Rentenreform ohne Kurswechsel? Warum die Haltelinie teuer wird
Die gesetzliche Rente droht aus dem Gleichgewicht zu geraten – trotz Haltelinie. Eine neue Studie rechnet vor, wie stark Beitragszahler und Bundeshaushalt in den kommenden Jahrzehnten belastet werden, wenn keine strukturellen Reformen folgen.
Die Haltelinie beim Rentenniveau soll Sicherheit schaffen – doch sie hat ihren Preis. Das zeigt eine aktuelle Kurzstudie von Professor Martin Werding (Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung) und Professor Bernd Raffelhüschen im Auftrag von Fidelity International. Das Rentenniveau bei 48 Prozent zu stabilisieren, ohne das Renteneintrittsalter anzuheben oder das Leistungsrecht zu reformieren, könnte bereits 2025 bis zu 135 Milliarden Euro an Bundeszuschüssen erfordern. Ohne Reformmaßnahmen drohen langfristig noch deutlich höhere Belastungen für Steuerzahler und Beitragszahler.
Laut Studie stünden dem Umlagesystem allein im Jahr 2045 bis zu 8,5 Prozentpunkte höhere Beitragssätze bevor – wenn der Bundeszuschuss nicht weiter steigen soll. Anders gerechnet: Um das Rentenniveau von 48 Prozent konstant zu halten, müssten jährlich zwischen 5,5 und 7,8 Prozent des BIP zusätzlich aufgebracht werden – in Form höherer Beiträge oder wachsender Steuerzuschüsse.
Besonders kritisch sehen die Autoren die politische Strategie, bis 2028 keine grundlegenden Reformen umzusetzen. Denn je länger die Politik mit Anpassungen warte, desto abrupter müssten sie später ausfallen. Dabei sei es durchaus möglich, die Lasten generationengerecht zu verteilen – etwa über eine moderate Anhebung des Rentenalters, gekoppelt an die steigende Lebenserwartung. Diese sogenannte „dynamische Haltelinie“ sei langfristig tragfähiger als die aktuell diskutierten Maßnahmen.
Die Studien-Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Rentenversicherung eine tragfähige Reformstrategie benötigt, die dem demografischen Wandel Rechnung trägt – ohne künftige Beitragszahler übermäßig zu belasten oder den Bundeshaushalt aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Dynamische Haltelinie: Wie das Rentensystem mit der Lebenserwartung wachsen kann
Rentenversicherung: Kürzung der Bundeszuschüsse würde 2027 zu höherem Beitragssatz führen
Umlagesystem unter Druck: Studie warnt vor massiver Beitragslast für junge Generationen
Rente mit 70? Debatte über längere Lebensarbeitszeit gewinnt an Fahrt
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Rentenkommission verschiebt die Rentendebatte – vom Leistungsversprechen zur Finanzierungsfrage
Frührente und Vollzeitjob: Immer mehr Ruheständler nutzen die neue Freiheit
Altersvorsorge: „Entscheidend ist, Vorsorge als lebenslange Einkommensplanung zu denken“
Rentenanpassung 2026: Mehr Kaufkraft für Senioren, höhere Lasten für Beitragszahler
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.















