Berufsunfähigkeit: Leistungsdauer liegt im Schnitt bei fast acht Jahren
Eine Auswertung der Zurich Gruppe Deutschland zeigt: Berufsunfähigkeit dauert im Leistungsfall durchschnittlich 93 Monate. Neben der langen Bezugsdauer rücken auch Ursachen, betroffene Berufsgruppen und die Höhe der Absicherung in den Fokus.
Berufsunfähigkeit ist für viele Betroffene kein kurzfristiges Ereignis, sondern ein langfristiger Einschnitt. Nach aktuellen Daten der Zurich Gruppe Deutschland liegt die durchschnittliche Dauer eines BU-Leistungsfalls bei 93 Monaten – das entspricht nahezu acht Jahren. Die Zahlen verdeutlichen, dass Berufsunfähigkeit häufig mit tiefgreifenden Veränderungen im Alltag und in der Lebensplanung einhergeht.
Andreas Runkler, Bereichsleiter Produktentwicklung Leben bei der Zurich Gruppe Deutschland, beschreibt die Auswirkungen: „Wer jahrelang nicht arbeiten kann, muss sein Leben komplett neu organisieren – finanziell, beruflich und privat.“ Für viele Betroffene gehe es dabei um grundlegende Fragen der Existenzsicherung ebenso wie um die eigene Rolle im sozialen und beruflichen Umfeld.
Die Auswertung zeigt zudem, dass Berufsunfähigkeit nicht auf körperlich belastende Berufe beschränkt ist. Besonders häufig treten Leistungsfälle laut Zurich bei Beschäftigten im medizinischen Bereich, im kaufmännischen Umfeld sowie bei pädagogischen Fachkräften auf. Runkler ordnet diese Entwicklung so ein: „Es sind Berufe mit hoher Verantwortung, ständigem Zeitdruck und einer großen emotionalen Beanspruchung.“
Ein zentraler Treiber bleibt dabei unverändert: psychische Erkrankungen. „Der Haupttreiber von Berufsunfähigkeit ist die Psyche“, betont Runkler. Rund 30 Prozent der BU-Fälle entfallen seit Jahren auf psychische Erkrankungen. Dahinter folgen Krebserkrankungen sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates mit jeweils etwa 20 Prozent. Größere Verschiebungen in der Ursachenstruktur seien in den vergangenen Jahren nicht zu beobachten.
Neben der Dauer der Leistungsfälle rückt auch die finanzielle Absicherung in den Blick. Im Jahr 2025 zahlte Zurich im Durchschnitt rund 900 Euro BU-Rente pro Monat aus. „Für ein auskömmliches Leben reicht dieser Betrag in vielen Fällen nicht – insbesondere dann nicht, wenn Berufsunfähigkeit über Jahre andauert“, weiß Runkler.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die angemessene Höhe der Absicherung an Bedeutung. „Nach Gehaltserhöhungen oder beruflichen Veränderungen sollte die Absicherung angepasst werden. Die BU-Rente muss zu den individuellen finanziellen Anforderungen passen.“ Als Orientierung gilt bei Arbeitnehmern eine Absicherung von bis zu 60 Prozent des Bruttoeinkommens beziehungsweise etwa 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens. Bei Selbstständigen wird häufig ein Anteil von rund 60 Prozent des Gewinns vor Steuern als Richtwert herangezogen.
Berufsunfähigkeit bedeutet jedoch nicht zwangsläufig einen dauerhaften Ausstieg aus dem Erwerbsleben. „Berufsunfähigkeit muss nicht das endgültige Aus für das Arbeitsleben bedeuten“, so Runkler. Durch Rehabilitationsmaßnahmen, angepasste Tätigkeiten oder eine schrittweise Wiedereingliederung könnten viele Betroffene Perspektiven für eine Rückkehr entwickeln.
Neben der finanziellen Leistung setzt der Versicherer auf begleitende Unterstützungsangebote. Im Rahmen eines internen Case Managements werden Versicherte nach schweren Erkrankungen oder Unfällen begleitet. Andreas Runkler, Bereichsleiter Produktentwicklung Leben bei der Zurich Gruppe Deutschland, erklärt: „Wir wollen helfen, den Übergang in einen neuen Alltag zu erleichtern.“ Ziel sei es, durch individuelle Beratung und Gesundheitsangebote das körperliche, geistige und soziale Wohlbefinden zu fördern.
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