ERGO: Sozialer Rahmen trifft auf massiven Stellenabbau

Veröffentlichung: 19.02.2026, 08:02 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Während ERGO und ver.di einen Sozialen Ordnungsrahmen bis 2030 vereinbart haben, plant der Versicherer parallel einen tiefgreifenden Personalumbau. Bis Ende des Jahrzehnts sollen in Deutschland bis zu 1.000 Arbeitsplätze wegfallen – trotz Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und flankierender Qualifizierungsmaßnahmen.

(PDF)
von rechts nach links: Dr. Oliver Willmes, Vorstandsvorsitzender der ERGO Deutschland AG, Dr. Lena Lindemann, Arbeitsdirektorin und Mitglied des Vorstands der ERGO Group AG, Deniz Kuyubasi, ver.di Verhandlungsführerin, Martina Grundler, Bundesfachgruppenleiterin Versicherungen ver.di.von rechts nach links: Dr. Oliver Willmes, Vorstandsvorsitzender der ERGO Deutschland AG, Dr. Lena Lindemann, Arbeitsdirektorin und Mitglied des Vorstands der ERGO Group AG, Deniz Kuyubasi, ver.di Verhandlungsführerin, Martina Grundler, Bundesfachgruppenleiterin Versicherungen ver.di.ERGO Group

Sozialer Ordnungsrahmen als Antwort auf Transformation

Die Unternehmensleitung der ERGO Group und die Gewerkschaft ver.di haben am 18. Februar 2026 einen neuen Sozialen Ordnungsrahmen unterzeichnet, der bis Ende 2030 gelten soll. Die Vereinbarung enthält – wie schon die bisherigen Rahmenverträge – einen Verzicht auf betriebsbedingte Beendigungskündigungen, einen weitreichenden Standortschutz für zahlreiche Verwaltungsstandorte und ein klares Bekenntnis zu Ausbildung und Qualifizierung der Belegschaft.

„Mit unserem dritten Strategieprogramm verfolgen wir erneut ambitionierte Ziele. Dafür bedarf es sowohl Investitionen in neue Technologien und Wachstum als auch Sicherheit, Transparenz und Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Dr. Oliver Willmes, Vorstandsvorsitzender der ERGO Deutschland AG.

Dr. Lena Lindemann, Arbeitsdirektorin und Vorstandsmitglied der ERGO Group AG, ergänzt: „Gemeinsam mit ver.di und dem Konzernbetriebsrat schaffen wir die Grundlage für eine erfolgreiche, zukunftsorientierte Transformation und gehen auch weiterhin einen verantwortungsbewussten Weg, der von hohen sozialen Standards geprägt ist.“

Geplanter Stellenabbau trotz sozialer Leitplanken

Die Einigung fällt in eine Phase tiefgreifender organisatorischer Veränderungen. Nach Angaben von Branchenmedien plant ERGO in Deutschland bis Ende 2030 insgesamt rund 1.000 Stellen abzubauen – etwa 200 jährlich. Dies wurde im Rahmen eines Interessenausgleichs mit Arbeitnehmervertretern vereinbart. Betriebsbedingte Kündigungen bleiben demnach bis dahin ausgeschlossen; stattdessen sollen Abbauprogramme über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und Abfindungen erfolgen.

Der geplante Personalabbau ist Teil des strategischen Transformationsprogramms im Konzernverbund mit dem Mutterhaus Munich Re. Unter anderem soll der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu Effizienzgewinnen führen, was wiederum wiederkehrende, standardisierte Tätigkeiten überflüssig machen könnte.

Reskilling und Qualifizierung als Brücke

Im neuen Sozialrahmen spielt Qualifizierung eine zentrale Rolle: ERGO will unter anderem eine eigene Reskilling Academy aufbauen, um Beschäftigte für neue Aufgabenfelder zu befähigen. Digitale, sprachliche und interkulturelle Kompetenzen sollen gestärkt werden, und die Ausbildung an Verwaltungsstandorten sowie im Vertrieb bleibt Teil der Personalstrategie.

Zusätzlich vereinbart der Ordnungsrahmen einen Standortschutz für Verwaltungs- und Serviceeinheiten in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Mannheim, München und Nürnberg sowie die Regionaldirektionen der Ausschließlichkeitsorganisation. Betriebsbedingte Beendigungskündigungen sind bis mindestens Ende 2030 ausgeschlossen.

Gewerkschaftliche Einordnung

Auch ver.di sieht im neuen Rahmen wichtige soziale Leitplanken für Beschäftigte im Versicherungsbereich. „Es ist uns in konstruktiven Verhandlungen gelungen, soziale Leitplanken in einem neuen Tarifvertrag zu vereinbaren. Damit schaffen wir in Zeiten der Transformation Sicherheit, Transparenz und verlässliche Perspektiven für die Beschäftigten“, sagt Deniz Kuyubasi, ver.di Verhandlungsführerin. Gleichzeitig kritisieren Gewerkschaftsvertreter den Personalabbau als Belastung für Beschäftigte, auch wenn betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Arbeitgeberverband (AGV) und Gewerkschaften ver.di und DBV haben sich auf einen neuen Tarifvertrag für die rund 183.000 Beschäftigten im Innendienst der Versicherungswirtschaft verständigt (Symbolbild).Arbeitgeberverband (AGV) und Gewerkschaften ver.di und DBV haben sich auf einen neuen Tarifvertrag für die rund 183.000 Beschäftigten im Innendienst der Versicherungswirtschaft verständigt (Symbolbild).DALL-E
Assekuranz

Versicherungsbranche: Tarifabschluss bringt deutliche Lohnerhöhungen

Die Gehälter im Versicherungsinnendienst steigen deutlich – vor allem in den unteren Entgeltgruppen. Auch Azubis profitieren. Der neue Tarifvertrag läuft über 26 Monate und bringt zahlreiche zusätzliche Regelungen.
Die ERGO Group AG hat die Übernahme von NEXT Insurance erfolgreich abgeschlossen.Die ERGO Group AG hat die Übernahme von NEXT Insurance erfolgreich abgeschlossen.DALL-E
Unternehmen

US-Markt im Visier: ERGO übernimmt NEXT Insurance komplett

Mit der vollständigen Übernahme des US-Versicherers NEXT Insurance wagt ERGO einen strategischen Vorstoß in den weltweit größten Versicherungsmarkt. Was hinter der Expansion steckt – und welche Rolle Technologie dabei spielt.
Getsafe-Gründer und CEO Christian WiensGetsafe-Gründer und CEO Christian WiensGetsafe
Unternehmen

Getsafe gibt Lizenz ab: „Versicherung bauen wir neu – mit KI“

Vom lizenzierten Versicherer zum KI-getriebenen Plattformanbieter: Getsafe kehrt dem Lizenzmodell den Rücken und setzt ganz auf intelligente Skalierung per MGA-Modell. Warum das Heidelberger Insurtech auf KI statt Kapital setzt.
Assekuranz

Verhärtete Fronten und neue Streikwelle: Versicherungsbranche vor einem heißen Juni

Die Tarifverhandlungen in der Versicherungswirtschaft sind gescheitert, die Fronten verhärtet – ver.di setzt auf gezielte Streikaktionen. Was hinter dem Abbruch der Gespräche steckt, wie sich die Lager positionieren und warum sich der Konflikt zum Grundsatzstreit entwickelt.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht