„Die Risiken im Auslandsgeschäft nehmen spürbar zu“
Handelskonflikte, Regulierung und geopolitische Spannungen erhöhen die Unsicherheit im internationalen Geschäft. Für Unternehmen wächst damit auch der Bedarf an Risikomanagement und Absicherung.
Das Auslandsgeschäft deutscher Unternehmen wird zunehmend komplexer – und riskanter. Handelskonflikte, politische Unsicherheiten und steigende regulatorische Anforderungen belasten internationale Aktivitäten. Zu diesem Ergebnis kommt der Außenwirtschaftsreport 2026 der Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK). „Die Risiken im Auslandsgeschäft nehmen spürbar zu“, sagt Melanie Vogelbach, Bereichsleiterin für Internationale Wirtschaftspolitik und Außenwirtschaftsrecht bei der DIHK. „Unternehmen müssen sich gleichzeitig auf neue Handelsbarrieren, politische Unsicherheiten und immer komplexere Vorgaben einstellen. Das bindet Ressourcen und bremst die internationale Expansion.“
Mehr Unsicherheit – mehr Absicherungsbedarf
Im Zentrum der aktuellen Entwicklungen steht die zunehmende Unberechenbarkeit wichtiger Märkte. Besonders die Handelspolitik der USA sorgt für Planungsrisiken. „Das US-Geschäft wird für viele Betriebe zunehmend unberechenbar, gerade für kleinere Unternehmen wird der Marktzugang deutlich schwieriger“, so Vogelbach. Für Unternehmen bedeutet das: Zahlungsrisiken, Lieferkettenstörungen und regulatorische Risiken nehmen zu – klassische Felder für Absicherungsinstrumente wie Kreditversicherungen oder politische Risikodeckungen.
Geopolitik verschiebt Risikoprofile
Auch andere Märkte bleiben volatil. Sanktionen gegen Russland, Exportkontrollen im China-Geschäft und geopolitische Spannungen wirken sich direkt auf Geschäftsmodelle aus. Unternehmen müssen ihre internationalen Aktivitäten zunehmend unter Risikogesichtspunkten steuern. Das betrifft nicht nur Großunternehmen, sondern insbesondere auch mittelständische Betriebe mit begrenzten Ressourcen.
Regulierung als zusätzlicher Risikofaktor
Parallel steigt der regulatorische Druck aus Europa. Neue Vorgaben wie der CO₂-Grenzausgleich oder erweiterte Sorgfaltspflichten erhöhen die Komplexität grenzüberschreitender Geschäfte. „Die Vielzahl an Regelungen überfordert gerade mittelständische Betriebe“, sagt Vogelbach. „Oft fehlt es an klaren Verfahren und praktikablen Lösungen.“ Auch hier entstehen neue Risikofelder – etwa durch Haftungsfragen oder Dokumentationspflichten.
Digitalisierung senkt operative Risiken
Gleichzeitig zeigen sich Fortschritte bei der Digitalisierung der Außenwirtschaft. Seit September 2025 können Ursprungszeugnisse vollständig digital abgewickelt werden. Bereits 119.000 Exportsendungen wurden über das neue Verfahren bearbeitet. „Das ist ein echter Fortschritt für die Praxis“, betont Vogelbach. „Digitale Verfahren sparen Zeit, reduzieren Fehler und erleichtern den Zugang zu internationalen Märkten.“ Auch das Carnet-Verfahren soll ab Mitte 2026 weiter digitalisiert werden.
Weniger Routine, mehr strategische Steuerung
Die Zahl der ausgestellten Ursprungszeugnisse ist 2025 um 4,2 Prozent auf rund 1,03 Millionen gesunken. Gleichzeitig steigt ihre Bedeutung im Kontext von Handelskonflikten und Zöllen. Der DIHK sieht darin einen strukturellen Wandel: Internationale Geschäfte bleiben attraktiv, erfordern aber deutlich mehr Steuerung, Risikobewertung und Absicherung. „Internationale Geschäfte bleiben für viele Unternehmen attraktiv – aber sie werden deutlich anspruchsvoller“, so Vogelbach. „Damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt, braucht es dringend einfachere und verlässlichere Rahmenbedingungen.“
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