Beginnt ein neuer Zyklus am Aktienmarkt?
Ein neuer Aktienzyklus könnte bevorstehen: Niedrige Zinsen, expansive Fiskalpolitik und Investitionen in KI schaffen die Grundlage für eine längere Rallye an den Märkten. Welche Chancen und Risiken das birgt, erläutert Benoit Anne, Anleiheexperte bei MFS Investment Management, im Gastbeitrag.
Die Aktienmärkte könnten rund um den Globus vor einer längeren Rallye stehen. Politische Entscheidungsträger weltweit setzen in beispiellosem Umfang Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur um. Gleichzeitig lockern überall die Notenbanken in historischem Ausmaß ihre Geldpolitik. Auch die Fed hat sich letzte Woche diesem Trend angeschlossen – weitere Zinssenkungen dürften bevorstehen.
In der Regel treiben diese geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen, mit denen die Konjunktur heiß laufen kann, die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) in die Höhe, was weiteres Kurspotenzial suggeriert. Die staatliche Haushaltspolitik ergänzt diese Lockerung noch. Trotz bereits hoher Defizite weiten wichtige Volkswirtschaften wie die USA, die EU, Japan und China ihre Ausgaben aus. In Europa führt Deutschland den Fiskalrausch an, in Asien bereiten Japan und China neue Konjunkturimpulse vor. In den USA treibt die Regierung die Deregulierung voran und sorgt mit dem Steuergesetz One Big Beautiful Bill Act für zusätzliche Wachstumsimpulse.
Die Kombination aus lockerer Politik, technologischer Innovation im Bereich KI und steigenden Unternehmensinvestitionen könnte die Voraussetzungen für einen Boom an den Aktienmärkten schaffen. Anleger sollten jedoch wachsam bleiben, da dies schließlich zu einer Blasendynamik führen kann – denn Blasen bilden sich gerade dann häufig, wenn die drei genannten Faktoren zusammenkommen. Eine Rally kann zwar lange anhalten, führt jedoch oft zu übermäßiger Spekulation. Wenn die Notenbanken daraufhin ihre Geldpolitik umkehren, löst das typischerweise eine Korrektur aus.
Der neue Zyklus steht möglicherweise gerade erst am Anfang. Anleger sollten sich unserer Meinung nach auf Neubewertungen in den nächsten 12 Monaten einstellen, langfristig jedoch vorsichtig gegenüber spekulativen Exzessen bleiben.
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