Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali InvestmentsPaolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali InvestmentsGenerali Investments

Generali Investments: Golfkrise könnte Ölpreis über 120 Dollar treiben

Veröffentlichung: 03.03.2026, 19:03 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und Iran erhöht die geopolitische Unsicherheit an den Energiemärkten. Nach Einschätzung von Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments, könnten Störungen der Ölversorgung aus dem Golf den Ölpreis deutlich steigen lassen – im Eskalationsfall sogar über 120 US-Dollar pro Barrel.

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Der Militärschlag der USA und Israels gegen Iran erhöht die geopolitische Unsicherheit erheblich. Nach Einschätzung von Paolo Zanghieri ist zwar die offizielle Begründung des Angriffs klar formuliert, das strategische Endziel jedoch weniger eindeutig. Ein vollständiger Regimewechsel würde ein langwieriges und politisch kostspieliges militärisches Engagement voraussetzen. Wahrscheinlicher erscheint daher der Versuch, die iranische Führung zu einer strategischen Neukalibrierung zu bewegen.

Gleichzeitig bleibt Iran trotz militärischer Rückschläge in der Lage, die globalen Energieflüsse empfindlich zu stören – insbesondere über die Straße von Hormus und regionale Einflussstrukturen.

Basisszenario: Begrenzte Belastung für Europas Wachstum

Im Basisszenario geht Generali Investments von einer vorübergehenden Unterbrechung der Öl- und Gaslieferungen aus dem Golf von vier bis fünf Wochen aus.

Unter diesen Annahmen würde das Wachstum im Euroraum im Jahr 2026 um bis zu 0,3 Prozentpunkte gedämpft. Die Auswirkungen auf die USA wären geringer, da die amerikanische Wirtschaft deutlich weniger von Energieimporten abhängig ist.

Sowohl die USA als auch China haben nach Einschätzung von Zanghieri ein starkes Interesse an einer raschen Eindämmung des Konflikts – die USA mit Blick auf politische Faktoren, China aufgrund seiner hohen Abhängigkeit von fossilen Energieimporten aus der Region.

Eskalationsszenario: Öl über 120 Dollar, spürbarer Inflationsschub

Deutlich gravierender wären die Folgen, sollte es zu einer zweiquartaligen Unterbrechung eines Großteils der Ölexporte aus dem Golf kommen. In diesem Fall könnte der Ölpreis auf über 120 US-Dollar pro Barrel steigen.

Für Europa würde dies einen Wachstumsverlust von rund 0,8 Prozentpunkten bedeuten. Gleichzeitig könnte die Inflation um nahezu eineinhalb Prozentpunkte steigen. Ein solches Umfeld wäre klar stagflationär geprägt und würde die geldpolitischen Spielräume erheblich einengen.

Kapitalmärkte: Dollar gefragt, Staatsanleihen unter Druck

An den Finanzmärkten zeigt sich ein differenziertes Bild. Der US-Dollar profitiert von seiner Rolle als sicherer Hafen in einer energie- und sicherheitspolitisch geprägten Krise.

Staatsanleihen hingegen reagieren weniger eindeutig. Der Anstieg der Renditen reflektiert sowohl höhere Inflationserwartungen als auch steigende Realrenditen. Letztere sind Ausdruck struktureller Sorgen über die hohe öffentliche Verschuldung, die den klassischen Safe-Haven-Status von Staatsanleihen relativiert.

Renditen von über 4,30 Prozent bei zehnjährigen US-Treasuries würden aus Sicht von Generali Investments jedoch taktische Chancen eröffnen, um die Duration selektiv auszubauen.

Aktien und Kreditmärkte: Selektive Chancen bei erhöhter Volatilität

An den Aktienmärkten profitieren vor allem Verteidigungswerte. US-Aktien entwickeln sich robuster als europäische Titel, die stärker von Energieimporten abhängig sind.

Im Basisszenario einer begrenzten Eskalation könnten Kursrückgänge selektive Einstiegsmöglichkeiten bieten. Gleichzeitig empfiehlt Generali Investments eine ausgewogene Positionierung mit defensiven Sektoren und Inflationsabsicherungen.

Auch im Euro-Anleihemarkt eröffnen Spread-Ausweitungen selektive Chancen, wobei insbesondere energieintensive Branchen und stark energieabhängige Volkswirtschaften anfällig bleiben.


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