Zwei Jahre nach dem 7. Oktober: Terror, Trauma und wirtschaftliche Folgen

Veröffentlichung: 07.10.2025, 11:10 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Zwei Jahre nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel bleibt der 7. Oktober 2023 eine tiefe Zäsur – menschlich, politisch und wirtschaftlich. Mehr als 1.200 Menschen kamen ums Leben, Hunderte wurden verschleppt, viele gelten bis heute als vermisst. Auch die mittelbaren Folgen reichen weit: für Familien der Opfer, für die Bevölkerung im Gazastreifen und für eine Versicherungswirtschaft, die seither mit neuen geopolitischen Risiken konfrontiert ist.

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Raketenangriffe im Norden Israels: Zehntausende Menschen mussten evakuiert werden (Symbolbild).Raketenangriffe im Norden Israels: Zehntausende Menschen mussten evakuiert werden (Symbolbild).DALL-E

Der Mensch im Mittelpunkt

Der Angriff der Hamas auf Israel traf vor allem Zivilisten – Kinder, Familien, Rentner. Für die Angehörigen der Getöteten und Geiseln ist der Schmerz auch zwei Jahre später kaum fassbar. Die Gewalt zerstörte Leben, Existenzen und Vertrauen – in Israel ebenso wie in Gaza, wo die militärischen Gegenschläge unzählige weitere Opfer forderten.
Versicherungen können menschliches Leid nicht kompensieren, aber sie halfen dabei, wirtschaftliche Schäden aufzufangen. In Israel unterstützten Versicherer den Wiederaufbau von Wohnungen, Betrieben und öffentlicher Infrastruktur, oftmals in enger Kooperation mit staatlichen Rückversicherungsfonds.

Staatliche Rückversicherung als Krisenpuffer

Israel verfügt über eine staatlich gestützte Rückversicherungslösung, die große Teile der Konfliktverluste abfängt. Ohne solche Mechanismen wären viele Schäden nach den Angriffen – insbesondere an Gebäuden und Unternehmen – kaum regulierbar gewesen.
Ähnliche Strukturen gibt es auch in Europa: etwa den britischen Terrorpool Pool Re oder den französischen GAREAT. Der israelische Fall zeigt, dass staatliche Rückversicherungspools nicht nur im Terrorismusbereich, sondern zunehmend auch bei geopolitischen Risiken zur Stabilisierung nationaler Versicherungsmärkte beitragen können.

Steigende War-Risk-Prämien und neue Handelsrisiken

Die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen der Angriffe trafen vor allem die Transport- und Seeversicherung. Laut Branchenangaben stiegen die Prämien für Kriegsschaden-Deckungen auf Schifffahrtsrouten nach Israel innerhalb weniger Wochen um das Drei- bis Vierfache. Solche Preisaufschläge wirken sich auf globale Lieferketten, Logistikunternehmen und Exportversicherer aus. Ähnliche Entwicklungen sind inzwischen auch in anderen geopolitischen Risikozonen – etwa am Roten Meer oder in der Straße von Hormus – zu beobachten.

Folgen für Gaza: Wirtschaftlicher Kollaps und Versicherungsleere

Während Israel auf staatliche Stabilitätsmechanismen zurückgreifen kann, steht Gaza wirtschaftlich am Abgrund. Infrastruktur, Gesundheitswesen und Versorgungssysteme liegen weitgehend in Trümmern. Private Versicherungen existieren faktisch nicht, Rückversicherungskapazitäten fehlen. Internationale Hilfsorganisationen übernehmen vielfach Aufgaben, die sonst Versicherungen leisten würden – etwa beim Wiederaufbau, bei der medizinischen Versorgung oder der sozialen Absicherung.

ESG-Debatte und Verantwortung der Finanzbranche

Der Konflikt hat auch die ethische Debatte über Investitionen neu entfacht. Versicherer und institutionelle Investoren müssen sich zunehmend fragen, welche Rolle ihre Kapitalströme in einem Umfeld spielen, in dem Sicherheits- und Rüstungsindustrien an Bedeutung gewinnen.
Während einige Unternehmen Verteidigungsinvestitionen als sicherheitsrelevant betrachten, verschärfen andere ihre ESG-Richtlinien, um Reputationsrisiken zu vermeiden. Zwischen diesen Positionen verläuft eine Debatte über Verantwortung, Transparenz und gesellschaftliche Stabilität.

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