Die Aktienrisikoprämie ist negativ – ein seltenes Marktphänomen. Gleichzeitig bleibt das makroökonomische Umfeld für Wachstumswerte günstig. Benoit Anne, Anleihe-Experte bei MFS Investment Management, erklärt, warum sich die Argumente für Anleihen und Aktien derzeit überlagern und welche Rolle Multi-Asset-Portfolios in dieser Situation spielen.
Die Finanzmärkte senden 2025 gemischte Signale: Einerseits sprechen Bewertungen und Risikoprämien klar für Anleihen. Andererseits deuten makroökonomische Trends und technologische Entwicklungen eher auf eine stärkere Rolle von Aktien hin. Benoit Anne ordnet dieses Spannungsfeld ein – und macht deutlich, dass einfache Antworten derzeit kaum zu finden sind.
Warum Anleihen wieder attraktiver wirken
Anne beschreibt einen zentralen Befund: „Es spricht aktuell viel für Anleihen. So liegt zum Beispiel die Gewinnrendite des S&P unter der von US-Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Die Aktienrisikoprämie ist negativ – selbst wenn man die Renditen von US-Staatsanleihen anstelle von US-Investment-Grade-Anleihen heranzieht.“ Für den Experten ist das Thema Risikomanagement entscheidend. Höhere Volatilität an den Aktienmärkten und eine weiterhin unsichere geopolitische Lage führen dazu, dass festverzinsliche Wertpapiere in Multi-Asset-Portfolios wieder stärker ins Zentrum rücken. „Angesichts des höheren Marktrisikos auf der Aktienseite ist es sinnvoll, sich eher auf festverzinsliche Wertpapiere zu konzentrieren, um die Volatilität und das Gesamtrisiko des Portfolios zu steuern.“ Dass selbst US-Treasuries gegenüber US-Aktien aktuell eine bessere Risikoprämie aufweisen, unterstreicht die besondere Marktkonstellation.
Gleichzeitig sprechen wichtige Faktoren für Aktien
Doch Anne betont ebenso deutlich: „Gleichzeitig spricht Vieles für ein Investment in Aktien.“ Dafür nennt er zwei wesentliche Gründe:
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Robustes makroökonomisches Umfeld
Die US-Wirtschaft zeigt sich weiterhin widerstandsfähig und stützt risikoreichere Anlagen. -
Möglicher Produktivitätsschub durch KI
„Außerdem könnte der mit KI verbundene technologische Fortschritt durchaus zu einem kleinen Produktivitätswunder führen.“ Das würde insbesondere Wachstumswerte langfristig begünstigen.
Anne verweist darauf, dass der Marktblick oft zu stark auf Mega-Caps gerichtet ist – während es daneben viele weitere „attraktive Chancen in einigen Segmenten des breiteren Marktes“ gebe.
Bewertungen: Warum die Risikoprämie kippt
Die zentrale Beobachtung des Experten: Die Gewinnrendite des S&P 500 liegt unter den Renditen von US-Investment-Grade-Unternehmensanleihen – ein Verhältnis, das historisch eher selten vorkommt. Selbst beim Vergleich mit US-Staatsanleihen wird die Aktienrisikoprämie negativ. Das bedeutet: Aktien werden bewertet, als wären sie risikoärmer als die entsprechenden Anleiherenditen – obwohl das tatsächliche Marktrisiko eindeutig höher liegt. Das sorgt für eine Verschiebung in Multi-Asset-Modellen, die klassisch davon ausgehen, dass Aktien für ihr höheres Risiko langfristig auch besser entlohnt werden.
Multi-Asset-Portfolios: Es geht nicht um entweder–oder
Anne stellt klar, dass kein reiner Favorit existiert: „Wir werden oft gefragt: Gewichten wir Anleihen oder Aktien stärker in unserem Multi-Asset-Portfolio? Darauf gibt es keine eindeutige Antwort.“ Am Ende sei es keine Frage von Schwarz oder Weiß: „Letztendlich geht es natürlich nicht um Aktien oder Anleihen, sondern um beides, da jede dieser Anlageklassen in Multi-Asset-Portfolios ihren Zweck erfüllt.“
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