ERGO: Sozialer Rahmen trifft auf massiven Stellenabbau
Während ERGO und ver.di einen Sozialen Ordnungsrahmen bis 2030 vereinbart haben, plant der Versicherer parallel einen tiefgreifenden Personalumbau. Bis Ende des Jahrzehnts sollen in Deutschland bis zu 1.000 Arbeitsplätze wegfallen – trotz Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und flankierender Qualifizierungsmaßnahmen.
Sozialer Ordnungsrahmen als Antwort auf Transformation
Die Unternehmensleitung der ERGO Group und die Gewerkschaft ver.di haben am 18. Februar 2026 einen neuen Sozialen Ordnungsrahmen unterzeichnet, der bis Ende 2030 gelten soll. Die Vereinbarung enthält – wie schon die bisherigen Rahmenverträge – einen Verzicht auf betriebsbedingte Beendigungskündigungen, einen weitreichenden Standortschutz für zahlreiche Verwaltungsstandorte und ein klares Bekenntnis zu Ausbildung und Qualifizierung der Belegschaft.
„Mit unserem dritten Strategieprogramm verfolgen wir erneut ambitionierte Ziele. Dafür bedarf es sowohl Investitionen in neue Technologien und Wachstum als auch Sicherheit, Transparenz und Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Dr. Oliver Willmes, Vorstandsvorsitzender der ERGO Deutschland AG.
Dr. Lena Lindemann, Arbeitsdirektorin und Vorstandsmitglied der ERGO Group AG, ergänzt: „Gemeinsam mit ver.di und dem Konzernbetriebsrat schaffen wir die Grundlage für eine erfolgreiche, zukunftsorientierte Transformation und gehen auch weiterhin einen verantwortungsbewussten Weg, der von hohen sozialen Standards geprägt ist.“
Geplanter Stellenabbau trotz sozialer Leitplanken
Die Einigung fällt in eine Phase tiefgreifender organisatorischer Veränderungen. Nach Angaben von Branchenmedien plant ERGO in Deutschland bis Ende 2030 insgesamt rund 1.000 Stellen abzubauen – etwa 200 jährlich. Dies wurde im Rahmen eines Interessenausgleichs mit Arbeitnehmervertretern vereinbart. Betriebsbedingte Kündigungen bleiben demnach bis dahin ausgeschlossen; stattdessen sollen Abbauprogramme über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und Abfindungen erfolgen.
Der geplante Personalabbau ist Teil des strategischen Transformationsprogramms im Konzernverbund mit dem Mutterhaus Munich Re. Unter anderem soll der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu Effizienzgewinnen führen, was wiederum wiederkehrende, standardisierte Tätigkeiten überflüssig machen könnte.
Reskilling und Qualifizierung als Brücke
Im neuen Sozialrahmen spielt Qualifizierung eine zentrale Rolle: ERGO will unter anderem eine eigene Reskilling Academy aufbauen, um Beschäftigte für neue Aufgabenfelder zu befähigen. Digitale, sprachliche und interkulturelle Kompetenzen sollen gestärkt werden, und die Ausbildung an Verwaltungsstandorten sowie im Vertrieb bleibt Teil der Personalstrategie.
Zusätzlich vereinbart der Ordnungsrahmen einen Standortschutz für Verwaltungs- und Serviceeinheiten in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Mannheim, München und Nürnberg sowie die Regionaldirektionen der Ausschließlichkeitsorganisation. Betriebsbedingte Beendigungskündigungen sind bis mindestens Ende 2030 ausgeschlossen.
Gewerkschaftliche Einordnung
Auch ver.di sieht im neuen Rahmen wichtige soziale Leitplanken für Beschäftigte im Versicherungsbereich. „Es ist uns in konstruktiven Verhandlungen gelungen, soziale Leitplanken in einem neuen Tarifvertrag zu vereinbaren. Damit schaffen wir in Zeiten der Transformation Sicherheit, Transparenz und verlässliche Perspektiven für die Beschäftigten“, sagt Deniz Kuyubasi, ver.di Verhandlungsführerin. Gleichzeitig kritisieren Gewerkschaftsvertreter den Personalabbau als Belastung für Beschäftigte, auch wenn betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind.
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