W&W steigert Gewinn: Bausparen wächst, Finanzierungsgeschäft schrumpft
Die W&W-Gruppe hat ihren Gewinn im ersten Halbjahr 2026 gesteigert und bestätigt die Jahresprognose. Operativ entwickelt sich das Geschäft allerdings unterschiedlich: Während das Bausparneugeschäft wächst und die Lebensversicherung zulegt, gehen Finanzierungsvolumen und Neugeschäft in Schaden/Unfall zurück.
Die Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) hat im ersten Halbjahr 2026 mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. Das IFRS-Konzernergebnis stieg von 91 auf 105 Millionen Euro – ein Plus von rund 15 Prozent. Für das Gesamtjahr hält der Konzern an seiner Prognose von 120 bis 150 Millionen Euro nach Steuern fest. Hinter der Ergebnisverbesserung entwickeln sich die einzelnen Geschäftsfelder allerdings unterschiedlich. Während W&W insbesondere im Bausparen und in der Lebensversicherung zulegt, hinterlässt das schwierige Umfeld am Immobilienmarkt deutliche Spuren im Finanzierungsgeschäft.
„Die W&W-Gruppe hat im ersten Halbjahr 2026 ihre nachhaltige Stärke erneut unter Beweis gestellt“, sagt Jürgen A. Junker, Vorstandsvorsitzender der W&W AG. Mit dem Programm „Bestform 2030“ wolle der Konzern unter anderem Effizienz, Agilität und Geschwindigkeit erhöhen. Gleichzeitig verweist Junker auf Herausforderungen im Bauspargeschäft, für das bereits Schritte zur Ertragssteigerung identifiziert und eingeleitet worden seien.
Bausparneugeschäft wächst gegen den Trend
Im Geschäftsfeld Wohnen zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Das Netto-Neugeschäft nach Bausparsumme stieg im ersten Halbjahr um 3,3 Prozent auf 4,336 Milliarden Euro. Nach Angaben des Konzerns entwickelte sich Wüstenrot damit besser als der Markt. Der Bestand an Baudarlehen erhöhte sich um 2,5 Prozent auf 30,9 Milliarden Euro. Deutlich schwächer entwickelte sich dagegen das Finanzierungsgeschäft. Das Neugeschäftsvolumen für wohnwirtschaftliche Zwecke – darunter Sofortfinanzierungen, Modernisierungen und Eigenkapitalaufbau – sank von 8,479 auf 7,553 Milliarden Euro. Das Kreditneugeschäftsvolumen einschließlich Vermittlungen ins Fremdbuch ging von 2,762 auf 2,446 Milliarden Euro zurück.
W&W reagiert nach eigenen Angaben mit weiteren Effizienzmaßnahmen insbesondere im Geschäftsfeld Wohnen und in der IT auf die anhaltende Schwäche der Immobilienmärkte, das Zinsumfeld und den allgemeinen Kostendruck.
Lebensversicherung legt zu
Wachstum meldet der Konzern aus der Lebensversicherung. Die Württembergische Lebensversicherung steigerte die Beitragssumme des Neugeschäfts von 1,766 auf 1,857 Milliarden Euro. Überdurchschnittlich entwickelte sich dabei die betriebliche Altersversorgung. Hier erhöhte sich die Beitragssumme von 569 auf 644 Millionen Euro – ein Zuwachs von rund 13 Prozent. In der Krankenversicherung ging der Jahresneubeitrag dagegen von 5,9 auf 5,4 Millionen Euro zurück.
Schaden/Unfall profitabel – Combined Ratio steigt
In der Schaden- und Unfallversicherung erreichte das Neu- und Ersatzgeschäft 281 Millionen Euro nach 291 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Innerhalb des Geschäfts entwickelten sich Kraftfahrt und Privatkunden positiv. W&W berichtet hier von Zuwächsen von rund drei beziehungsweise knapp vier Prozent. Die Combined Ratio nach IFRS 17 erhöhte sich allerdings von 83,8 auf 86,7 Prozent brutto. Damit verschlechterte sich die Schaden-Kosten-Quote gegenüber dem ausgesprochen niedrigen Vorjahreswert, bleibt aber weiterhin deutlich unter der Marke von 100 Prozent.
W&W setzt bei Effizienz auch auf KI
Neben den bereits laufenden Effizienzmaßnahmen sieht der Konzern Künstliche Intelligenz zunehmend als Querschnittstechnologie. Junker erwartet, dass KI künftig sämtliche Bereiche der Versicherungsgruppe durchdringen werde. W&W will dabei nach eigenen Angaben auch in die Qualifizierung der Beschäftigten investieren. Ziel sei es, Mitarbeitern die notwendigen Fähigkeiten für den Umgang mit KI zu vermitteln.
Für die Entwicklung des Konzernergebnisses dürften zunächst allerdings die klassischen Stellschrauben entscheidend bleiben: Profitabilität im Versicherungsgeschäft, Kostenentwicklung sowie die Frage, wie schnell sich das Umfeld für Immobilienfinanzierungen stabilisiert.
Eigenkapital steigt auf fünf Milliarden Euro
Die Kapitalausstattung des Konzerns entwickelte sich im ersten Halbjahr ebenfalls positiv. Das Eigenkapital erhöhte sich von 4,936 Milliarden Euro zum Jahresende 2025 auf 5,008 Milliarden Euro zum 30. Juni 2026. Die Bilanzsumme stieg im gleichen Zeitraum von 72,5 auf 75,0 Milliarden Euro. Standard & Poor's bestätigte die Ratings mit stabilem Ausblick. Die Kerngesellschaften des W&W-Konzerns werden weiterhin mit „A-“ bewertet, die W&W AG mit „BBB+“.
Jahresprognose bleibt bei 120 bis 150 Millionen Euro
Nach dem ersten Halbjahr sieht sich W&W für das Gesamtjahr auf Kurs. Die Prognose für das IFRS-Konzernergebnis nach Steuern bleibt unverändert bei 120 bis 150 Millionen Euro. Damit hat der Konzern nach sechs Monaten bereits 105 Millionen Euro erreicht. Eine einfache Fortschreibung dieses Ergebnisses wäre allerdings wenig aussagekräftig: W&W stellt die Prognose ausdrücklich unter den Vorbehalt der weiteren Entwicklung von Konjunktur, Inflation und Kapitalmärkten sowie der Schadenbelastung durch Naturereignisse.
Das Halbjahr zeigt vor allem, wie unterschiedlich sich die Geschäftsfelder derzeit entwickeln: Der Konzern verdient mehr, obwohl das Finanzierungsgeschäft schrumpft und auch einige Versicherungskennzahlen hinter dem Vorjahr zurückbleiben. Gleichzeitig wachsen Bausparen, Lebensversicherung und betriebliche Altersversorgung.
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