bAV-Preis 2026: Altersvorsorge wird zur Personalstrategie
Von kapitalmarktnahen Pensionplänen bis zu Sozialpartnermodellen: Die Gewinner des Deutschen bAV-Preises 2026 stehen fest. Die ausgezeichneten Angebote zeigen, wie unterschiedlich Unternehmen betriebliche Altersversorgung heute denken.
Innovative Vorsorgemodelle aus Industrie, Sozialwirtschaft und Mittelstand sind beim Deutschen bAV-Preis 2026 ausgezeichnet worden. In der Kategorie „Großunternehmen“ gingen die Auszeichnungen an Dow Deutschland, die Schaeffler AG und die Commerzbank AG. Bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen überzeugten der AWO Bezirksverband Unterfranken, der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) sowie das Autohaus Eberhardt Flügel GmbH & Co. KG.
Die Preisverleihung fand am 17. März 2026 im Rahmen der Konferenz „Zukunftsmarkt Altersvorsorge“ in Berlin statt. Bereits zum 13. Mal wurden damit herausragende Projekte in der betrieblichen Altersversorgung gewürdigt.
bAV wird strategischer Bestandteil der Personalpolitik
Die ausgezeichneten Konzepte zeigen, dass betriebliche Altersversorgung zunehmend über ihre klassische Funktion hinausgeht. Neben der Absicherung im Alter wird sie immer stärker als Instrument der Mitarbeiterbindung und Teil eines umfassenden Financial-Wellbeing-Ansatzes verstanden. „Angesichts des demografischen Wandels wird die betriebliche Altersversorgung immer stärker zu einem zentralen Baustein moderner Personalpolitik“, erklärt Dr. Thomas Jasper, Head of Retirement für Westeuropa bei WTW. Gleichzeitig übernehmen Arbeitgeber damit eine wachsende sozialpolitische Verantwortung, indem sie zur finanziellen Stabilität ihrer Beschäftigten im Alter beitragen.
Großunternehmen setzen auf flexible und kapitalmarktorientierte Modelle
In der Kategorie „Großunternehmen“ wurde Dow Deutschland für ein einheitliches, modulares Versorgungssystem ausgezeichnet. Der sogenannte Dow Pension Plan kombiniert Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge mit Matching-Mechanismen, Opt-out-Regelungen und kapitalmarktorientierten Renditechancen. Auch die Schaeffler AG überzeugte mit einem modernen Pensionplan, der Kapitalmarktanlagen nutzt und flexible Auszahlungsoptionen ermöglicht. Besonders hervorgehoben wurde die Integration der Vitesco-Beschäftigten, bei der mehr als 70 Prozent der Berechtigten das Wechselangebot annahmen. Die Commerzbank wurde für ihr Kommunikationskonzept zur betrieblichen Altersversorgung ausgezeichnet. Mit Videos, interaktiven Formaten und verständlicher Sprache richtet sich das Angebot gezielt an junge Beschäftigte und soll frühzeitig Orientierung im komplexen Vorsorgesystem schaffen.
KMU zeigen Vielfalt – von Sozialpartnermodellen bis Branchenlösungen
Auch im Mittelstand zeigt sich eine zunehmende Differenzierung der bAV-Modelle. Den ersten Platz teilen sich der AWO Bezirksverband Unterfranken und der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen. Die AWO setzt auf ein Sozialpartnermodell mit reiner Beitragszusage, das vielen Beschäftigten erstmals eine arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung ermöglicht. Der WBO wiederum hat mit der „BusRente BW“ eine branchenweite Lösung geschaffen, die mehr als 8.000 Beschäftigte erreicht und als eines der ersten flächendeckenden Sozialpartnermodelle im Mittelstand gilt. Das Autohaus Eberhardt Flügel kombiniert Altersvorsorge mit einem Gesundheitsbudget und verbindet damit finanzielle Absicherung und Prävention in einem ganzheitlichen Ansatz.
bAV-Modelle werden breiter – und komplexer
Die Jury hebt hervor, dass sich die Vielfalt der eingereichten Projekte weiter erhöht hat: „Die Einreichungen verdeutlichen, wie kreativ Unternehmen heute die Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung nutzen, um attraktive und zugleich nachhaltige Lösungen für ihre Beschäftigten zu entwickeln.“ Zugleich zeigt sich, dass leistungsfähige Modelle nicht mehr auf Großunternehmen beschränkt sind: „Die ausgezeichneten Projekte zeigen, dass leistungsfähige bAV-Modelle in Unternehmen jeder Größe realisierbar sind“, betont Prof. Dr. Martin Werding von der Ruhr-Universität Bochum.
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