Das Schweigen über Geld hat seinen Preis: Vielen Deutschen fehlt der finanzielle Notfallplan

Veröffentlichung: 23.06.2026, 13:06 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Was passiert, wenn morgen eine unerwartete Rechnung über 2.000 Euro ins Haus flattert? Die Antwort fällt vielen Deutschen schwer. Eine aktuelle Studie von Consors Finanz zeigt: Vier von fünf Menschen hätten in einer solchen Situation keinen klaren Plan. Gleichzeitig fehlt häufig der offene Austausch über Geld.

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Viele Deutsche beschäftigen sich nur ungern mit Geld. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass fehlende finanzielle Planung im Ernstfall teuer werden kann.Viele Deutsche beschäftigen sich nur ungern mit Geld. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass fehlende finanzielle Planung im Ernstfall teuer werden kann.Redaktion experten.de / KI-generiert

Die Deutschen gelten als vorsichtig und sparsam. Eine neue Studie von Consors Finanz zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Zwar kennen viele ihre finanzielle Situation grundsätzlich, doch bei konkreten Notfällen fehlt häufig die Vorbereitung.
Lediglich 21,4 Prozent der Befragten geben an, bei einem finanziellen Engpass sofort zu wissen, was zu tun wäre. Fast vier von fünf Menschen hätten dagegen keinen klaren Handlungsplan. Gleichzeitig verfügt weniger als die Hälfte über einen finanziellen Notgroschen.

Finanzielle Resilienz bleibt oft Theorie

Die Untersuchung macht deutlich, dass zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und konkreter Vorsorge eine erhebliche Lücke besteht. Zwar kennen 58 Prozent der Befragten ihre monatlichen Fixkosten. Einen finanziellen Puffer für unerwartete Ausgaben haben jedoch nur 40,9 Prozent aufgebaut. Noch geringer fällt das Vertrauen in die eigene Finanzkompetenz aus: Nur rund jeder Vierte traut sich finanzielle Entscheidungen wirklich zu. Die Folge: Viele Menschen reagieren erst dann auf finanzielle Herausforderungen, wenn diese bereits eingetreten sind.

Über Geld wird selten offen gesprochen

Besonders auffällig ist der Umgang mit Geld im sozialen Umfeld. Nur 30,2 Prozent sprechen offen über Kredite oder finanzielle Schwierigkeiten. Gleichzeitig empfinden 28,3 Prozent Scham, wenn sie einen Ratenkauf nutzen oder ihr Konto überziehen. Selbst in Partnerschaften bleibt das Thema häufig ausgeklammert. Nur rund ein Drittel der Befragten gibt an, finanzielle Entscheidungen gemeinsam zu treffen oder offen über die eigene finanzielle Situation zu sprechen. „Viele Menschen wissen, dass sie handeln sollten, und tun es trotzdem nicht. Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem“, sagt André Tintrop, Head of Business & Operations Steering bei Consors Finanz.

Fast jeder Zweite schiebt Finanzthemen auf

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Finanzielle Entscheidungen werden häufig vertagt. 13,7 Prozent der Befragten geben an, Themen wie Vorsorge oder Geldanlage regelmäßig aufzuschieben. Weitere 25,8 Prozent tun dies zumindest gelegentlich. Damit fehlt einem großen Teil der Bevölkerung nicht nur ein konkreter Notfallplan, sondern häufig auch die regelmäßige Beschäftigung mit den eigenen Finanzen.

Überraschung bei den Gutverdienern

Besonders bemerkenswert ist ein Ergebnis der Studie: Finanzielle Unvorbereitetheit beschränkt sich keineswegs auf Haushalte mit niedrigem Einkommen. Zwar verfügen Menschen mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1.000 Euro erwartungsgemäß seltener über Rücklagen. Doch selbst bei Haushalten mit mehr als 5.000 Euro Nettoeinkommen besitzt fast jeder Zweite keinen Notgroschen. Mehr als sieben von zehn Befragten dieser Einkommensgruppe hätten nach eigenen Angaben keinen klaren Plan für einen finanziellen Engpass. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass finanzielle Stabilität nicht allein vom Einkommen abhängt, sondern auch von Planung, Gewohnheiten und dem Umgang mit Geld.

Junge Menschen zwischen digitaler Kompetenz und Unsicherheit

Besonders stark belastet fühlen sich die 18- bis 29-Jährigen. Fast ein Drittel gibt an, unter seiner finanziellen Situation zu leiden. Gleichzeitig nutzt keine andere Altersgruppe digitale Finanzwerkzeuge so intensiv. Dennoch kennen nur 39,4 Prozent ihre monatlichen Fixkosten, und lediglich 28,1 Prozent verfügen über einen Notgroschen. Die Studie offenbart damit ein Spannungsfeld: Digitale Werkzeuge allein ersetzen offenbar keine finanzielle Orientierung. Interessant ist jedoch auch, dass junge Erwachsene Kredite häufiger als Investition in die eigene Zukunft betrachten. So würden sie deutlich häufiger als ältere Generationen Finanzierungen für Weiterbildung oder den Schritt in die Selbstständigkeit nutzen.

Dispokredit bleibt häufig die Notlösung

Wer finanziell nicht vorbereitet ist, greift im Ernstfall häufig auf den Dispokredit zurück. 7,7 Prozent der Bevölkerung nutzen ihn regelmäßig, bei den 30- bis 39-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 12,9 Prozent. Aus Sicht von Consors Finanz werden dabei häufig planbarere Alternativen übersehen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Kredite in Deutschland überwiegend für Konsum oder Immobilienfinanzierungen eingesetzt werden, während Investitionen in Bildung oder berufliche Entwicklung vergleichsweise selten sind.

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