BU-Rating 2026: Warum günstige Tarife zum Risiko werden können
Das Rating zur Berufsunfähigkeitsversicherung wurde von Franke und Bornberg überarbeitet. Neben Leistungen rücken zunehmend Stabilität und Nachhaltigkeit der Anbieter in den Fokus. Wie die Analysten das begründen und welche Auswirkungen auf die Bewertung.
Die Franke und Bornberg GmbH hat ihr BU-Rating für 2026 überarbeitet und dabei den Bewertungsmaßstab verschoben. Neben klassischen Kriterien wie Leistungsumfang und Bedingungen gewinnen insbesondere Stabilität und Nachhaltigkeit an Gewicht. Hintergrund ist ein Markt, der zunehmend unter Preisdruck steht. In der Berufsunfähigkeitsversicherung konkurrieren Anbieter seit Jahren über den Preis. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Leistungen, Flexibilität und Zielgruppenansprache. Daraus entsteht ein Spannungsfeld: Je günstiger Tarife kalkuliert werden, desto stärker rückt die Frage in den Vordergrund, ob diese Kalkulation langfristig tragfähig ist.
Im Editorial zur überarbeiteten Bewertungsrichtlinie heißt es dazu: 2009 startete eine neue Dimension des Preiswettbewerbs. Immer granularere Berufsgruppen führten zu niedrigen Prämien für vermeintlich „gute Berufe“, während körperlich Tätige kaum noch bezahlbaren BU-Schutz finden. Das Paradoxe: Trotz mehr Leistungsversprechen und schlanker werdender Risikoprüfung fallen die Prämien weiter. Nachversicherungsgarantien und AUBausteine wachsen, während Arztberichte seltener angefordert und Abfragezeiträume verkürzt werden. Läuft der Wettbewerb aus dem Ruder, kommen Überschüsse unter Druck und bei der Leistungsregulierung wird auf die Bremse getreten. Am Ende verlieren die Kunden.
Genau hier setzt das aktualisierte Rating an. Künftig wird stärker bewertet, ob Versicherer ihre Leistungsversprechen auch über lange Zeiträume hinweg erfüllen können. In die Analyse fließen unter anderem Annahmerichtlinien, Tarifpolitik und unternehmensseitige Kennzahlen ein. Ziel ist es, die Stabilität eines Tarifs nicht nur rückblickend, sondern auch mit Blick auf die Zukunft einzuordnen. Für Vermittler verändert sich damit die Perspektive. Während in der Vergangenheit häufig der Leistungsumfang im Vordergrund stand, rückt nun stärker die Frage in den Fokus, wie belastbar ein Tarif über die gesamte Vertragslaufzeit ist. Ein günstiger Beitrag allein wird damit weniger aussagekräftig.
Parallel dazu erweitert Franke und Bornberg den Bewertungsrahmen um Nachhaltigkeitsaspekte. Diese betreffen sowohl die Unternehmen selbst als auch die Ausgestaltung der Produkte. Damit wird ein weiterer Faktor in die Bewertung integriert, der über klassische Leistungsmerkmale hinausgeht. Die Anpassungen führen insgesamt zu einer differenzierteren Betrachtung des Marktes. Tarife mit sehr guten Bedingungen erreichen weiterhin hohe Bewertungen. Gleichzeitig wird deutlicher zwischen kurzfristig attraktiven Angeboten und langfristig stabilen Lösungen unterschieden.
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