„Viele Menschen wissen nicht, welche Ansprüche sie im Alter haben“
Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich mehr Transparenz bei der Altersvorsorge. Eine repräsentative Bitkom-Studie zeigt: Digitale Lösungen könnten helfen, doch das Wissen um bestehende Angebote ist gering. Und bei der digitalen Beratung entsteht ein Spannungsfeld zwischen Offenheit für KI und dem Bedürfnis nach persönlicher Unterstützung.
Eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom verdeutlicht die wachsende Nachfrage nach digitalen Angeboten zur Altersvorsorge. Demnach wünschen sich rund 65 Prozent der Befragten eine einfache Übersicht über ihre Einkünfte im Alter. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch bei Menschen, die noch nicht in Rente oder Pension sind: In dieser Gruppe liegt der Anteil bei 77 Prozent.
Auch der Wunsch nach digitalen Prozessen ist deutlich: 46 Prozent aller Befragten möchten ihre Altersvorsorge vollständig online abwickeln. Unter denjenigen, die noch keine Altersbezüge erhalten, sind es sogar 55 Prozent. Damit wächst die Erwartungshaltung an digitale Plattformen und Beratungsangebote im Vorsorgebereich.
Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder erklärt: „Viele Menschen wissen nicht, welche Ansprüche sie im Alter haben. Dabei sind fundierte Entscheidungen über die Vorsorge wichtiger denn je. Digitale Angebote können hier Transparenz schaffen und die individuelle Finanzplanung erleichtern.“
Ein zentrales Angebot ist seit 2023 die Digitale Rentenübersicht, ein staatlich betriebenes Online-Portal, das Informationen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge bündelt. Doch die Bekanntheit bleibt gering: Nur 42 Prozent der Befragten haben bereits von der Digitalen Rentenübersicht gehört oder gelesen, bei den noch nicht im Ruhestand befindlichen sind es 50 Prozent.
Darüber hinaus zeigt die Studie eine steigende Akzeptanz für neue Formen der Beratung: 42 Prozent der Deutschen können sich eine Beratung durch Künstliche Intelligenz vorstellen. Unter den Erwerbstätigen liegt die Zustimmung mit 53 Prozent noch höher. Gleichzeitig bestehen Bedenken: Fast die Hälfte (45 Prozent) der Befragten empfindet Vorsorgeprodukte als so komplex, dass sie diese digital nicht ohne persönliche Hilfe abschließen könnten.
Rohleder betont daher die Notwendigkeit einer engen Verzahnung von digitaler und persönlicher Beratung: „Gerade bei der oft komplexen Altersvorsorge sollten digitale und persönliche Beratung eng verzahnt werden. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, eine Vielzahl relevanter Daten auch unter sich ändernden Lebensumständen auszuwerten und so die Entscheidungsfindung unterstützen.“
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