ifo-Gutachten: Rentenreform dringend nötig – Beitragssatz könnte bis 2050 auf 22 Prozent steigen

Veröffentlichung: 01.08.2025, 09:08 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Das deutsche Rentensystem steht unter massivem Reformdruck. Zu diesem Schluss kommt ein aktuelles Gutachten des ifo Instituts Dresden im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung. Ohne grundlegende Strukturänderungen drohen nicht nur steigende Beitragssätze, sondern auch eine erhebliche finanzielle Überlastung künftiger Generationen.

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Das deutsche Rentensystem steht unter massivem Reformdruck (Symbolbild).Das deutsche Rentensystem steht unter massivem Reformdruck (Symbolbild).DALL-E

Warnung vor dem demografischen Kollaps

„Deutschland steht vor einer dramatischen demografischen Herausforderung“, warnt Marcel Thum, Geschäftsführer der ifo-Niederlassung Dresden und Ko-Autor des Gutachtens. Die Lebenserwartung sei deutlich gestiegen, während die geburtenstarken Jahrgänge bald in Rente gehen. Gleichzeitig sei die Zahl junger Beitragszahler rückläufig. „Die Kosten der Alterung dürfen nicht einseitig den jüngeren Menschen zugeschoben werden“, so Thum.

Ohne Gegenmaßnahmen würde der Beitragssatz in der gesetzlichen Rentenversicherung von derzeit 18,6 auf rund 22 Prozent im Jahr 2050 steigen. Die staatlichen Zuschüsse müssten laut Berechnungen des ifo Instituts um mehr als 50 Prozent erhöht werden.

Kritik an aktueller Rentenpolitik

Kritisch sehen die Autoren Maßnahmen wie die Mütterrente, die Rente ab 63 oder die gesetzlich festgeschriebene Haltelinie beim Rentenniveau. Diese politischen Entscheidungen wirkten laut Gutachten gegenläufig zu einer generationengerechten Finanzierung der Altersvorsorge.

Vorgeschlagene Reformoptionen:

  • Nachhaltigkeitsfaktor wieder einführen: Die Rentenanpassung würde sich dann stärker am Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern orientieren – das senkt langfristig die Ausgaben.
  • Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung: Ein besonders wirksamer Hebel, um das System zu stabilisieren.
  • Anpassung der Bestandsrenten an die Inflationsentwicklung: Auch dies könne zur Entlastung beitragen.
  • Abschaffung der Rente ab 63: Bringt zwar nur geringe Einsparungen, wäre aber ein symbolischer Schritt in Richtung mehr Nachhaltigkeit.

Das vollständige Gutachten mit dem Titel „Reformoptionen für eine stabile Rente“ kann kostenfrei über die Website der Friedrich-Naumann-Stiftung abgerufen werden.

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