Talanx hebt Prognose an: Gewinn wächst deutlich stärker als das Geschäft
Talanx verdient im ersten Halbjahr so viel wie nie zuvor und erwartet für 2026 nun deutlich mehr als 2,7 Milliarden Euro Konzernergebnis. Dabei wächst der Versicherungsumsatz nur moderat. Den Unterschied machen unter anderem eine verbesserte Schaden-/Kostenquote, höhere Kapitalanlageerträge und Großschäden deutlich unter Budget.
Talanx startet mit einem Rekordergebnis in die zweite Jahreshälfte und erhöht die Erwartungen für das Gesamtjahr. Im ersten Halbjahr 2026 stieg das Konzernergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent von 1,373 auf 1,499 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr rechnet die Gruppe nun mit einem Konzernergebnis von deutlich mehr als 2,7 Milliarden Euro. Bislang hatte die Prognose bei ungefähr 2,7 Milliarden Euro gelegen.
Bemerkenswert ist dabei das Verhältnis von Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Der Versicherungsumsatz erhöhte sich währungskursbereinigt um drei Prozent; in Euro blieb er mit 24,3 nach 24,2 Milliarden Euro nahezu unverändert. Das versicherungstechnische Ergebnis legte dagegen um 15 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis um elf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Damit setzt sich ein Muster fort, das Talanx-Vorstandschef Torsten Leue auch für das Gesamtjahr erwartet: Das Ergebnis soll stärker wachsen als der Umsatz. „Unsere operative Stärke, weiterhin hohe Resilienz und Großschadenleistungen, die fast eine halbe Milliarde EUR unterhalb unseres Budgets liegen, stimmen uns sehr zuversichtlich für den Rest des Jahres“, sagt Leue. Talanx erwarte deshalb nun, die bisherige Jahresprognose zu übertreffen.
Großschäden bleiben 474 Millionen Euro unter Budget
Ein wesentlicher Faktor für die Ergebnisentwicklung ist die Großschadenbelastung. Sie belief sich im ersten Halbjahr auf 942 Millionen Euro. Talanx hatte für den Zeitraum ein Großschadenbudget von 1,416 Milliarden Euro vollständig gebucht. Damit blieb die tatsächliche Belastung um 474 Millionen Euro unter diesem Wert. Im Vorjahreszeitraum waren Großschäden von 1,134 Milliarden Euro angefallen.
Zu den größten Naturkatastrophenschäden gehörten der Wintersturm „Fern“ in den USA und Kanada mit 132 Millionen Euro sowie Atlantikstürme auf der Iberischen Halbinsel und in Marokko mit 127 Millionen Euro. Das Erdbeben in Venezuela belastete mit 75 Millionen Euro.
Gleichzeitig berücksichtigt Talanx bereits mögliche Folgen der aktuellen geopolitischen Lage: In der Rückversicherung wurden 200 Millionen Euro für potenzielle Schäden im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg reserviert. Die Schaden-/Kostenquote des Konzerns verbesserte sich von 90,7 auf 88,7 Prozent.
Kapitalanlage liefert zusätzlichen Ergebnisbeitrag
Unterstützung kommt außerdem von der Kapitalanlage. Das versicherungstechnische Finanz- und Kapitalanlageergebnis vor Währungseffekten erhöhte sich um 21 Prozent von 848 Millionen auf 1,025 Milliarden Euro. Talanx führt die Entwicklung unter anderem auf die in den vergangenen Jahren vorgenommene Umschichtung niedrig verzinster Anlagen in höher verzinsliche Kapitalanlagen zurück. Die Eigenkapitalrendite erreichte im ersten Halbjahr 21,5 Prozent nach 23,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet Talanx eine Rendite von ungefähr 19 Prozent. Die Solvency-2-Quote lag zum 30. Juni bei 246 Prozent nach 224 Prozent ein Jahr zuvor.
Erstversicherung liefert inzwischen mehr als die Hälfte des Gewinns
Auch die Zusammensetzung des Ergebnisses ist interessant. Die Erstversicherung steigerte ihren Ergebnisbeitrag um zwölf Prozent und steht mittlerweile für 52 Prozent des Konzernergebnisses. Besonders dynamisch entwickelte sich die internationale Privat- und Firmenversicherung. Dort wuchs der Versicherungsumsatz währungskursbereinigt um zehn Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Treiber waren nach Unternehmensangaben insbesondere Polen, die Türkei und Mexiko. Der Beitrag zum Konzernergebnis stieg um 16 Prozent auf 387 Millionen Euro. Corporate & Specialty steuerte 292 Millionen Euro bei, sieben Prozent mehr als im Vorjahr.
Deutschland: 37 Prozent mehr operatives Ergebnis trotz höherer Schadenquote
Ein differenziertes Bild zeigt das deutsche Privat- und Firmenkundengeschäft. Der Versicherungsumsatz blieb mit 1,6 Milliarden Euro nahezu stabil. Belastet wurde die Entwicklung durch die Ende 2025 ausgelaufene Kooperation mit der Targobank; höhere Umsätze in der Sach- und Lebensversicherung konnten den Rückgang weitgehend kompensieren. Gleichzeitig verschlechterte sich die Schaden-/Kostenquote von 90,6 auf 93,0 Prozent. Das versicherungstechnische Ergebnis sank von 190 auf 183 Millionen Euro. Trotzdem erhöhte sich das operative Ergebnis des Geschäftsbereichs um 37 Prozent auf 180 Millionen Euro. Talanx führt dies auf Profitabilitätsinitiativen und Kosteneinsparungen zurück. Der Beitrag zum Konzernergebnis wuchs um 19 Prozent auf 99 Millionen Euro. Gerade dieser Geschäftsbereich zeigt damit, dass die Ergebnisverbesserung des Konzerns nicht allein auf eine günstigere Schadenentwicklung zurückzuführen ist.
Rückversicherung bleibt größter Ergebnislieferant
Den größten einzelnen Beitrag zum Konzernergebnis liefert weiterhin die Rückversicherung. Sie steigerte diesen um sieben Prozent auf 709 Millionen Euro. Das operative Ergebnis wuchs um zehn Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Besonders stark entwickelte sich die Schaden-Rückversicherung. Obwohl der Versicherungsumsatz währungskursbereinigt um vier Prozent zurückging, stieg das versicherungstechnische Ergebnis um 29 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Die Schaden-/Kostenquote verbesserte sich deutlich von 88,4 auf 83,2 Prozent. In der Personen-Rückversicherung wuchs der Versicherungsumsatz währungskursbereinigt um zwölf Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Das versicherungstechnische Ergebnis erreichte 478 Millionen Euro.
Neues Ziel: deutlich mehr als 2,7 Milliarden Euro
Nach sechs Monaten steht Talanx damit bereits bei knapp 1,5 Milliarden Euro Konzernergebnis. Die bisherige Prognose von ungefähr 2,7 Milliarden Euro reicht dem Vorstand deshalb nicht mehr aus. Für 2026 erwartet die Gruppe nun deutlich mehr als 2,7 Milliarden Euro. Einen konkreten neuen Zielwert nennt Talanx allerdings nicht. Die Prognose steht zudem unter den üblichen Vorbehalten: Größere Verwerfungen an Währungs- und Kapitalmärkten sowie Großschäden oberhalb der Erwartungen könnten die Entwicklung beeinträchtigen. Zusätzlich verweist Talanx ausdrücklich auf die derzeitige geopolitische und makroökonomische Unsicherheit.
Die wichtigsten Halbjahreszahlen von Talanx
- Versicherungsumsatz: 24,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 24,2 Milliarden Euro; währungsbereinigt +3 Prozent)
- Versicherungstechnisches Ergebnis: 2,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,6 Milliarden Euro; +15 Prozent)
- Operatives Ergebnis (EBIT): 3,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,9 Milliarden Euro; +11 Prozent)
- Konzernergebnis: 1,499 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,373 Milliarden Euro; +9 Prozent)
- Schaden-/Kostenquote: 88,7 Prozent (Vorjahr: 90,7 Prozent)
- Großschäden: 942 Millionen Euro (Vorjahr: 1,134 Milliarden Euro)
- Eigenkapitalrendite: 21,5 Prozent (Vorjahr: 23,4 Prozent)
- Solvency-2-Quote: 246 Prozent (Vorjahr: 224 Prozent)
- Neue Jahresprognose 2026: Konzernergebnis von deutlich mehr als 2,7 Milliarden Euro
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