheidung über einen Übertrag nicht allein anhand der neuen Förderbedingungen treffen. Zu berücksichtigen seien unter anderem Anlagehorizont und Risikotragfähigkeit sowie bestehende Garantien. Hinzu kommen die individuelle Einkommens- und Familiensituation. Gerade bestehende Garantien machen den Wechsel zu einer komplexen Abwägung. Ein Riester-Vertrag kann Eigenschaften besitzen, die bei einem Wechsel aufgegeben werden. Gleichzeitig können die neuen Produkt- und Fördermöglichkeiten je nach individueller Situation Vorteile bieten. Damit wird aus der vermeintlich einfachen Frage „Riester behalten oder ins Depot wechseln?“ eine individuelle Vorsorgeentscheidung mit langfristigen Folgen.
BVK fordert Beratung als Bestandteil des Verbraucherschutzes
Der BVK geht deshalb über die Forderung nach einem freiwilligen Beratungsangebot hinaus. Der Gesetzgeber solle bei der weiteren Ausgestaltung des Standard-Altersvorsorgedepots persönliche Beratung als Bestandteil des Verbraucherschutzes verankern. „Vorsorgende haben ein Recht darauf, die Konsequenzen einer Übertragung ihres Riestervertrages vollständig zu verstehen. Deshalb muss die Beratung auch im neuen Fördersystem uneingeschränkt gelten“, erklärt Heinz.
Der Verband positioniert sich damit gegen eine Ausgestaltung der Reform, bei der möglichst einfache digitale Wechselprozesse mit einem Beratungsverzicht verbunden werden könnten.
Für den BVK sind Digitalisierung und neue Produktmöglichkeiten kein Ersatz für individuelle Beratung. Die private Altersvorsorge könne nur dann erfolgreich sein, wenn Verbraucher neben neuen Produkten und digitalen Prozessen weiterhin Zugang zu qualifizierter und individueller Beratung erhalten.
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