BU-Stabilitätsrating 2026: Preiswettbewerb setzt Tarife unter Druck

Veröffentlichung: 21.04.2026, 06:04 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Das BU-Stabilitätsrating 2026 von Franke und Bornberg GmbH zeigt eine wachsende Spreizung im Markt. Während einige Versicherer stabile Strukturen vorweisen, geraten aggressive Kalkulationen zunehmend unter Druck.

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Im BU-Stabilitätsrating 2026 zeigt sich: Aggressive Kalkulationen können die langfristige Tragfähigkeit von Tarifen gefährden.Im BU-Stabilitätsrating 2026 zeigt sich: Aggressive Kalkulationen können die langfristige Tragfähigkeit von Tarifen gefährden.Redaktion experten.de / KI-generiert

Der Wettbewerb in der Berufsunfähigkeitsversicherung verschärft sich weiter – und zeigt zunehmend Auswirkungen auf die Kalkulation der Tarife. Das aktuelle BU-Stabilitätsrating 2026 im map-report der Franke und Bornberg GmbH verdeutlicht, dass sich der Abstand zwischen solide kalkulierten Angeboten und strukturellen Schwächen im Markt vergrößert.

Zentrale Ursache ist der anhaltende Preiswettbewerb. In vielen Fällen werden Beiträge deutlich unter den Durchschnittswerten kalkuliert, teilweise um mehr als 40 Prozent. Gleichzeitig werden Risikoprüfungen vereinfacht, etwa durch verkürzte Abfragezeiträume. Diese Entwicklung erhöht den Druck auf die langfristige Tragfähigkeit der Tarife. Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH und Herausgeber des map-report, ordnet die Entwicklung ein: „Ein Tarif, der heute im Vergleichsrechner glänzt, kann morgen im Bestand unter Druck geraten.“ Wer bei der Prämienkalkulation zu weit gehe, erkaufe sich Wachstum zulasten der Stabilität. „Gut ist wichtiger als günstig – das gilt in der BU mehr als in jedem anderen Produkt.“

Das Stabilitätsrating verfolgt bewusst einen anderen Ansatz als klassische Produktvergleiche. Insgesamt 1.850 Punkte verteilen sich auf die vier Bereiche Prämien, kalkulatorische Risiken, Stabilität und Finanzstärke. Bewertet wird nicht der aktuelle Preis, sondern ob Tarifgestaltung, Annahmepolitik und Unternehmenskennzahlen das Leistungsversprechen langfristig tragen können.

Zu den bestbewerteten Anbietern zählen unter anderem die NÜRNBERGER Lebensversicherung AG, die HDI Lebensversicherung AG und die ERGO Vorsorge Lebensversicherung AG, die im Unternehmensrating die Bestnote erreichen. Dahinter folgen unter anderem die Stuttgarter Lebensversicherung a. G. und die Generali Deutschland AG mit sehr guten Bewertungen.

Ein differenzierteres Bild zeigt sich bei den Detailbewertungen. In der Stabilität erreichen mehrere Versicherer die volle Punktzahl, darunter die Allianz Lebensversicherungs-AG, die Continentale Lebensversicherung AG sowie weitere große Anbieter. In der Finanzstärke setzt die Lebensversicherung von 1871 a. G. München Maßstäbe, während andere Gesellschaften deutlich niedrigere Werte erreichen.

Reinhard Klages, Analyst des map-report, hebt die Bedeutung der kalkulatorischen Details hervor: „Hohe Dynamiksätze, weit gefasste Nachversicherungen oder zu schlanke Gesundheitsfragen können im Vertrieb attraktiv wirken.“ In der Summe entscheide jedoch genau diese Ausgestaltung darüber, ob ein Tarif langfristig stabil bleibt oder anfällig für Anpassungen ist. Für Vermittler ergibt sich daraus eine veränderte Perspektive. Neben Leistungsumfang und Preis rücken zunehmend Faktoren wie Überschussstabilität, Annahmekriterien und Schadenentwicklung in den Fokus. Diese Kennzahlen liefern Hinweise darauf, ob ein Tarif auch langfristig tragfähig ist – oder ob spätere Anpassungen wahrscheinlich werden.

Die Ergebnisse des Ratings zeigen damit nicht nur Unterschiede zwischen einzelnen Anbietern, sondern auch strukturelle Spannungen im Markt. Während ein dichtes Mittelfeld eng beieinanderliegt, entscheiden häufig einzelne Teilbereiche über die Platzierung. Gleichzeitig bleiben einige Anbieter aufgrund unzureichender Datenbasis oder geringer Bestandsgrößen ohne Bewertung.

Die Analyse macht deutlich, dass Stabilität in der Berufsunfähigkeitsversicherung zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird. Fehler in Kalkulation oder Risikoprüfung zeigen sich nicht kurzfristig, sondern oft erst Jahre später – mit entsprechenden Auswirkungen auf Bestände und Kunden.

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