Arbeitskraftabsicherung: Arbeitgeber sollen Zugang zur BU erleichtern

Veröffentlichung: 11.03.2026, 10:03 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Steigende Fehlzeiten, zunehmende psychische Belastungen und wirtschaftliche Unsicherheiten erhöhen das Risiko von Einkommensausfällen im Erwerbsleben. Gleichzeitig bleibt die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit in Deutschland lückenhaft. Versicherer sehen daher zunehmend Arbeitgeber in der Rolle, den Zugang zur Arbeitskraftabsicherung zu erleichtern.

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Dr. Alexander Katzur, Leiter betriebliche Altersversorgung bei der Zurich Gruppe Deutschland und Vorstand Deutscher Pensionsfonds AGDr. Alexander Katzur, Leiter betriebliche Altersversorgung bei der Zurich Gruppe Deutschland und Vorstand Deutscher Pensionsfonds AGZurich

Arbeitskraftverlust bleibt zentrales Risiko

Der Verlust der Arbeitskraft zählt zu den größten finanziellen Risiken für Erwerbstätige. Krankenkassen und Rentenversicherung melden seit Jahren hohe Werte bei krankheitsbedingten Fehlzeiten sowie bei Erwerbsminderungsrenten. Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Absicherungslücke: Viele Beschäftigte verfügen über keine private Vorsorge gegen Einkommensausfälle durch Krankheit oder Invalidität. „Invalidität beziehungsweise Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit zählt zu den größten existenziellen Risiken – doch der Bedarf an Absicherung wird oft erst spät erkannt“, sagt Dr. Alexander Katzur, Leiter betriebliche Altersversorgung bei der Zurich Gruppe Deutschland und Vorstand der Deutscher Pensionsfonds AG. Besonders problematisch sei, dass eine private Absicherung häufig schwieriger werde, wenn bereits gesundheitliche Vorbelastungen bestehen oder umfangreiche Gesundheitsfragen erforderlich sind.

Viele Beschäftigte ohne ausreichende Absicherung

Die Absicherungslücke zeigt sich auch in aktuellen Umfragen. Einer Befragung von YouGov im Auftrag der Zurich Eurolife zufolge haben 31 Prozent der Arbeitnehmenden bereits Einkommensverluste aufgrund von Krankheit erlebt. Gleichzeitig verfügen viele Haushalte nur über begrenzte finanzielle Reserven. Die Hälfte der Beschäftigten gibt an, Rücklagen für weniger als sechs Monate zu haben, während 17 Prozent gar keine finanziellen Reserven besitzen. Trotz dieses Risikos sind laut Umfrage nur rund 24 Prozent der Beschäftigten gegen Invalidität abgesichert. Zudem beziehen derzeit etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente.

Arbeitgeber rücken stärker in den Fokus

Vor diesem Hintergrund sehen Versicherer zunehmend Arbeitgeber als wichtigen Zugangskanal zur Arbeitskraftabsicherung. Kollektive Lösungen über den Betrieb können den Zugang erleichtern, da Risiken über größere Gruppen verteilt werden und Gesundheitsprüfungen teilweise vereinfacht werden können. „Arbeitgeber können ihren Mitarbeitenden den Zugang zur wichtigen Absicherung erheblich erleichtern – und ihnen damit zugleich zeigen: Euer Wohl und das eurer Familien ist mir ein echtes Anliegen“, sagt Katzur. Solche Modelle könnten zudem zur finanziellen Stabilität von Haushalten beitragen und damit indirekt auch gesellschaftliche Risiken abfedern.

Kollektive Lösungen sollen Zugang erleichtern

Betriebliche Absicherungslösungen bündeln Risiken über größere Gruppen und ermöglichen dadurch vereinfachte Prozesse für Unternehmen und Beschäftigte. Arbeitgeber können entsprechende Angebote arbeitgeberfinanziert, arbeitnehmerfinanziert oder als Mischmodell organisieren. Typischerweise umfasst die Einführung solcher Modelle mehrere Schritte, etwa die Analyse des Absicherungsbedarfs, die Festlegung der Zielgruppen innerhalb der Belegschaft sowie die organisatorische Integration in HR-Prozesse. Versicherer bieten hierfür zunehmend standardisierte Konzepte an, die bereits für kleinere Unternehmen zugänglich sind.

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