Bestattungskosten steigen – doch viele Sterbegeldtarife schwächeln

Veröffentlichung: 28.05.2026, 13:05 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Bestattungen werden immer teurer, während familiäre Netzwerke kleiner werden. Gleichzeitig wächst der Markt für Sterbegeldversicherungen deutlich. Doch das erste Rating von Franke und Bornberg zeigt erhebliche Qualitätsunterschiede – kein einziger Tarif erreicht die Höchstnote.

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Sterbegeldversicherung im Test: Kein Tarif erreicht die HöchstwertungSterbegeldversicherung im Test: Kein Tarif erreicht die Höchstwertungcongerdesign / pixabay

Sterbegeldversicherungen galten lange als Nischenprodukt. Doch steigende Bestattungskosten, der demografische Wandel und wachsende Unsicherheit bei der finanziellen Absicherung im Todesfall sorgen für neue Dynamik im Markt. Das Analysehaus Franke und Bornberg hat nun erstmals Sterbegeldversicherungen mit einem eigenständigen Rating untersucht. Das Ergebnis fällt allerdings ernüchternd aus: Keiner der 59 analysierten Tarife erreicht die Höchstwertung FFF+ „hervorragend“.

Bestattungskosten steigen schneller als die Inflation

Der Hintergrund des wachsenden Interesses an Sterbegeldversicherungen ist klar: Bestattungen werden zunehmend teurer. Nach Angaben verschiedener Anbieter und Branchenquellen liegen die Kosten für eine klassische Bestattung inzwischen häufig zwischen 6.000 und deutlich über 10.000 Euro. Teilweise werden sogar Gesamtkosten von mehr als 20.000 Euro genannt – abhängig von Bestattungsart, Grabwahl und regionalen Gebühren. Allein 2024 stiegen die Preise für Bestattungsleistungen und Friedhofsgebühren um rund 4,6 Prozent und damit deutlich stärker als die allgemeine Inflation.
Hinzu kommt: Das staatliche Sterbegeld wurde bereits 2004 abgeschafft. Die finanzielle Vorsorge liegt seither vollständig bei den Bürgern.

Demografie erhöht den Druck zusätzlich

Parallel wächst die Zahl älterer Menschen in Deutschland deutlich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird die Zahl der Menschen im Rentenalter in den kommenden Jahren erheblich steigen. Auch die Gruppe der Hochbetagten wächst kontinuierlich. Damit steigt nicht nur die Zahl möglicher Leistungsfälle. Gleichzeitig verändern sich familiäre Strukturen: Familien werden kleiner, Angehörige wohnen oft weiter auseinander und organisatorische Aufgaben rund um Bestattungen werden komplexer.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Hinterbliebene finanziell und organisatorisch entlastet werden können.

Erstes Rating von Franke und Bornberg

Vor diesem Hintergrund hat Franke und Bornberg erstmals 59 Sterbegeldtarife von 30 Versicherern analysiert. Untersucht wurden dabei nicht nur klassische Leistungsmerkmale wie Wartezeiten, Leistungsausschlüsse oder Beitragsregelungen, sondern auch sogenannte Assistance-Leistungen. Dazu zählen etwa:

  • Bestattungsberatung,
  • digitale Nachlassverwaltung,
  • Unterstützung bei Organisation,
  • oder Überführungskosten aus dem Ausland.

„Die Sterbegeldversicherung ist ein Produkt, das gesellschaftlich gebraucht wird“, sagt Michael Franke, Gründer und Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH. „Umso wichtiger ist es, dass Verbraucher und Vermittler wissen, was die Tarife wirklich leisten – und was nicht.“

Kein Tarif erreicht die Höchstwertung

Das auffälligste Ergebnis: Kein einziger Tarif erreicht die Bestnote FFF+. Die Qualitätsunterschiede im Markt seien erheblich, insbesondere bei zusätzlichen Unterstützungsleistungen für Angehörige. „Assistance-Leistungen sind heute das wichtigste Differenzierungsmerkmal in diesem Segment – und gleichzeitig die größte Schwachstelle vieler Tarife“, erklärt Philipp Wedekind, Leiter Ratings Vorsorge und Nachhaltigkeit bei Franke und Bornberg. Gerade dort, wo Versicherer praktische Hilfe im Todesfall versprechen, zeigen sich laut Analyse häufig Lücken.

Versicherer reagieren auf gesellschaftlichen Wandel

Die Untersuchung zeigt zugleich, wie stark sich das Segment verändert. Sterbegeldversicherungen entwickeln sich zunehmend von einfachen Kapitalauszahlungsprodukten hin zu umfassenderen Service- und Vorsorgelösungen. Dabei gewinnen organisatorische Leistungen offenbar an Bedeutung. Denn für viele Angehörige steht im Todesfall nicht allein die Finanzierung im Mittelpunkt, sondern auch die Frage:
Wer unterstützt bei Formalitäten, Nachlass, Überführungen oder der konkreten Organisation?
Genau dort sieht Franke und Bornberg derzeit die größten Qualitätsdefizite im Markt.

Auch Vermittler dürften genauer hinschauen

Für Vermittler könnte das Thema ebenfalls an Bedeutung gewinnen. Denn steigende Bestattungskosten, Unsicherheit bei Hinterbliebenen und die wachsende Zahl älterer Kunden sorgen dafür, dass Sterbegeldversicherungen wieder stärker nachgefragt werden könnten. Gleichzeitig macht das Rating deutlich: Nicht allein die Versicherungssumme entscheidet über die Qualität eines Tarifs. Gerade Assistance- und Unterstützungsleistungen dürften künftig stärker in den Fokus von Beratung und Produktauswahl rücken.

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