Rentenreform ohne Kurswechsel? Warum die Haltelinie teuer wird

Veröffentlichung: 09.07.2025, 08:07 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Die gesetzliche Rente droht aus dem Gleichgewicht zu geraten – trotz Haltelinie. Eine neue Studie rechnet vor, wie stark Beitragszahler und Bundeshaushalt in den kommenden Jahrzehnten belastet werden, wenn keine strukturellen Reformen folgen.

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Die gesetzliche Rente droht aus dem Gleichgewicht zu geraten – trotz Haltelinie.Die gesetzliche Rente droht aus dem Gleichgewicht zu geraten – trotz Haltelinie.DALL-E

Die Haltelinie beim Rentenniveau soll Sicherheit schaffen – doch sie hat ihren Preis. Das zeigt eine aktuelle Kurzstudie von Professor Martin Werding (Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung) und Professor Bernd Raffelhüschen im Auftrag von Fidelity International. Das Rentenniveau bei 48 Prozent zu stabilisieren, ohne das Renteneintrittsalter anzuheben oder das Leistungsrecht zu reformieren, könnte bereits 2025 bis zu 135 Milliarden Euro an Bundeszuschüssen erfordern. Ohne Reformmaßnahmen drohen langfristig noch deutlich höhere Belastungen für Steuerzahler und Beitragszahler.

Laut Studie stünden dem Umlagesystem allein im Jahr 2045 bis zu 8,5 Prozentpunkte höhere Beitragssätze bevor – wenn der Bundeszuschuss nicht weiter steigen soll. Anders gerechnet: Um das Rentenniveau von 48 Prozent konstant zu halten, müssten jährlich zwischen 5,5 und 7,8 Prozent des BIP zusätzlich aufgebracht werden – in Form höherer Beiträge oder wachsender Steuerzuschüsse.

Besonders kritisch sehen die Autoren die politische Strategie, bis 2028 keine grundlegenden Reformen umzusetzen. Denn je länger die Politik mit Anpassungen warte, desto abrupter müssten sie später ausfallen. Dabei sei es durchaus möglich, die Lasten generationengerecht zu verteilen – etwa über eine moderate Anhebung des Rentenalters, gekoppelt an die steigende Lebenserwartung. Diese sogenannte „dynamische Haltelinie“ sei langfristig tragfähiger als die aktuell diskutierten Maßnahmen.

Die Studien-Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Rentenversicherung eine tragfähige Reformstrategie benötigt, die dem demografischen Wandel Rechnung trägt – ohne künftige Beitragszahler übermäßig zu belasten oder den Bundeshaushalt aus dem Gleichgewicht zu bringen.

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