Schwede kauft Leipziger Pool: Max Matthiessen übernimmt Mehrheit an Invers
Der Leipziger Maklerpool Invers bekommt einen neuen Mehrheitsgesellschafter. Vorbehaltlich der Freigabe durch das Bundeskartellamt übernimmt der schwedische Finanz- und Versicherungsmakler Max Matthiessen die Mehrheit. Für Invers soll der Einstieg vor allem eines ermöglichen: deutlich größere Bestandsübernahmen und Beteiligungen an Maklerunternehmen.
Bewegung im deutschen Maklermarkt: Der schwedische Finanz- und Versicherungsmakler Max Matthiessen will die Mehrheit an der Leipziger Invers-Gruppe übernehmen. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt.
Invers hat seine angebundenen Makler bereits vor der angekündigten öffentlichen Mitteilung über den Schritt informiert. Für sie soll sich operativ zunächst wenig ändern. Michael Buth bleibt Geschäftsführer, Cornelia Fentzahn, Kristin Rockendorf-Dillner und Mathias Weber bleiben als Prokuristen beziehungsweise Bereichsleiter Teil des Führungsteams. Auch Udo Rummelt sowie Mitglieder des Managements sollen weiterhin an der Invers GmbH beteiligt bleiben. Der Unternehmenssitz bleibt Leipzig. Ansprechpartner, Service-Center und bestehende Vereinbarungen sollen ebenfalls unverändert bleiben.
Invers will größere Maklerbestände übernehmen
Strategisch ist die Transaktion dagegen weit mehr als ein Gesellschafterwechsel. Invers begründet den Einstieg von Max Matthiessen ausdrücklich mit den Veränderungen im Maklermarkt und dem zunehmenden Bedarf an Nachfolgelösungen. Immer mehr Vermittler wollten ihren Bestand in andere Hände geben. Solche Bestandsübernahmen erforderten allerdings Kapital und erhebliche personelle Ressourcen, die ein mittelständischer Pool nur begrenzt bereitstellen könne.
Mit dem neuen Mehrheitsgesellschafter soll sich dieser Spielraum vergrößern. Nach der kartellrechtlichen Freigabe plant Invers nach eigenen Angaben, Bestände in bislang nicht möglichen Größenordnungen zu übernehmen. Zugleich soll deren technische Abwicklung beschleunigt werden. Noch einen Schritt weiter geht ein zweites angekündigtes Vorhaben: Invers will künftig auch Beteiligungen an Maklerpartnern ermöglichen, die ihr Unternehmen nicht abgeben, sondern weiterarbeiten möchten. Damit zielt die Transaktion unmittelbar auf eine der zentralen Veränderungen im Vermittlermarkt: die Nachfolgefrage in inhabergeführten Maklerunternehmen.
Max Matthiessen bringt Erfahrung mit Zukäufen mit
Der neue Mehrheitsgesellschafter ist selbst kein Versicherungsunternehmen. Max Matthiessen wurde 1889 gegründet und berät Unternehmen und Privatkunden in den Bereichen Altersversorgung, Versicherung und Investment. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Stockholm und ist neben Schweden auch in Dänemark und Norwegen vertreten. Nach Angaben des Eigentümers Nordic Capital beschäftigt die Gruppe inzwischen 855 Mitarbeiter und erzielte 2025 einen Umsatz von 205 Millionen Euro.
Bemerkenswert ist vor allem die bisherige Expansionsstrategie: Zwischen 2020 und 2024 hat Max Matthiessen nach Angaben von Nordic Capital 38 Unternehmen übernommen und damit seine Marktpräsenz erheblich ausgebaut. Gleichzeitig expandierte die Gruppe nach Dänemark und Norwegen.
Der Einstieg bei Invers fügt sich damit in eine bereits erprobte Akquisitionsstrategie ein. Welche weiteren Übernahmen oder Beteiligungen in Deutschland konkret geplant sind, geht aus der bisherigen Information von Invers allerdings nicht hervor.
Hinter Max Matthiessen stehen zwei Finanzinvestoren
Auch die Eigentümerstruktur des schwedischen Unternehmens ist für die Einordnung der Transaktion relevant. Max Matthiessen befindet sich seit April 2025 unter gemeinsamer Kontrolle von Nordic Capital und dem kanadischen Ontario Teachers’ Pension Plan.
Nordic Capital war bereits 2020 bei Max Matthiessen eingestiegen. Ende 2024 vereinbarte der Finanzinvestor gemeinsam mit Ontario Teachers’ eine neue Eigentümerstruktur. Die Transaktion wurde im April 2025 abgeschlossen. Beide Investoren erklärten damals ausdrücklich, das weitere internationale Wachstum von Max Matthiessen sowohl organisch als auch durch Übernahmen unterstützen zu wollen. Der Schritt nach Deutschland wäre damit zugleich Teil der internationalen Expansion des schwedischen Finanzdienstleisters.
Produktgeber-Unabhängigkeit soll bestehen bleiben
Für die angeschlossenen Vermittler betont Invers, dass die Unabhängigkeit von Produktgebern durch die neue Eigentümerstruktur nicht verändert werden soll. Max Matthiessen sei selbst als Makler tätig und vertreibe keine eigenen Versicherungsprodukte. Bis zur Entscheidung des Bundeskartellamts arbeiten Invers und Max Matthiessen nach Angaben des Leipziger Unternehmens weiterhin vollständig getrennt voneinander.
Gerade die Verbindung aus Kapital und Nachfolgelösungen macht die angekündigte Übernahme jedoch über Invers hinaus interessant. Im deutschen Maklermarkt wächst seit Jahren die Zahl der Unternehmen und Plattformen, die Maklerbestände übernehmen oder sich an Vermittlerbetrieben beteiligen.
Invers benennt nun ausdrücklich dasselbe Wachstumsfeld – und verbindet es mit einem neuen Mehrheitsgesellschafter, der bereits umfangreiche Erfahrung mit einer akquisitionsgetriebenen Expansion mitbringt.
Damit könnte aus dem Leipziger Maklerpool künftig ein deutlich aktiverer Akteur bei Bestandsnachfolge und Beteiligungen im deutschen Vermittlermarkt werden. Wie groß diese Ambitionen tatsächlich sind, dürfte sich allerdings erst nach der kartellrechtlichen Freigabe und den ersten Transaktionen zeigen.
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