Unicredit legt Angebot für Commerzbank vor
Die italienische Großbank Unicredit hat ihr Übernahmeangebot für die Commerzbank konkretisiert und zugleich die finanzielle Grundlage dafür geschaffen. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten 99,55 Prozent des vertretenen Kapitals der Ausgabe von bis zu 470 Millionen neuen Aktien zu. Diese sollen für das Umtauschangebot verwendet werden.
Unicredit bietet 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Aktie. Die Annahmefrist läuft zunächst bis zum 16. Juni und kann bis zum 3. Juli verlängert werden. Auf Basis eines Unicredit-Kurses von rund 67 Euro ergibt sich ein rechnerischer Angebotspreis von etwa 32,50 Euro – und damit ein Wert unterhalb des aktuellen Börsenkurses der Commerzbank von rund 35 Euro.
Kapitalbasis steht, Angebot unter Marktpreis
Die Kapitalerhöhung ist Voraussetzung für die Transaktion. Ohne die neuen Aktien ließe sich das Umtauschverhältnis nicht umsetzen. Das Angebot ist damit unmittelbar an die eigene Aktienbewertung gekoppelt.
Der rechnerische Preis bewegt sich nahe an regulatorischen Vorgaben, bleibt aber unter dem aktuellen Marktwert. Effekte wie Dividenden sind in dieser Betrachtung nicht berücksichtigt.
Regulatorischer Rahmen und langer Zeithorizont
Das Angebot unterliegt umfangreichen Genehmigungen. Neben kartellrechtlichen Freigaben in der EU, den USA und Serbien sind investitionsrechtliche Prüfungen sowie Zustimmungen mehrerer Aufsichtsbehörden erforderlich, darunter die Europäische Zentralbank. Ein Abschluss wird erst im Jahr 2027 erwartet.
Unicredit hält bereits knapp 30 Prozent der Anteile an der Commerzbank. Ab dieser Schwelle greifen zusätzliche regulatorische Verpflichtungen, insbesondere ein Pflichtangebot an alle Aktionäre.
Commerzbank stellt Geschäftsmodell in den Mittelpunkt
Der Widerstand aus Frankfurt richtet sich weniger gegen den formalen Ablauf als gegen die inhaltliche Ausrichtung der Transaktion. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Michael Kotzbauer warnt im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Pläne von Unicredit würden „die Bank, wie sie heute für ihre Kunden funktioniert, zerlegen“. Zudem enthalte das Angebot „keine Prämie“ für die Aktionäre.
Im Zentrum der Argumentation steht das Firmenkundengeschäft. Die Commerzbank verweist auf ihr internationales Netzwerk für den Mittelstand, das einen wesentlichen Teil der Erträge trägt. Dieses Modell sei auf langfristige Kundenbeziehungen und grenzüberschreitende Begleitung ausgelegt.
Streit um Bewertung und Struktur
Neben dem Geschäftsmodell kritisiert die Commerzbank die ökonomische Ausgestaltung des Angebots. Das Umtauschverhältnis führe dazu, dass Aktionäre ihre Anteile rechnerisch unter dem aktuellen Börsenkurs tauschen müssten.
Zugleich verweist das Institut auf strukturelle Grenzen europäischer Bankenfusionen. Fehlende Elemente der Bankenunion – etwa eine gemeinsame Einlagensicherung – erschweren grenzüberschreitende Integration. Eine Übernahme ändere daran nichts.
Mehr als eine Preisfrage
Der Konflikt entwickelt sich damit entlang mehrerer Linien. Neben der Bewertung des Angebots geht es um die künftige Ausrichtung des Geschäfts, die Rolle der Bank im Mittelstand sowie die Einbindung von Kunden und Mitarbeitern.
Für den Ausgang der Transaktion ist damit nicht allein entscheidend, ob das Angebot angenommen wird. Maßgeblich ist, ob sich die Positionen von Großaktionär, Management und weiteren Anspruchsgruppen annähern.
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