Deutsche bleiben Sparer-Mentalität treu

Veröffentlichung: 19.06.2017, 12:06 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Nur jeder fünfte Deutsche ist mit der Entwicklung seiner Sparprodukte zufrieden, trotzdem ist die Bereitschaft, die „sicheren Anlagehäfen“ zu verlassen, nach wie vor nicht sehr groß. Auch die Tatsache, dass die Niedrigzinsphase noch anhalten wird, ändert daran nichts.

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Laut dem aktuellen Income-Barometer von J.P. Morgan Asset Management sind drei Viertel der Deutschen überzeugt, dass die Zinsen langfristig niedrig bleiben werden. 29 Prozent erwarten in den nächsten zwei bis drei Jahren einen Zinsanstieg, 45 Prozent sogar erst in fünf Jahren.

Die Hürde vom Sparer zum Anleger ist für viele einfach zu hoch. 74 Prozent der Befragten schätzen sich als „sicherheitsorientiert“ ein. 49 Prozent geben für sich sogar an „sehr sicherheitsorientiert“ zu sein. Der Kapitalerhalt steht hier im Vordergrund, auch auf Kosten der Rendite. Nur 14 Prozent der Befragten trauen sich zu, geringere (12 Prozent) oder sogar größere (2 Prozent) Schwankungen auszuhalten.

Deutsche sind in der Sparer-Mentalität verhaftet

78 Prozent der Befragten sind mit dem Ertrag ihrer Sparprodukte unzufrieden, verzichten aber trotzdem lieber auf Rendite, als auf die Chancen der Kapitalmärkte zu setzen. Sparprodukte stehen auch nach rund 10 Jahren Zinsen im Sinkflug noch hoch im Kurs: 53 Prozent der Befragten besitzen Sparbücher, 38 Prozent nutzen eine Lebens- oder Rentenversicherung, 29 Prozent legen in Tages- oder Festgeldern an. 13 Prozent der Befragten gaben an, Investmentfonds zu nutzen - in Aktien direkt investieren lediglich neun Prozent.

20 Prozent und somit jeder Fünfte gab keine Antwort auf die Frage nach seinen Spar- und Anlageprodukten, obwohl es ein Bewusstsein dafür gibt, wie groß die Rentenlücke bei einer höheren Lebenserwartung tatsächlich ausfallen wird.

Hinzu kommt, dass es bei vielen Deutschen in punkto Wertpapiere wie Fonds, Aktien oder Anleihen an Kenntnis mangelt. Die Mehrheit versteht dieses Thema einfach nicht, zeigt das Income-Barometer. Somit fehlen diese Anlageformen auch bei der persönlichen Altersvorsorge.

Mit 35 Prozent hat zudem mehr als ein Drittel der Befragten Angst vor Schwankungen und Verlusten. 17 Prozent sind die Kosten zu hoch und weitere 12 Prozent gaben an, dass die richtige Beratung fehle.

Konsum statt auf der „hohen Kante“

Das Zinsniveau stützt nach wie vor die Konsumlaune. Fast die Hälfte (44 Prozent) der Befragten setzt aktuell darauf größere Anschaffungen zu machen, als das Geld anzulegen. 19 Prozent sehen unabhängig vom Zinsniveau das Sparbuch oder Tagesgeld weiterhin als „erste Wahl“. 18 Prozent sind unsicher und wissen nicht, wie sie sich im aktuellen Zinsumfeld positionieren sollen.

Es zeigt sich jedoch auch ein anderer Blickwinkel. 29 Prozent der Befragten wünschen sich regelmäßige Zinsen oder Ausschüttungen auf ihrem Konto. Weitere 11 Prozent bestätigen, dass sie Wertpapiere bevorzugen würden, da Tages- und Festgelder gerade nichts einbringen und noch einmal 10 Prozent sind auf der Suche nach einer Alternative zur klassischen Zinsanlage, die auch regelmäßige Ausschüttungen bietet. Ergo ist wohl doch eine gewisse Affinität zur Kapitalanlage vorhanden.

„Income“ – was ist das eigentlich?

57 Prozent der Befragten ist nicht bekannt, dass mit Aktien und Anleihen regelmäßige Erträge erwirtschaftet werden können. Eine Anlage, die diese regelmäßigen Erträge bündelt und auch in dieser Form ausschüttet, wäre für ein Viertel der Deutschen interessant. Nur 8 Prozent der Befragten haben bereits einen Fonds mit regelmäßigen Ausschüttungen – neudeutsch „Income“ – in ihrem Portfolio.

Die Kraft des Zinseszinses nutzen

Die Wünsche die Deutschen an ihre Geldanlage bergen keine Überraschung: 49 Prozent setzen auf „Sicherheit“ und „tägliche Verfügbarkeit“, damit einher geht die Bereitschaft auf Ertragschancen zu verzichten. 23 Prozent wünschen eine Geldanlage, die zusätzliches Einkommen in Form von regelmäßigen Ausschüttungen generieren kann.

14 Prozent der Befragten möchten erst in 5 Jahren über das Ersparte verfügen und bevorzugen für diese Zeit Kapitalwachstum. 17 Prozent brauchen ihr Erspartes erst in 8 Jahren und möchten nicht nur, dass das Kapital wächst, sondern setzen auch auf Zinseszinserträge:

Wünsche erfüllen statt die Zukunft abzusichern

Auf die Abschlussfrage, wie sie 50.000 Euro nutzen würden, wenn diese zur freien Verfügung stünden, antworten 49 Prozent, dass sie sich sofort Wünsche erfüllen und auf Konsum setzen. Ein Drittel würde konsequent anlegen, damit die Kaufkraft erhalten bleibt. 12 Prozent streben einen reinen Kapitalerhalt „auf dem Papier“ an und sparen klassisch. Ein weiteres Drittel würde versuchen, das Geld durch Investments zu vermehren

Für das Income-Barometer von J.P. Morgan Asset Management hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im 2. Quartal 2017 repräsentativ 1.828 Frauen und Männer zu ihrem Spar- und Anlageverhalten, ihrer Risikobereitschaft, Gründen für und Zufriedenheit mit ihrem Anlageverhalten sowie ihren Einstellungen zu Zinsen, regelmäßigen Erträgen („Income“) und Wünschen an eine gute Geldanlage befragt.

Bilder: (1) © DDRockstar / fotolia.com (2-4) © J.P. Morgan Asset Management

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