5 Erfolgsfaktoren für deutsche Sachversicherer
Die Digitalisierung ist für Deutschlands Sachversicherer eine Jahrhundertchance. In dem hart umkämpften Markt können Kosten um insgesamt 14 Milliarden Euro gesenkt und zusätzliche Erträge in Höhe von bis zu 4 Milliarden Euro erwirtschaftet werden. (Abb. 1) Eine erste umfassende Modellrechnung von Bain & Company in Zusammenarbeit mit Google belegt diese Prognose.
Die 18-Milliarden-Chance
Einsparpotenziale ergeben sich in der mit Abstand größten Kostenposition, dem Schadenmanagement, und zwar ohne Einschränkungen für den Kunden. Digitale Technologien ermöglichen künftig eine verstärkte Prävention und eine bessere Risikoauswahl bei gleichzeitiger Reduktion der Betrugsfälle. Neue Versicherungsanforderungen wie Cyber-Security, Robotik und Drohnen bieten Chancen für neue Erträge.
Internet der Dinge und virtuelle Realität bringen Veränderung
Sachversicherern wird empfohlen, im digitalen Zeitalter den Blickwinkel zu erweitern. Die Anbieter konzentrieren sich bislang verstärkt auf Kundenschnittstellen und Innovationen in den Bereichen Operation und IT. Es wird wichtig, die gesamte Wertschöpfungskette und weitere wichtige Technologien einzubeziehen.
Dazu zählen das Internet der Dinge und Virtual Reality ebenso, wie maschinelles Lernen und Advanced Analytics. Virtuelle Realität eröffnet neue Möglichkeiten, wie zum Beispiel mit 3D-fähigen Smartphones Schäden exakt aufzunehmen und Unfälle minutiös durch künstliche Intelligenz zu rekonstruieren und zu evaluieren.
Auch Kunden können von der Digitalisierung profitieren. Erste Kfz-Versicherer bieten ihren Kunden bereits Rabatte für Fahrzeuge mit Telematik-Technologie, die das Fahrverhalten analysiert. Das Prämienniveau könnte angesichts sinkender Kosten deshalb etwas nachgeben.
Beim Service wird der Mehrwert der Digitalisierung für die Kunden im Alltag deutlich. Unfälle lassen sich binnen Minuten aufnehmen und melden, Wartezeiten bei der Schadensregulierung gehören der Vergangenheit an. Gleichzeitig können Sachversicherer ihr Serviceangebot erweitern und beispielsweise mithilfe von 3D-Aufnahmen Hinweise für einen besseren Gebäudeschutz geben.
Moderne Datenanalyseverfahren machen es zudem möglich, Policen zu optimieren, indem sie stärker auf den individuellen Bedarf abgestimmt werden. Den Versicherern selbst verschafft dies finanziellen Spielraum für erforderliche Investitionen.
Dr. Florian Mueller, Bain-Partner und Co-Autor der Studie, stellt fest:
"Die Versicherer sind gut beraten, die Digitalisierung im Sinne ihrer Kunden zu nutzen. Wenn sie ihre Kunden mit Leistung überzeugen, sinkt auch deren Wechselbereitschaft."
Dies ist gerade in der Kfz-Versicherung derzeit ein massives Problem. Und noch eine zweite Herausforderung lässt sich mit digitalen Technologien meistern: die fehlende Interaktion.
Mueller ergänzt:
"Durch unsere Studien zur Kundenloyalität wissen wir, dass die Unzufriedenheit von Kunden steigt, je länger der letzte Kontakt zu ihrer Versicherung zurückliegt."
Digitale Technologien erleichtern Interaktionen und bieten damit immer wieder Anknüpfungspunkte, die Geschäftsbeziehung zu erweitern.
Die fünf Erfolgsfaktoren im digitalen Zeitalter
Die Studie verdeutlicht fünf Aufgabenfelder der Versicherer:
1. Konsequentes Denken aus Kundensicht
Die Digitalisierung ist die passende Antwort auf ein grundlegend verändertes Kundenverhalten. Jede neue Anwendung sollte Kundenerlebnisse verbessern und einen spürbaren Mehrwert für die Versicherten schaffen.
2. Erweiterung der digitalen Perspektive
Versicherungen müssen frühzeitig die technologischen Möglichkeiten identifizieren, die ihre Kernprozesse oder ihre Wettbewerbsposition verbessern.
3. Sorgfältige Auswahl des digitalen Portfolios
Nicht alle neuen Technologien werden die Erwartungen erfüllen. Daher sollten Versicherungsunternehmen ihr digitales Portfolio passgenau aufbauen und externe Partner einbinden.
4. Agilität in der Entwicklung
Wer neue Produkte oder Services erst komplett entwickelt und dann einsetzt, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Stattdessen sollten Versicherer rasch Prototypen zur Marktreife bringen und diese im Geschäftsverlauf mit Partnern und Kunden optimieren.
5. Ausbau der digitalen Fähigkeiten und Kultur
Die Optimierung von Produkten und Prozessen im laufenden Betrieb erfordert einen weitreichenden Kulturwandel. Ein umfassender Change-Prozess in den Unternehmen ist daher unabdingbar.
https://www.experten.de/2017/06/01/310-000-seiten-papier-in-einem-jahr-gespart/
Bilder: (1) © alphaspirit / fotolia.com (2 & 3) © Bain & Company Germany
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