Naturkatastrophen im ersten Halbjahr 2025: Versicherte Schäden auf Rekordkurs

Veröffentlichung: 30.07.2025, 16:07 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die weltweiten Naturkatastrophen des ersten Halbjahres 2025 haben Schäden in Höhe von rund 131 Milliarden US-Dollar verursacht. Davon waren rund 80 Milliarden US-Dollar versichert – ein außergewöhnlich hoher Wert, der nur vom ersten Halbjahr 2011 übertroffen wird. Damit liegt das versicherte Schadenvolumen laut Munich Re deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn und 30 Jahre.

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Die Feuer bei Los Angeles entwickelten sich zur bislang teuersten Feuerkatastrophe – mit Gesamtschäden von 53 Mrd. US-Dollar und versicherten Schäden von etwa 40 Mrd. US-Dollar.Die Feuer bei Los Angeles entwickelten sich zur bislang teuersten Feuerkatastrophe – mit Gesamtschäden von 53 Mrd. US-Dollar und versicherten Schäden von etwa 40 Mrd. US-Dollar.DALL-E

Besonders ins Gewicht fiel ein massives Waldbrandereignis in Kalifornien: Die Feuer bei Los Angeles entwickelten sich zur bislang teuersten Feuerkatastrophe – mit Gesamtschäden von 53 Mrd. US-Dollar und versicherten Schäden von etwa 40 Mrd. US-Dollar. Die Katastrophe ereignete sich ungewöhnlicherweise im Januar, während der eigentlich regenreichen Saison.

Klimawandel als Brandbeschleuniger

Thomas Blunck, Mitglied des Vorstands der Munich Re, sieht im Klimawandel eine zentrale Ursache für die wachsenden Risiken: „Katastrophen wie in Los Angeles sind durch die globale Erwärmung wahrscheinlicher geworden. Der beste Weg, Schäden zu vermeiden, ist Prävention – etwa durch widerstandsfähigere Bauweisen.“ Auch das Entstehen neuen Baulands in Hochrisikogebieten müsse kritisch hinterfragt werden.

Der Brand wurde durch eine Kombination aus fehlenden Winterniederschlägen, dichter Vegetation aus den Vorjahren und starken Santa-Ana-Winden begünstigt. Chefklimatologe Tobias Grimm erklärt: „Trockenheit und starker Wind treffen in Kalifornien zunehmend auch in den kühlen Monaten zusammen. Dann braucht es nur noch einen Funken – und die Katastrophe ist da.“

Erdbeben in Myanmar fordert tausende Todesopfer

Neben den wetterbedingten Katastrophen traf ein starkes Erdbeben Myanmar am 28. März besonders schwer. Mit einer Magnitude von 7,7 forderte es etwa 4.500 Menschenleben. Die Schäden beliefen sich auf 12 Mrd. US-Dollar, der versicherte Anteil war allerdings gering. Das Beben war die zweitteuerste Naturkatastrophe des ersten Halbjahres.

Europa mit vergleichsweise geringen Schäden

In Europa lagen die Schäden trotz mehrerer Hagel- und Unwetterereignisse unter dem Vorjahresniveau. Die teuerste Katastrophe war eine Gewitterfront in Frankreich, Deutschland und Österreich im Juni (1,2 Mrd. US-Dollar gesamt, davon 0,8 Mrd. US-Dollar versichert). In der Schweiz verursachte ein Bergsturz im Kanton Wallis Schäden von knapp 0,5 Mrd. US-Dollar – laut Experten ein Phänomen, das infolge des Gletscherschwunds häufiger auftreten könnte.

Munich Re fordert stärkere Resilienzstrategien

Die Analyse unterstreicht einmal mehr die Bedeutung langfristiger Anpassungsstrategien. Munich Re unterstützt etwa seit Jahren das IBHS (Institute for Business and Home Safety) in den USA, das feuerresistente Bauweisen erforscht. „Vorsorge kann helfen, Prämien in Hochrisikogebieten stabil zu halten – und Leben zu retten“, betont Thomas Blunck. Er mahnt, dass staatliche und private Akteure das Thema Klimafolgenanpassung deutlich ernster nehmen müssen.

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