„Viele Menschen wissen nicht, welche Ansprüche sie im Alter haben“

Veröffentlichung: 21.08.2025, 14:08 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich mehr Transparenz bei der Altersvorsorge. Eine repräsentative Bitkom-Studie zeigt: Digitale Lösungen könnten helfen, doch das Wissen um bestehende Angebote ist gering. Und bei der digitalen Beratung entsteht ein Spannungsfeld zwischen Offenheit für KI und dem Bedürfnis nach persönlicher Unterstützung.

(PDF)
Nur 42 Prozent der Befragten haben bereits von der Digitalen Rentenübersicht gehört oder gelesen, bei den noch nicht im Ruhestand befindlichen sind es 50 Prozent.Nur 42 Prozent der Befragten haben bereits von der Digitalen Rentenübersicht gehört oder gelesen, bei den noch nicht im Ruhestand befindlichen sind es 50 Prozent.DALL-E

Eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom verdeutlicht die wachsende Nachfrage nach digitalen Angeboten zur Altersvorsorge. Demnach wünschen sich rund 65 Prozent der Befragten eine einfache Übersicht über ihre Einkünfte im Alter. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch bei Menschen, die noch nicht in Rente oder Pension sind: In dieser Gruppe liegt der Anteil bei 77 Prozent.

Auch der Wunsch nach digitalen Prozessen ist deutlich: 46 Prozent aller Befragten möchten ihre Altersvorsorge vollständig online abwickeln. Unter denjenigen, die noch keine Altersbezüge erhalten, sind es sogar 55 Prozent. Damit wächst die Erwartungshaltung an digitale Plattformen und Beratungsangebote im Vorsorgebereich.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder erklärt: „Viele Menschen wissen nicht, welche Ansprüche sie im Alter haben. Dabei sind fundierte Entscheidungen über die Vorsorge wichtiger denn je. Digitale Angebote können hier Transparenz schaffen und die individuelle Finanzplanung erleichtern.“

Ein zentrales Angebot ist seit 2023 die Digitale Rentenübersicht, ein staatlich betriebenes Online-Portal, das Informationen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge bündelt. Doch die Bekanntheit bleibt gering: Nur 42 Prozent der Befragten haben bereits von der Digitalen Rentenübersicht gehört oder gelesen, bei den noch nicht im Ruhestand befindlichen sind es 50 Prozent.

Darüber hinaus zeigt die Studie eine steigende Akzeptanz für neue Formen der Beratung: 42 Prozent der Deutschen können sich eine Beratung durch Künstliche Intelligenz vorstellen. Unter den Erwerbstätigen liegt die Zustimmung mit 53 Prozent noch höher. Gleichzeitig bestehen Bedenken: Fast die Hälfte (45 Prozent) der Befragten empfindet Vorsorgeprodukte als so komplex, dass sie diese digital nicht ohne persönliche Hilfe abschließen könnten.

Rohleder betont daher die Notwendigkeit einer engen Verzahnung von digitaler und persönlicher Beratung: „Gerade bei der oft komplexen Altersvorsorge sollten digitale und persönliche Beratung eng verzahnt werden. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, eine Vielzahl relevanter Daten auch unter sich ändernden Lebensumständen auszuwerten und so die Entscheidungsfindung unterstützen.“

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Viele Deutsche würden gerne Künstliche Intelligenz nutzen, um Versicherungsanträge schneller und einfacher zu erledigen.Viele Deutsche würden gerne Künstliche Intelligenz nutzen, um Versicherungsanträge schneller und einfacher zu erledigen.DALL-E
Digitalisierung

Versicherungs-KI mit Potenzial – aber auch mit Vorbehalten

Viele Deutsche würden gerne Künstliche Intelligenz nutzen, um Versicherungsanträge schneller und einfacher zu erledigen. Auch bei der Vertragsanalyse zeigen sich viele aufgeschlossen. Doch sobald es um Gesundheitsdaten oder Schadensbewertungen geht, kippt die Stimmung.
Digitale Anwendungen, regelmäßige Produktvergleiche und eine höhere Bereitschaft zur Renditeoptimierung machen deutsche Sparer im europäischen Vergleich besonders aktiv.Digitale Anwendungen, regelmäßige Produktvergleiche und eine höhere Bereitschaft zur Renditeoptimierung machen deutsche Sparer im europäischen Vergleich besonders aktiv.Redaktion experten.de / KI-generiert
Studien

Studie: Deutsche sparen nicht nur mehr – sie investieren auch aktiver

Hohe Sparguthaben allein erklären das Anlageverhalten der Deutschen nicht. Nach einer europaweiten Studie von Crédit Agricole verwalten Sparer hierzulande ihr Vermögen auch deutlich aktiver als ihre Nachbarn. Digitale Angebote, regelmäßige Produktvergleiche und eine größere Bereitschaft zur Renditeoptimierung sorgen dafür, dass Deutschland im europäischen Vergleich an der Spitze liegt.
v.l.n.r:: Franziska Geusen, Norman Wirth und Frank Rottenbacher vom AfWv.l.n.r:: Franziska Geusen, Norman Wirth und Frank Rottenbacher vom AfW2026 AfW / WAEIS_Film
Beratung

AfW sieht Vermittlerbranche bei KI und Altersvorsorge vor gemeinsamen Herausforderungen

Künstliche Intelligenz, Altersvorsorge-Reform, Beratungsvergütung und die Zukunft der persönlichen Beratung: Beim Jubiläum des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung standen weniger Rückblicke als die Herausforderungen der kommenden Jahre im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich, dass die Branche in zentralen Fragen trotz unterschiedlicher Interessen stärker zusammenarbeiten will.
Ait Voncke, CEO von blaudirekt und Hans-Peter Wolf, CPTO von blaudirektAit Voncke, CEO von blaudirekt und Hans-Peter Wolf, CPTO von blaudirektblaudirekt
Köpfe

Von AMEISE bis Agentic: Wie KI den Maklerbetrieb neu organisiert

Von KI-Assistenten zu KI-Agenten: Im Versicherungsvertrieb verschiebt sich die Diskussion derzeit von einzelnen Werkzeugen hin zu autonomen Systemen. Mit dem Ausbau seiner Plattform verfolgt blau direkt genau diese Entwicklung – und setzt dabei auf die Erfahrung eines internationalen Plattformmanagers.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht